Home Praxis 7 Fakten über den sechsten Sinn von Tieren für Magnetfelder

7 Fakten über den sechsten Sinn von Tieren für Magnetfelder

1. Wer eigentlich nicht!


Wenn nach dem „unsichtbaren“ Sinn bei Tieren gesucht wurde, konnte man ihn auch nachweisen. Die Liste der Arten mit "Antennen" für Magnetfelder beginnt bei Bakterien und reicht bis zum Mensch. Kompasstermiten bauen ihre Insekten-Wolkenkratzer“ streng in Nord-Süd-Richtung; Maikäfer orientieren sich beim Einschlafen im Winter nach den Feldlinien der Erde. Ob Schlammschnecke, Molch, Krebs, Schildkröte, Fisch, Vogel oder Säugetiere, sie alle erkennen „irgendwie“ Nord- und Südrichtung auch ohne Sonne, Mond und Sterne. Rätselhaft ist aber in den meisten Fällen immer noch das Wie.

2. In Reih und Glied

Wo bei Reh und Hirsch die entsprechenden „Antennen“ sitzen, ist noch unklar,  jedoch können beide Arten elektromagnetische Linien erkennen. Rotwild orientiert sich in der Ruhe am häufigsten in Nord-Süd-Richtung aus, ebenso Rehe. Unterhalb von Starkstromleitungen liegen sie dagegen signifikant häufiger „ungeordnet“. Vermutlich sparen die Tiere bei einer schnellen Flucht wertvolle Zehntelsekunden ein, wenn sie bereits alle in einer Richtung orientiert sind.

3. Präzisionssprung

Wer Erfolg hat, der hat auch Recht! Das gilt bei Menschen wie bei Füchsen. Denn offensichtlich orientiert sich Reineke bei der Mäusejagd nicht nur nach Gehör. Vielmehr dienen die Geräusche trippelnder Mäuseschritte nur der Groborientierung. Mehr als 80 Prozent der Beutesprünge sind erfolgreich, wenn der Fuchs nach Norden springt, mehr als zwei Drittel, wenn er nach Süden maust. Abweichend von dieser Achse erreicht er keine 20 Prozent Erfolgsquote! Vermutlich nutzt der Fuchs die Information über den Neigungswinkel der Feldlinien, um die exakte Entfernung zur gehörten Beute in hoher Vegetation oder unter Schnee zu bestimmen. Und auf diese Weise könnten die Spuren eines mausenden Fuchses auch einem orientierungslosen Jäger den Weg weisen.

4. Ordentliche Häufchen

Hunde riechen ausgezeichnet, ihr Hörsinn ist besonders fein. Offensichtlich können sie auch die Linien des Erdmagnetfelds spüren. Das schließen Forscher nicht daraus, dass sich Hunde über viele Kilometer in unbekanntem Gelände zielsicher orientieren können und den Heimweg finden. Die Wissenschaftler konzentrierten sich eher auf Erkenntnisse beim Gassi-Gehen: Tatsächlich setzen Hunde überdurchschnittlich oft ihre Haufen in Nord-Süd-Richtung ab. Warum, darüber rätseln die Forscher noch. Aber wir verstehen jetzt, warum manche Hunde so lange brauchen, bis sie ein passendes Örtchen gefunden haben.

5. Immer der Nase nach …

… so finden Tauben und Forellen ihren Weg nach Hause. In der Schnabelhaut der Tauben sind natürliche Kompassnadeln in Form winziger Magnetitkristalle eingelagert. Bei einigen Fischen sitzt das Kristall-Navi in der Nasengrube. Das Eisenoxid-Mineral Magnetit weist auch etlichen Insekten und sogar Meeresschildkröten quer durch den Ozeane zuverlässig den Weg.

6. Quantenkompass

Seit 50 Jahren weiß man, dass viele Zugvögel, zum Beispiel Rotkehlchen oder Seeschwalben, einen eingebauten Kompass besitzen. Doch erst jetzt wurde das High-Tech-Instrument in seiner Funktionsweise entdeckt. Es besteht aus bisher noch unbekannten Molekülen im Vogelauge, deren Elektronen einen „Quantensprung“ machen, sobald energiereiches, das ist blaues bis grünes Licht, auf sie fällt. Dadurch nehmen die Vögel die Feldlinien des Erdmagnetfeldes als farbige Linien oder Muster wahr. Rotes Licht reicht nicht, um diesen Effekt zu erzeugen. Mit dem Quantenkompass können die Tiere nicht nur die Richtung erkennen - Nord oder Süd erscheint möglicherweise als Zielpunkt -, sondern auch den Breitengrad ihrer Route feststellen.

7. Unbewusst feinfühlig?

Beim Menschen können Änderungen des Magnetfeldes die Wahrnehmung von Hell-Dunkel-Unterschieden oder die Sehschärfe beeinflussen. Wahrscheinlich! Denn viele Untersuchungen, die den Magnetsinn bei Menschen nachwiesen, konnten von anderen Forschergruppen nicht wiederholt werden. Die Frage nach dem sechsten Sinn beim Menschen bleibt also noch offen.


Dr. Christine Miller Wildbiologin und Journalistin aus Rottach-Egern, hat in etlichen Ländern mit unterschiedlichen Jagdsystemen gearbeitet.
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