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ABC der Baujagd

Nicht selten erfordert die Bauarbeit den ganzen Mann. (Foto: Karl-Heinz Volkmar)


Anzahl der Erdhunde

Vornehmlich in kleinen Naturbauen, Wegdurchlässen, Drainagerohren und Kunstbauen sollte man ausnahmslos nur mit einem Hund arbeiten. Ausnahme: Eingearbeitete Gespanne, die sich genau kennen, können gemeinsam zum Einsatz kommen. Ein erfahrener Altfuchs lässt sich in einem großen Bau gern hin- und herjagen, ohne zu springen. Der zweite Hund bringt hier in der Regel den Erfolg. Die Entscheidung trifft der Hundeführer.

Beginn der Jagd

Da in den Morgenstunden noch Füchse unterwegs sein können, sollte man nicht zu früh anfangen. Von einem Beginn am Nachmittag ist jedoch abzuraten, da eintretende Dunkelheit die Arbeit erschweren kann, z. B. wenn ein Einschlag gemacht werden muss oder eine Nachsuche anstehen sollte.

Dachs im Bau


Bekanntlich stecken oftmals Fuchs und Dachs gemeinsam in großen Naturbauen. Da der Dachs nur selten vor dem firmen Erdhund springt und in den Wintermonaten Schonzeit hat (außer in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen), sollte man solche Baue nur mit einem dachsreinen Hund arbeiten, der auf Abruf die Arbeit abbricht. Einschläge Falls Einschläge erforderlich sind, sollte entsprechendes Schanzzeug, wie Hacke, Schaufel, Spaten usw., zur Verfügung stehen.


Fuchs springt nicht

Wird der Fuchs vom Erdhund nichtgesprengt, nimmt der Hundeführer seinen Vierläufer ab. Die Schützen verharren aber weiter auf ihren Ständen. In der Regel springt der Fuchs nach kurzer Zeit – wenn jetzt auch äußerst vorsichtig – von selbst.

Geeignete Hunde

Der gute Sprenger, ob Teckel oder Terrier, ist für die Baujagd auf Reineke der geeignete Hund. Reine Vorlieger, also Erdhunde, die stundenlang verbissen am Raubwild vorliegen, wenn der Fuchs nicht umgehend springt, sind ungeeignet. Altmeister Frieß bezeichnete einst den Prototyp für die Baujagd auf den Fuchs als 'Flieger'. Ein Hund, der gezielt dem Fuchs zusetzt, aber zwischendurch immer wieder ans Tageslicht kommt, um in eine andere Röhre einzuschliefen oder sich zu vergewissern, ob sein Führer noch oben steht. Wichtig ist, dass er sich notfalls auch abnehmen lässt.

Hundeführer entscheidet

Über den Einsatz seines Hundes entscheidet grundsätzlich der Hundeführer allein. Das trifft insbesondere auf die Anzahl der Bodenjagdeinsätze und die Arbeit an Dachsburgen sowie Felsenbauen zu.

Jagdleitung

Der Jagdleiter sollte mit der Baujagd gut vertraut sein, sonst überlässt man die Jagdleitung besser dem erfahrenen Hundeführer – selbst, wenn dieser Jagdgast ist. Es ist Sache des Jagdleiters, dass der gesprengte Fuchs erst dann beschossen werden darf, wenn er weit genug von den Einfahrten entfernt ist. Hier geht sonst eine besondere Gefahr für den Hund aus (klare Anweisungen an die Schützen!).

Kunstbaue

Erfahrungsgemäß stecken Füchse oftmals weniger in den angestammten Naturbauen, wenn Kunstbaue, Wegdurchlässe oder trocken liegende Drainagerohre vorhanden sind. Die Anlage von Kunstbauen empfiehlt sich besonders in Feldrevieren, wo es an natürlicher Tagesdeckung für Füchse fehlt.

Mitführen eines Verlorenbringers

Wird ein raubwildscharfer großer Hund als Verlorenbringer zur Baujagd mitgeführt, muss er Standruhe halten und angeleint bleiben, so lange der Erdhund im Bau arbeitet. Der sichere Verlorenbringer ist gerade im unübersichtlichen Gelände von unschätzbarem Wert. Weitere Hunde haben bei der Bodenjagd nichts zu suchen.

Nachsorge

Nach der Arbeit sind die Hunde trockenzureiben und mit Trinkwasser zu versorgen. Selbstverständlich sollten eine Tollwut-Schutzimpfung der Hunde, regelmäßige Entwurmung, vorsorgliche Behandlung gegen Ektroparasiten sowie das Mitführen von Material zur Behandlung von Verletzungen und zur Augenspülung sein. Hierzu kann man den Tierarzt befragen. Für den Jäger sind Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit gestreckten Füchsen angeraten (Handschuhe und Mundschutz beim Abbalgen).

Prüfung an Schliefanlage

Bevor man den Bauhund im Jagdbetrieb einsetzt, sollte man ihn an einer Schliefanlage eingearbeitet haben. Hier lässt sich erkennen, ob er überhaupt für die Baujagd geeignet ist.

Revidieren der Baue

Sind dem Revierführer eventuell befahrene Kunst- und Naturbaue oder Durchlässe bekannt, beginnt man mit deren Revidierung am Vormittag.

Schützenanzahl

Die Anzahl der erforderlichen Schützen hängt von den Geländeverhältnissen ab (Feld- oder Waldjagd). Allerdings sollte die Baujagd nicht in Treibjagdstärke ausgeübt werden. Steht eine entsprechende Anzahl von Gespannen zur Verfügung, kann die Baujagd als revierübergreifende Aktion viele Jäger ansprechen.

Technische Hilfsmittel

Die Verwendung eines Bauhundesenders bleibt dem Hundeführer überlassen. Man ist aber mit einem solchen Gerät in der Lage, den Hund unter der Erde genau zu orten und ihm notfalls durch einen Einschlag zur Hilfe zu kommen.

Unterstützung

Wer in den Wintermonaten die Baujagd ausüben möchte und über keinen eigenen Erdhund führt, sollte sich rechtzeitig mit einem Hundeführer in Verbindung setzen. Ansprechpartner findet er auch bei den Zuchtvereinen von Terriern und Teckeln.

Verhalten der Schützen

Die Einweisung der Schützen über das Verhalten bei der Baujagd erfolgt bereits am Treffpunkt. Beim Angehen und anschließenden Anstellen ist äußerste Ruhe selbstverständlich (auch für Handys). Weder ist der angewiesene Stand unaufgefordert zu verlassen noch ein anderer Hund (Verlorenbringer) zu schnallen. Es ist auf gutes Schussfeld zu achten. Jeder Teilnehmer muss sich durch Handzeichen mit dem Nachbarschützen verständigen. Direkt am Bau bleibt nur der Hundeführer. Schusshitzige Jäger können Mitjäger und Hunde gefährden! Nicht nur für die Sicherheit des Hundes ist es daher wichtig, niemals den Fuchs kurz vor oder in der Einfahrt zu beschießen, sondern ihn vom Bau weg flüchten zu lassen. Vorsicht ist auch bei der Schussabgabe geboten, wenn der Hund dem flüchtenden Fuchs dicht folgt. Mit Ausnahme für einen Fangschuss bei einem Einschlag durch den Hundeführer werden bei der Baujagd keine Kugelgeschosse verwendet.

Windrichtung

Die Windrichtung ist schon vor dem Anstellen zu beachten: immer gegen den Wind anstellen. Nach Möglichkeit, vor allem bei Bauen in unübersichtlichem Gelände, sollten die Schützen weiträumig abgestellt werden.