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Adria - Widder

Weit reicht der Blick über das Muffelwild-Revier, dem 'zu Füßen' das Meer liegt. (Foto: S. Waltmann)


Die Schweißtropfen rannen mir von der Stirn, das Hemd war durchgeschwitzt. Ende September hatten wir sommerliche Temperaturen an der kroatischen Riviera: 28° Celsius bereits um die Mittagszeit, im Schatten wohlgemerkt. Aber faul in der Sonne am hoteleigenen Kiesstrand „braten“, wie es meine mitgereiste Ehefrau tat? Da bevorzugte ich doch die spannende, alle jagdlichen Sinne fordernde Pirsch.
Bereits in der beginnenden Dämmerung waren Jagdführer Ante Dundic und ich im 14000 Hektar großen Re­vier der Jagdgesellschaft LD „Vranjak“-Ploce unterwegs. Eine erhebliche Reviergröße, jedoch sind aufgrund der Geländestruktur und des Bewuchses lediglich 6000 Hek­tar bejagbar. Dundic gilt als ein Muffelwildkenner ersten Ranges und ist zugleich (deutsch sprechender) Jagdveranstalter. Neben Ploce hat er weitere sehr gute, aber nicht minder schwer zu be­jagende Gebiete in der südlichen Küstenregion Kroa­tiens unter Vertrag.
Immer den Wind prüfend, übten wir „Stehend-Pirsch“ aus oder harrten stundenlang an einem Ausguck, um Muffelwild überhaupt in Anblick zu bekommen. Weit reichte von dort der Blick über das karstige Gebirge mit den ­nahezu undurchdringlichen Dornenbüschen und über das sich gut 300 Höhenmeter unter uns wie eine blaue Zunge zwischen Festland und vorgelagerten Inseln ­erstreckende Meer. Hinter einem Felsen suchten wir ­Deckung. Rechts neben uns fiel das Gebirge zum Meer ab, das ruhig wie ein blaues Tuch unter uns lag.

Anspruchsvolle Jagd

Vor dem Erfolg auf einen Widder wird vom Jäger Kondition und Schieß­vermögen verlangt, aber auch auf eine Porti­on Glück gesetzt. (Foto: J. Tomljanovic)

Vor dem Erfolg auf einen Widder wird vom Jäger Kondition und Schieß­vermögen verlangt, aber auch auf eine Porti­on Glück gesetzt. (Foto: J. Tomljanovic)

Nach über einer Stunde erblickten wir zwei Schafe, ein Lamm und einen jungen Widder. Eigentlich hatten sich die Wildschafe selbst verraten, da sie beim Ziehen Steine lostraten. So wie sie auftauchten, waren sie aber gleich wieder unter dem Grün des Bewuchses abgetaucht. Der Muffel-Bestand in Ploce wird auf 400 bis 500 Stück geschätzt. Pro Jahr werden um 50 Stück erlegt, davon im Durchschnitt 20 Widder. Die Trophäenqualität ist sehr gut, sind doch in der Regel etwa fünf Widderschnecken in der Goldmedaillenklasse. Zehn werden mit Silber und vier bis sechs mit Bronze bewertet. Die meisten Jagdgäste möchten solche mit 200 bis 215 CIC-Punkten erlegen, allein der Trophäenkosten wegen. Da­rüber wirds teuer, aber auch die „Luft dünn“: Hochkapitale mit über 220 CIC-Punkten wurden bereits erbeutet, und sie gibt es nach wie vor. Aber in diesem schwer zu bejagenden Revier wollen sie erst gefunden sein.
Obwohl sich die Wildschafe bereits in der Brunft befanden, machten sie sich an jenem Tag und ebenso an den Folgetagen rar. Die ungewöhnliche Hitze schien sie nun wirklich nicht zu stimulieren. Stundenlang stehen sie unbeweglich im Schatten der Macchie, bewegen nur ab und an ein wenig die Lauscher und sichern ins Freie, erläutert mir Dundic. Als ­Jäger bist du da machtlos – was sich dann auch bei uns bewahrheitete.
Ungeachtet der sehr schwierigen jagdlichen Bedingungen genossen wir eine jede Stunde im ­Muffelrevier. Meine Ehefrau konnte ich mit ein wenig Überredungskünsten dazu begeistern, doch wenigstens einmal mit auf die Jagd zu gehen. Schließlich war sie fasziniert von der Landschaft, den Sträuchern und Kräutern mit ihren herrlichen Gerüchen, den Echsen und Schlangen sowie von dem ab und an doch einmal in Anblick kommenden Muffelwild. Wen verwunderts, dass sie uns nunmehr an den verbleibenden Jagdtagen am Nachmittag begleitete. Unser Muffelspezialist Ante Dundic (Hubertus d.o.o., Tel. 00385-981617018) entpuppte sich als wahrer Kenner der heimischen Flora und der lokalen Geschichte, sodass ich mitunter vergaß, dass ich eigentlich einen Muffelwidder erlegen wollte.
Wenn es auch diesmal nicht geklappt hat – ich werde ganz sicher wiederkommen, um nach einem reifen Widder zu suchen. Und vielleicht hilft mir meine Frau ja wieder.