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7 Fakten über Milch

Dr. Christine Miller
am
Dienstag, 16.05.2017 - 11:32
Rehkitz trinkt © dlv-Jagdmedien/CST

1 Wasser mit Schuss

Egal ob sie später Frischfleisch oder Körner fressen. Das Leben eines Säugetiers beginnt mit Milch, dem hochwertigsten „Fast-Food“, das die Natur kennt: ausgewogen, leicht verdaulich und energiereich. Genau betrachtet produzieren die Mütter aus umgewandelten Schweißdrüsen eine wässrige Lösung mit Butterfett-Kügelchen, gelöstem Zucker und Eiweiß-Mineralkomplexen. Gewürzt mit Vitaminen, mütterlichen Abwehrstoffen, Keimbremsen und Wachstumsfaktoren.

2 Kein Patentschutz!

Kinder teilen nicht immer den Geschmack der Eltern. Auch Vögel kennen diese Konflikte. Ist die Diät der Altvögel besonders schwer zu verdauen, müssen sich Vater und Mutter etwas einfallen lassen. Kaiserpinguine, Flamingos und Tauben produzieren deshalb „Vogel-Milch“. Im Kropf von Vater und Mutter wird ein Fitnessgetränk produziert, das deutlich mehr Proteine (60 %) und Fett (34 %) enthält als Kuhmilch. Etwa zwei Wochen werden Jungtauben „gesäugt“, bevor sie Körner verdauen können. Flamingo-Küken trinken fast zwei Monate lang Milch.

3 Fremdnuckeln

Meine Zitze gehört mir und meinen Kindern – dieser Wahlspruch gilt bei fast allen Tierarten. Die Herstellung von Milch ist anstrengend und kostspielig für die Mutter, deshalb sollten auch nur die eigenen Jungen davon profitieren. Doch unter engen Verwandten kann man auch eine Ausnahme machen. In einer Bachen-Rotte fühlen sich die Mütter oft als Töchter, Nichten und Cousinen einander verbunden. Die Frösche werden auch von Tante oder Großmutter an der Zitze geduldet – es bleibt ja in der Familie.

4 Gleichberechtigung

Warum haben Männer Brustwarzen? Diese Frage treibt Biologen schon lange um. Nicht nur das notwendige Drüsengewebe, sondern auch die Hormone zur Milchproduktion gibt es im Körper von Männern. Grundsätzlich wäre Männer-Milch bei Säugetieren also leicht möglich. Tatsächlich hat man aber nur bei zwei Fledermaus-Arten in Asien dieses Phänomen entdeckt. Ob das nun eine Folge von Stress oder Umweltgiften ist und ob die Männchen überhaupt Jungen säugen, ist noch unklar.

5 Milch für Söhne

Der Erfolg in der Brunft beginnt mit dem ersten Schluck Muttermilch. Mütter von Hirschkälbern geben grundsätzlich mehr Milch als die von Tierkälbern. Außerdem erhalten die Söhne etwa drei Prozent mehr Protein (als Wachstumsbeschleuniger), mehr Abwehrstoffe und mehr Magnesium und Kalium (wichtig für Knochenwachstum) als ihre Cousinen. Nur wirklich starke Alttiere können sich diese Investition leisten. Immerhin produzieren sie in 18 Wochen rund 178 Liter dieser „Wachstums“-Milch.

6 Turbomilch

Welche Milch ist die Beste? Kommt darauf an: Die Zusammensetzung der Milch ist von Art zu Art sehr unterschiedlich und genau auf die Bedürfnisse der Jungen abgestimmt.Fleischfresser können grundsätzlich fettere Milch produzieren als Pflanzenfresser, bei Robben besteht fast zwei Drittel der Milch aus Fett. Nestflüchter, kleine Arten und Tiere, die nur selten gesäugt werden, brauchen Milch mit höherer Energiedichte als Arten, deren Junge ständig an den Zitzen nuckeln können. Kein Wunder, dass Hasen- und Rehmilch zu den „Hochprozentigen“ gehören.

7 Zaubertrank

Muttermilch transportiert nicht nur Nahrung und Baustoffe in den Körper der Jungen. Auch eine Menge Information fließt durch die Zitzen und macht den Nachwuchs aufmerksam auf die Welt, die ihn erwartet. Hormone, vor allem sogenannte Glucocorticoide, die im Körper der Mutter zirkulieren, wenn sie unter Stress gerät, erreichen über die Milch das Jungtier. Und übertragen so je nachdem Nervosität oder Risikofreude. Ob die Jungen scheu oder aufmerksam in die Welt blicken, ist nicht nur eine Frage der Gene, sondern auch der Milch.