Home Praxis Akustische Signale:Lautarten der Jagdhunde - welche Bedeutung haben sie in der heutigen Jagd?

Akustische Signale:Lautarten der Jagdhunde - welche Bedeutung haben sie in der heutigen Jagd?

Der Hund soll am Stück solange Standlaut geben, bis der Hundeführer den Fangschuss angetragen hat. <br>(Foto: V. Hohlfeld)



Möchte sich ein Jäger einen Jagdhund anschaffen, sollte er in erster Linie von dessen späteren jagdlichen Einsatzmöglichkeiten ausgehen. Diese gehen nach vollendeter Ausbildung häufig über die Gelegenheiten des eigenen meist kleinen Reviers hinaus. So können sich über den Besitz eines firmen Gebrauchshundes oft weitere interessante und vielfältige jagdliche Einsätze ergeben.
Zum Kauf eines Welpen ist der sicherste Weg, wenn man ihn aus einer Leistungszucht erwirbt, in der beide Eltern des Hundes eine jagdliche Gebrauchsprüfung absolviert haben. Auch sollten gute Anlagenleistungen, insbesondere der so bedeutsame aber oft unterschätzte Fährtenlaut der Elterntiere, in den Papieren nachweisbar sein. Auf diese Weise erwirbt man einen Welpen, der die größte Sicherheit verbirgt, ein allseitig leistungsfähiger Gebrauchshund zu werden. Ein Hund, der auch alle späteren Prüfungen mit Erfolg absolviert, vorausgesetzt, er genießt eine qualifizierte Ausbildung. Die jagdlichen Leistungen eines Jagdgebrauchhundes setzen sich aus den Anlage- und Abrichteleistungen zusammen. Die Abrichteleistungen können durch konsequente Ausbildung erreicht und ständig verbessert werden. Für die Anlagen ist das nicht möglich. Sie sind genetisch fixiert und nicht veränderbar. Das trifft auch für den Anlagenwert „Laut“ zu, der auf allen Anlagenprüfungen festgestellt und in die Zensurenblätter sowie letztlich in die Ahnentafel eingetragen wird.

Bewertung der Anlagen


Die Prüfung der jagdlichen Anlagen bei Junghunden erfordert Kompetenz und Erfahrung. Von daher ist sehr davor zu warnen, voreilig und leichtfertig fehlende Anlagen diagnostizieren zu wollen. Den Junghund muss man längere Zeit im Revier unter allen jagdlichen Situationen erlebt haben, um zu einer endgültigen Bewertung seiner Anlagen zu kommen.
Die vorhandenen oder fehlenden Anlagen kristallisieren sich beim Junghund oft erst nach einiger Zeit und in zahlreichen aufschlussreichen Situationen in seinem Verhalten vor Wild heraus. Dagegen kann die Anlage des Lautes ziemlich rasch ermittelt werden.
Alle Lautäußerungen sind vom Führer wie auch von anderen Mitjägern, bei aufmerksamem Abhören und situationsbedingter Gegebenheit, deutlich voneinander zu unterscheiden. So verfügt der Hundeführer bei Lautwerden seines Hundes über Informationen: wo und in welcher Situation sich der jagende Hund befindet, an welchem Wild er jagt und wo das flüchtige Wild zu erwarten ist. Anwechselndes Wild kommt nicht überraschend, es lässt dem Schützen Zeit, sich vorzubereiten.
In solchen Erlebnissen liegt die ganze Ethik und das Glück des Jagens mit einem zuverlässigen fährtenlauten Jagdhelfer!

Stöberjagden dominieren

Wegen der heute vornehmlich betriebenen Stöberjagd mit fährtenlaut jagenden Hunden sind von den verschiedenen Anlagen der Jagdhundrassen die des Lautes von besonderer Bedeutung.
Dabei kommen nahezu Vertreter aller Rassen zum Einsatz, bis auf die echten Schweißhunde, die der ruhigen qualifizierten Nachsuchenarbeit vorbehalten bleiben müssen.
Bei der Stöberjagd fällt dem laut jagenden Hund die Aufgabe zu, das Wild aus meist großflächigen Dickungen und Deckungen hoch zumachen, damit es im freien Schussfeld angesprochen und beschossen werden kann.
Der Wert eines Stöberhundes liegt besonders darin, dass er intensiver als die Treiber alle Deckungen in flotter Gangart kleinflächig absucht und das Wild auf die Läufe bringt. Gute Stöberarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass der geschnallte Hund die ihm zugewiesene Deckung gründlich absucht, längere Zeit in der Tiefe des Treibens arbeitet, nicht überjagt, vom Führer lange fern bleibt, dennoch Gehorsam zeigt und das Wild dem Schützen vor die Büchse treibt.
Das erfordert eine längerfristige, qualifizierte Einarbeitung des Hundes in diese Jagdtechnik. Auf den heutigen Waldjagden (auch Stöberjagden genannt), die meistens als Treibjagden abgehalten werden, sieht man mehr schlecht als gut arbeitende Stöberhunde, weil sie in der Disziplin oft nicht sorgfältig durchgearbeitet sind.
Die Qualität guter Stöberjagd ist an den zuverlässigen Fährtenlaut gebunden, weil nur dadurch ein ständiger Kontakt und eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Hund und Führer gewährleistet ist.
Der Förderung des Lautes wurde in der Jagdhundezucht besondere Aufmerksamkeit gezollt. Dies führte dazu, dass der Laut bei allen Rassen züchterisch stark verankert wurde. Das gilt nicht nur für die Hunde der Stöberhundgruppe, wie Deutsche Wachtel und Spaniel, sondern auch für Teckel, Jagdterrier, Bracken und sogar für die Vorstehhunde, die heute überall bei den Waldjagden eingesetzt werden.