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8 Fakten über Zecken

Zecke

1. Große Verwandtschaft

Weltweit gibt es mehr als 800 Zeckenarten, doch bei uns ist nach wie vor der Holzbock, Ixodes ricinus, die häufigste. Im Gegensatz zu Hirsch-, Fuchs- oder Igelzecke ist er überhaupt nicht wählerisch bei seinen Wirtstieren. Er kann an praktisch jedem warmblütigen Wirbeltier saugen. Doch aus den warmen Urlaubsländern rund um das Mittelmeer kommen vermehrt auch neue Arten ins Land: zum Beispiel die Braune Hundezecke, Rhipicephalus sanguineus, und die Auwaldzecke, Dermacentor reticulatus.     

2. Warten, warten, warten

Daraus besteht das Leben einer Zecke, das immerhin 2 bis 6 Jahre dauern kann. Die sechsbeinige Larve saugt etwa 2 bis 5 Tage an einem Wirt, bevor sie sich zur Nymphe häutet. Auch die lauert oft monatelang auf eine Blutmahlzeit. Erst danach entwickelt sie sich zur erwachsenen, geschlechtsreifen Zecke.     

3. Staatsfeind Nr. 1

Zecken sind Dauersieger beim Wettbewerb um das gefährlichste Tier Deutschlands. Weltweit können sie mehr als 100 Krankheiten übertragen, und auch in Mitteleuropa wird die Liste der Erreger, die beim Saugen übertragen wird, immer länger: Viren, Bakterien, Einzeller und zeckeneigene Giftstoffe können den Wirt krankmachen. Nymphen sind dabei die Gefährlichsten: Sie kommen häufiger vor als erwachsene Zecken, sind klein und saugen deshalb oft unbemerkt.     

4. Suchen - Beißen - Kleben

An einer geeigneten Einstichstelle schneidet die Zecke mit ihren Mundwerkzeugen ein kleines Loch in die Haut. Ihr Speichel enthält einen Drogencocktail aus Schmerzmitteln, entzündungs- und gerinnungshemmenden Stoffen. Der Wirt merkt nichts, wenn sie ihren Sägezahnsaugrüssel in die Haut tief einführt. Das Ganze dauert etwa 7 bis 12 Minuten. Anschließend zementiert sie ihren Stechapparat mit Klebstoffen fest in die Haut ein. Das Saugen kann beginnen!     

5. Schlüsselfaktor Maus?

An den Stichstellen auf Rötel-, Wald- oder Wühlmaus sammeln sich oft Dutzende von Zeckenlarven und Nymphen zu „Blutparties“, bei denen Krankheitserreger, die sich zu Hunderten und Tausenden in Mäusen wohl fühlen, direkt zwischen den Zecken ausgetauscht werden. Der Mäusefänger Fuchs ist daher ein wichtiger Gesundheitspolizist für FSME und Co.     

6. Zecken-Mutterschiff

Erwachsene Zecken saugen meist auf Wild, aber genauso auch Larven und Nymphen. Es gibt zwar insgesamt mehr Zecken, bei hoher Wilddichte. Doch verringern Rehe die Infektionsgefahr: Erreger für Borreliose, Babesiose oder FSME fühlen sich ihrem Blut nicht wohl. Wild wirkt daher als Infektionsverdünner: Sinkt die Dichte, steigt meist wieder die Ansteckungsrate mit Krankheiten.     

7. Borrelien- Vielfalt

Mit Borrelien infizierte Zecken ertragen Hitze und Trockenheit besser, sind deutlich aktiver und lassen sich von Abwehrmitteln weniger beeindrucken. Etwa 10 bis 12 verschiedene Arten lösen das Krankheitsbild der Borreliose aus, jedoch in unterschiedlicher Heftigkeit und mit unterschiedlichen Symptomen sowohl bei Mensch wie Hund.     

8. Hirnentzündung - kein Spaß!

Mindestens 300 Menschen erkranken hierzulande pro Jahr an FSME. Wahrscheinlich sind es weit mehr, denn nicht jede Infektion führt zu schweren Symptomen. Ob eine Zecke den Erreger überträgt, gleicht einem Lotteriespiel. In Maus und Vogel muss die Konzentration des Virus hoch sein, wenn die Zecke saugt. In der bleibt das Virus auch nur einige Monate aktiv, um bei der nächsten Blutmahlzeit weiter übertragen zu werden. Die schiere Menge an den „Reservoir-Wirten“ machen den Zeckenbiss letztlich doch zum Risiko!     


Dr. Christine Miller Wildbiologin und Journalistin aus Rottach-Egern, hat in etlichen Ländern mit unterschiedlichen Jagdsystemen gearbeitet.
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