Home Praxis Alles Ostern, oder was? Fakten über den Nestbau

Alles Ostern, oder was? Fakten über den Nestbau

Ostern hin oder her: Natürlich werden Nester in der Regel von Vögeln gebaut – aber eben nicht nur. Ein Beweis für die Existenz des Osterhasen ist das allerdings keineswegs. Und es gilt: Nest ist nicht gleich Nest! Die Konstruktionen sind so unterschiedlich wie die "Bauherren" selbst. Einige nicht alltägliche "Nestlebauer" haben wir hier aufgelistet.

1 Bartmeise – ein Napf als Nest

Das Nest der Bartmeise ist ein einfach geformter Napf aus trockenen Schilfrohrblättern und anderen Wasserpflanzen. Ausgekleidet wird es mit Rispen, Federn und Haaren. Die Körbchen werden im Frühling nebeneinander als lockere Kolonie knapp über dem Wasserspiegel am Rand von Schilffeldern gebaut. Oft werden die Nester aber auch nicht einsehbar unter Schilf- oder Binsenbüscheln platziert. Das Gelege wird abwechselnd vom Männchen und vom Weibchen bebrütet. Fremde unverpaarte Bartmeisen beteiligen sich bisweilen als Helfer am Brutgeschäft.

2 Eichhörnchen – mehrere Wohnsitze

Hoch oben in Astgabeln oder an der Basis eines Astes bauen Eichkatzen ihre ovalen Nester, auch Kobel genannt. Die hohlkugelförmigen Bauten bieten das ganze Jahr Schutz und werden zum Schlafen, Ruhen und als Kinderstube genutzt. Ein Kobel ist kugelförmig mit einem Durchmesser von bis zu 50 Zentimetern. Bei Gefahr stehen dem Eichhörnchen zwei oder mehrere Ausgänge zur Flucht zur Verfügung. Das Gehäuse des Kobels besteht aus Reisig und Zweigen, Nadeln und Blättern. Innen ist das Nest mit einer weichen Schicht aus Moos, Federn und Gras gepolstert, die die Kälte und Nässe abhält. Jedes Eichhörnchen platziert zwei bis acht solcher Wohnsitze in sechs bis 15 Metern Höhe. Wenn nötig, kann der Hauptwohnsitz also jederzeit gewechselt werden.

3 Weißkopfseeadler – Nest in Autogröße

Jahrein jahraus benutzen Weißkopfseeadler dasselbe Nest in großen Höhen auf Bäumen oder Felsen. Dabei fügen sie immer Zweige, Moos, Gräser und Federn hinzu. Mit der Zeit werden die Nester so riesig, dass sie kaputtgehen können, da die Äste unter dem Gewicht brechen. Dann wird von vorne mit dem Horstbau begonnen. Wird in der Höhe kein geeigneter Platz für das Nest gefunden, wird aber auch schon mal eines auf dem Boden gebastelt. Das schwerste Nest eines Weißkopfseeadlers hatte 2,9 Meter im Durchmesser, war sechs Meter tief und wog mehr als zwei Tonnen!

4 Laubenvögel – die Ästheten

Die zwanzig Laubenvogelarten kommen nur in Australien und Neuguinea vor. Sie bauen tatsächlich Hütten, errichten Prunkalleen und bemalen die Wände mit Farbe aus Speichel und Beeren. Und das alles nur, um Weibchen zu beeindrucken, die zufällig vorbeikommen. Für die Seitenwände werden Äste dicht an dicht in den Boden gesteckt. Der Mittelgang muss frei bleiben, da das Weibchen für das Balzritual dort hinein gelockt wird. Der Braunbauchlaubenvogel bevorzugt weiß. Er schmückt seinen 50 Zentimeter langen Bau mit weißen Muscheln und Kieselsteinen. Andere Laubenvogel-Arten favorisieren rotes Dekor, also sammeln sie beispielsweise leere Coladosen und arrangieren sie geschmackvoll, bevor sie bei der Balz für das Weibchen tanzen und ihr einen roten Gummiring mit dem Schnabel überreichen. Bei einer weiteren Laubenvogel-Art, die blau bevorzugt, konnten schon 200 tiefblaue Gegenstände gefunden werden, die um die Laube drapiert wurden.

5 Webervögel – die Fleißigen

Die meisten Webervögel bewohnen das Buschland, offene Graslandschaften oder bewaldete Gebiete im südlichen Afrika. Die Maskenweber sind gesellige Koloniebrüter und bauen ihre Nester aus langen, zugfesten und biegsamen Pflanzenfasern, Straußenfedern oder Wolle. Männchen haben in der Regel mehrere weibliche Partner und bauen pro Jahr bis zu 25 Nester. Für den Bau der kompliziert gesponnenen kunstvollen Hängenester braucht der Maskenweber etwa fünf Tage. Um Frau Webervogel erfolgreich zur Paarung zu bewegen, muss das Männchen bis zu fünf Nester errichten. Madame beäugt nämlich den Bau äußerst kritisch und zerstört, was ihr nicht gefällt. Wenn ein Nest angenommen wird, sorgt die Dame des Hauses für den Innenausbau.

6 Thermometerhuhn – Brutschrank für den Nachwuchs

Das in Australien lebende Großfußhuhn vollbringt für die Nachwuchsfürsorge eine wahre architektonische und klimatische Meisterleistung. Es baut einen mehrere Stockwerke umfassenden Bruthügel, sozusagen einen Brutschrank. Dazu wird ein tiefes Loch mit Pflanzenmaterial gefüllt. Nach einem Regenereignis kommt eine Lage Sand auf die nun nasse Schicht. Das Material verrottet, es entsteht Wärme. Auf diese auf dem Hügel so angelegte Eikammer wird noch mehr Erde aufgebracht. Der Name Thermometerhuhn kommt von dem ausgeklügelten System, welches die Bruttemperatur in der Eikammer auf konstant 33 °C hält.