Home Praxis 2. Niederwildsymposium der LJN: Wir brauchen mehr Fallenjäger

2. Niederwildsymposium der LJN: Wir brauchen mehr Fallenjäger

Die Referenten des LJN-Niederwildsymposiums (v.l.): Johann Högemann, Martin Meyer Lührmann, Holger Fiedler, Dr. Egbert Strauß, Dr. Josef Kuhlmann, Ulrich Voigt und Josef Schröer.


Die Lage für das Niederwild ist in den meisten Revieren denkbar schlecht. In seiner Begrüßungsansprache richtete Präsident Helmut Dammann-Tamke sogleich mahnende Worte an die rund 140 Anwesenden beim 2. Niederwildsymposium der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN). „Wir brauchen noch mehr Engagement in den Hegeringen.“ Vorweg nahm er die Parole der Veranstaltung, die sich wie ein roter Faden durch die Vorträge der Experten ziehen sollte: Schafft mehr Blühflächen. Gleichzeitig freute sich Dammann-Tamke, dass so viele junge Leute in den Niedersachsenhof gekommen waren. Gerade sie müssten noch aktiver werden, um die letzten Fasane zu retten.

Den ersten Fachvortrag des Tages hielt Dr. Egbert Strauß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung der Universität Hannover. Nachdem er in seiner gewohnt lehrreich unterhaltsamen Art die Hintergründe seiner Forschungsarbeit erläuterte, ging es schnell ans Eingemachte. Unsere Hasen könnten wir nur unterstützen, wenn wir wildtierfreundliche, strukturreiche Lebensräume schaffen. „Wir müssen die Hasen fit machen.“ Und das ginge nur mit der altbekannten Hasenapotheke.

Deutlich sind die Unterschiede in der Entwicklung der fünf Wochen alten Fasanenküken zu erkennen: Unter kontrollierten Bedingungen wurden einige mit eiweißreduzierter Äsung (li.) aufgezogen, andere mit optimaler Eiweißversorgung. © ITAW Hannover, Liebing/ Curland

Deutlich sind die Unterschiede in der Entwicklung der fünf Wochen alten Fasanenküken zu erkennen: Unter kontrollierten Bedingungen wurden einige mit eiweißreduzierter Äsung (li.) aufgezogen, andere mit optimaler Eiweißversorgung.

Unterschiede in der Entwicklung

Ulrich Voigt, Diplom-Biologe der Uni Hannover, blies ins gleiche Horn. Er machte die dramatische Lage in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft anhand der Fasane deutlich. Bei seinen Forschungen sei herausgekommen, dass weder die Vogelgrippe noch andere Krankheiten für die Rückgänge verantwortlich gemacht werden können. Dennoch hätten die untersuchten Vögel Entzündungen an den Organen gehabt. Wären die Tiere durch die Aufnahme von ausreichend tierischem Eiweiß optimal ausgebildet, gäbe es diese Erscheinungen vermutlich nicht. Ein Teufelskreis! Um aus diesem herauszukommen, müssten Hennen mit ihrem Nachwuchs in die artenreicheren Randbereiche der Felder wandern. Besenderungen zufolge werden diese aufgrund zu weiter Strecken oft gemieden. Denn grundsätzlich gilt für Bodenbrüter: Wer sich viel bewegt, zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Deshalb verlässt die Henne den Brutschlag auch in den ersten Wochen nicht. In der Folge bekommen die Küken in insektenarmen Feldern so gut wie kein Eiweiß. Die Entwicklung, vor allem die des Gefieders, wird extrem verlangsamt. Die Flucht nach oben also unmöglich – schlussendlich ein gefundenes Fressen für Fuchs, Marder & Co. Auch sein Fazit lautete: Nur viele kleine Blühflächen könnten den Wildhühnern helfen.

Trapper-Gemeinschaften bilden

Die zweite und ebenso wichtige Säule bei der Hege bildet eine konsequente Prädatorenbejagung mit der Falle. Wie erfolgreich diese Jagdart sein kann, beschrieb Holger Fiedler in seinem Vortrag. Er hat vor einiger Zeit in Nordrhein-Westfalen ein Revier übernommen, in dem keine Fangjagd betrieben wurde. Ihm und seinen Mitjägern gelang es, eine Jahresstrecke im dreistelligen Bereich zu verzeichnen. Dabei setzt er vor allem auf Betonrohrfallen mit elektronischen Fangmeldern. Tierschutzgerechter ginge es nicht.

Um ausreichend Motivation zu behalten (denn man dürfe nicht verzweifeln, wenn auch mal monatelang nichts in die Falle ginge), solle man Trapper-Gemeinschaften bilden. Mit dem Erfahrungsaustausch und gegenseitigem Streckemelden bleibt man eher am Ball. Dabei sei es ebenfalls wichtig, die Fangjagd wieder in das Bewusstsein der Grünröcke zu rufen. Schlussendlich müsse das Ziel „eine professionelle Fallenjagd in privater Hand auf großer Fläche“ sein.

Viele Experten schwören bei der Fangjagd auf Betonrohrfallen. © Wildmeister Jens Krüger

Viele Experten schwören bei der Fangjagd auf Betonrohrfallen.

Ab 2020 das neue Greening

Zurück zu der Schaffung wildtierfreundlicher Lebensräume. Der stellvertretende LJN-Präsident Josef Schröer rief noch einmal dramatische Zahlen auf: Durch den Wandel in der Agrarpolitik und den Wegfall der Flächenstilllegungen haben wir von ehemals 100 000 Hektar Wildäckern und Brachflächen heute nur noch 17 000 Hektar. Auch die Biogasgewinnung trägt ihren Anteil an diesem Verlust. Deshalb befasse sich die Landesjägerschaft, obwohl laut Schröer eigentlich die Landwirte dafür verantwortlich sein müssten, intensiv mit Alternativen. Erste Vergleiche mit Wildpflanzen gegenüber Silomais würden noch deutliche Differenzen bezüglich der Wirtschaftlichkeit aufzeigen. Doch es werde weiter ausprobiert. In einem weiteren Projekt, das bis 2019 läuft, wird nun die Nährstofffixierung durch mehrjährige Wildpflanzen untersucht. Gerade bei der aktuellen Diskussion um erhöhte Nitratbelastungen ein interessanter Ansatzpunkt.

Hoffnung auf bessere Lebensräume machte auch Dr. Josef Kuhlmann von der Landwirtschaftskammer. Ab 2020 wird es das neue Greening geben. Die Jägerschaft rief er dazu auf, dies aktiv mitzugestalten. Im Grunde bräuchten wir auf zehn Prozent der Gesamt-ackerfläche Blüh- und Brachflächen, um nachhaltig Fasan und Rebhuhn zu retten. Natürlich in Kombination mit einer scharfen Raubwildbejagung. 


Benedikt Schwenen ist seit 2011 bei den dlv-Jagdmedien. Der gebürtige Emsländer beschäftigt sich überwiegend mit aktuellen und jagdpolitischen Themen.
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