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7 Fakten zur Feistzeit beim Hirsch

Dr. Christine Miller
am
Donnerstag, 24.08.2017 - 13:13
Rotwild in der Feistzeit © dlv-Jagdmedien/CST

1 Waldgespenst

Für den Hirsch gibt es jetzt nur eine Losung: Nicht bewegen, äsen, suhlen – und Feist aufbauen – Feistzeit eben. Denn in wenigen Wochen gilt es! Die „Waffen“ (Geweihe) sind dann blank geputzt, der Energievorrat ist bis an die Obergrenze aufgefüllt. Die Einstände der Kolbenhirsche bieten deshalb im Sommer reichlich Äsung. Sie liegen in Revierteilen, die viel frisches Grün produzieren, zum Beispiel in Hochlagen. Und ein Übermaß an Äsung, wie es jetzt überall vorhanden ist, braucht nicht verteidigt zu werden. Fakt ist: Der Jäger bekommt den Hirsch jetzt kaum zu Gesicht. Daher der Spruch vom Waldgespenst.

2 Aufrüstung

Die Brunft scheint in den heißen und stillen Sommertagen noch weit – aber der Körper der Hirsche bereitet sich bereits auf die Anforderungen im Herbst vor. Aufrüstung ist angesagt: Ab Ende Juli nehmen die Hoden an Größe und Gewicht zu; auch der Durchmesser der Samenstränge erreicht jetzt seinen Höhepunkt. Ende August steigt schließlich langsam der Testosterongehalt in den Brunftkugeln. Mit dem Frieden der Feistzeit ist es dann endgültig vorbei.

3 Bast ab – Bart dran

Ab Mitte Juli fegen die alten Hirsche bereits die Basthaut von den Stangen, die nun vollständig ausgehärtet sind und nicht mehr mit Blut versorgt werden müssen. Die Farbe erhält das Geweih durch die Pflanzen, an denen die Haut abgerieben wird. Gesteuert wird das Verhalten von Hormonen, die nicht nur für einsatzbereite Waffen, sondern auch für den entsprechenden „Kampfanzug“ mit Bart sorgen.

4 Elternzeit

Auch die Alttiere müssen im Lauf des Sommers ihre Energiedefizite auffüllen, die das Setzen und Säugen der Kälber verursacht haben. Jedoch bieten geeignete Kahlwildeinstände neben guter Äsung Sichtkontakt zu den anderen Stücken. Unter natürlichen Bedingungen wären sie in dieser Zeit auch von Raubtieren bedroht, und die Kälber gäben leichte Beute ab. Im Rudel wäre dafür der Schutz für die Jungen höher als allein, daher die gemeinsame Elternzeit.

5 Einsame Wölfe und Gruppentiger

Die Ansprüche an ein „Sozialleben“ sind im Sommer gering. Die Zusammensetzung der Junggesellentrupps kann sich täglich ändern. Feste Beziehungen, auch in der Rangordnung, werden kaum ausgebildet. Die älteren Hirsche scheinen sich sowieso zu kennen und zu respektieren. Und unter den Mittelalten herrscht noch weitgehend Frieden. Suhlen und schattige Einstände werden gemeinsam genutzt. Nur die ganz alten, starken Rothirsche sind ungesellig – höchstens von ein oder zwei „Jünglingen“ begleitet. Die Nähe gleichrangiger Artgenossen ertragen sie selbst jetzt nicht.

6 Das Ende der Stille

Irgendwann im September ist es dann so weit. Eines Nachts steht der alte Recke auf und zieht los, dem vertrauten Brunftplatz zu. Bereits auf dem Wechsel dorthin steigert sich seine Aggressivität. Die Hormone verändern seine „Stimmung“. Das laute Schreien kündigt ihn von Weitem an. „Seine“ Tiere erkennen ihn schon daran – und bei mancher beschleunigt sein Rufen den Eintritt des Eisprungs. Die Zeit des Imponierens, Drohens und Kämpfens steht unmittelbar bevor – Schluss mit Stille.

7 Der frühe Damschaufler

Die Wahl des richtigen Sommereinstands ist für den Damschaufler in der Brunft kampfentscheidend: Im besten Lebensraum muss sich der Hirsch nicht weit bewegen, um Top-Äsung zu bekommen: Maximale Energieaufnahme bei minimalem Aufwand – gute Schaufler schieben bis zu 10 Gramm Knochenmasse je Schaufel am Tag. Zieht ein junger Hirsch schon früh, also während der Bastzeit, in einen guten Einstand, muss er dort zwar mit starker Konkurrenz rechnen, aber nur so hat er später eine Chance, ein Territorium zu besetzen.

Video zur Lebensweise des Rotwildes