Home Praxis 5 Fakten über Aktivität des Wildes

5 Fakten über Aktivität des Wildes

Rehe.


1. Aktivitätstypen – tag- und nachtaktiv

Tagaktive Tiere haben, wie der Name schon sagt, ihr Aktivitätsmaximum während des Tages und der Dämmerung. In der Nacht sind sie inaktiv bzw. schlafen. Arten dieses Typs sind meistens visuell orientiert, besitzen die Fähigkeit des Farbensehens und setzen jene oft auch für Kommunikation und Signale ein: Sie sind also oft bunter gefärbt als die meist dunklen nachtaktiven Tiere. Vögel sind häufiger tag-, Säugetiere eher nachtaktiv. Das gilt besonders für kleinere Arten. Bei nachtaktiven Tieren sind die Geruchs- und akustischen Sinne i.d.R. hochentwickelt. Außerdem besitzen nachtaktive Arten meist Tarnfarben, die es ihnen ermöglichen, während der Ruhephase am Tag vor Fressfeinden verborgen zu bleiben.

2. Aktivitätsänderung als Strategie

Treten zwei Arten in Konkurrenz, wird die schwächere Art versuchen, die Konkurrenz zu mindern oder gänzlich zu vermeiden, um die eigene Fortpflanzung zu sichern. Dabei gibt es unterschiedliche Strategien: Dazu zählt beispielsweise die räumliche Trennung oder eben die zeitliche Verschiebung, also die Änderung der Tag-Nacht-Aktivität. Fabelhafte Beispiele sind hierfür die Afrikanischen Wildhunde und Geparden, die durch Tagaktivität versuchen, den größeren und wehrhafteren Löwen, Leoparden und Hyänen aus dem Weg zu gehen. Sie sind nur in der Lage, bei guter Sicht zu jagen beziehungsweise nachts bei hellem Mondlicht.

3. Aktivität von Hirsch & Reh – ein alter Hut?

Studien in Österreich und Deutschland untersuchten die Aktivität von Rot- und Rehwild an Hand von Bewegungssensoren in Telemetriehalsbändern. „Aktiv“ bedeutete, dass die Tiere stehen, äsen oder sich fortbewegen, „nicht aktiv/ ruhend“, dass die Tiere liegen. Für das Rotwild zeigte sich im Jahresverlauf ein relativ konstantes Verhältnis von Tag- zu Nachtaktivität: Es war durchschnittlich 75 Prozent der Dämmerungszeit aktiv, nachts 45 und tagsüber 55 Prozent der Zeit. Größere Unterschiede gab es am Tag zwischen den Geschlechtern: Kahlwild war 60 Prozent der Zeit aktiv, Hirsche nur 40. Rehwild war ebenfalls während der Dämmerungszeit (65 %) am stärksten aktiv. Der Tag-Nacht-Rhythmus variiert jahreszeitlich äußerst stark: So waren die Tiere von November bis Juni vorwiegend tagaktiv. Nach der Brunft hingegen änderte sich dieser Zustand. Das Rehwild wurde ausgeprägt nachtaktiv. Sowohl Reh- als auch Rotwild zeigten vermehrt Aktivität zu den Dämmerungszeiten, Rehwild vorwiegend am Morgen, Rotwild am Abend. Mondzyklen beeinflussten die Aktivität des Rotwildes signifikant, nicht aber die des Rehwildes.

4. Luchse und ihre Siesta

Die Aktivität und das Jagdverhalten von Luchsen ist maßgeblich vom Verhalten der bevorzugten Beute, also in unseren Breiten dem Reh, abhängig. Zusätzlich spielen das Alter und Geschlecht eine große Rolle. Die Lichtverhältnisse, so fand eine internationale Studie heraus, haben für das grundlegende Aktivitätsmuster keine große Bedeutung. Die Untersuchungsgebiete die sich zwischen Zentraleuropa und Nordskandinavien erstreckten, wiesen stark abweichende Tag- und Nachtlängen auf. In südlicheren Gefilden sind Luchse in der Morgen- und Abenddämmerung am aktivsten und in der Nacht aktiver als am Tag. Ihre tägliche Ruhephase halten sie um die Mittagszeit. Je länger das Tageslicht anhält, desto ausgedehnter ihre Siesta. Dieses Grundmuster ist anscheinend unabhängig von den Lichtverhältnissen, da selbst am Polartag und in der Polarnacht der 24-Stunden-Rhythmus mit einer Aktiv- und einer Ruhephase eingehalten wird.

5. Von der Straßenbeleuchtung beeinflusst

Mit dem Einsatz von Fledermausdetektoren konnte eine großangelegte Studie zeigen, dass die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf energiesparende Leuchtdioden (LEDs) einen erheblichen Einfluss auf die Fledermausaktivität hat. Ursprüngliche Straßenlaternen verfügen über ein breites Wellenlängenspektrum, geben also Licht im UV-Bereich ab. Deshalb werden Insekten von dieser Art von Beleuchtung angezogen und bedeuten für Fledermäuse einen reichlich gedeckten Tisch. Den neuerdings eingesetzten LED-Laternen fehlt jedoch der UV-Anteil, sie werden deshalb von Insekten „übersehen“. Dadurch nahm die Aktivität von opportunistischen Fledermäusen, wie Zwergfledermäusen, um 45 Prozent ab. Lichtscheue Fledermausarten profitieren dagegen, ihr Aufkommen steigerte sich um das Viereinhalbfache. Die Studie sagt eine Verschiebung der Artzusammensetzung lokaler Fledermausgesellschaften im städtischen Gebiet voraus.

Text: Kirsten Weingarth


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