Zeiss: Was nun, Herr Bannert?

Die Produkte mit dem blau-weißen Logo genießen einen gewissen Ruf in der Jägerschaft


15 Mio. Euro Defizit und drei Geschäftsführer in zehn Jahren, jetzt mit Christian Bannert der vierte. Auf der anderen Seite extrem treue Kunden, die sich vor 20 Jahren noch zu 80 Prozent für Zeiss entschieden haben. Was ist da schief gelaufen?

Christian Bannert: Die Carl Zeiss Sports Optics GmbH bleibt seit mehreren Jahren wirtschaftlich hinter den Erwartungen zurück, und dieses Thema gehen wir im Rahmen der strategischen Neuausrichtung des Zeiss-Unternehmensbereichs Consumer Products auch an. Wir werden das Geschäft weiterentwickeln und damit auch langfristig die Zukunft von Wetzlar als Fertigungs- und Servicestandort sichern.

Wir werden aber keine Fehlerdiskussion in der Öffentlichkeit führen. Wichtig ist doch, dass Carl Zeiss Sports Optics als Teil des Unternehmensbereichs und damit der Zeiss-Gruppe strategisch weiterentwickelt wird. Ziel ist es, die Bedürfnisse unserer Kunden verstärkt in den Fokus zu stellen und sie mit hochwertigen Produkten, ihrer Passion entsprechend, auszustatten. Über die notwendigen Veränderungen sprechen wir mit den Mitarbeitern und werden mit den Betriebsräten verhandeln, wie wir sie fair, aber auch zügig umsetzen können.

Wir sind der Überzeugung, dass der Markt mit Konsumentenprodukten – dazu zählen für Zeiss Zielfernrohre, Ferngläser, Spektive, Foto- und Filmobjektive sowie neue Produktlinien, beispielsweise die Zeiss VR One – für uns äußerst attraktiv ist und dieser Unternehmensbereich langfristig erfolgreich sein wird. Daher hat dieser Geschäftsbereich für uns nach wie vor eine hohe strategische Relevanz.

Für unsere Kunden ist doch wichtig, dass Zeiss das Geschäft mit Ferngläsern, Spektiven, Zielfernrohren, Foto- und Filmobjektiven weiterentwickelt. Ihre gewohnten Ansprechpartner arbeiten weiter mit ihnen zusammen, im Service, bei Lieferungen und Produkteinführungen wie in der Kundenbetreuung gibt es keine Unterbrechungen. Aber natürlich arbeiten wir mit Hochdruck daran, künftig ein noch besserer Partner für unsere Kunden zu werden – mit Innovationen, im Service und mit Produkten, die auf ihre Bedürfnisse noch besser zugeschnitten sind.

Zu Kooperationen kein Kommentar

Christian Bannert, Geschäftsführer der Carl Zeiss Sports Optics GmbH.


Stichwort: Produkt-Portefolio. Nach der Conquest- folgte auch noch die „billige“ Terra-Linie. Natürlich muss man davon Stückzahlen verkaufen bzw. am Verkauf eines V8 hat man eine x-fache Marge eines Terra. Haben Sie damit nicht Ihre eigene Stellung im Premium-Segment geschwächt und anderen Herstellern den Weg frei gemacht?

Christian Bannert: Nein. Die Produktfamilien ergänzen sich. Mit Terra, Conquest und Victory haben wir eine breite Palette an Produkten für verschiedene Zielgruppen. Was sie verbindet ist, dass sie hohe Ansprüche haben und von Zeiss besondere Qualität und Performance erwarten.

War die enge Kooperation mit Blaser im Hinblick darauf, dass Blaser nun selbst Premiumoptiken anbietet, auf lange Sicht clever?

Christian Bannert: Zu Kooperation erteilen wir grundsätzlich keine Auskünfte.

Von etwa 330 Beschäftigten werden 140 Arbeitsplätze in der Fertigung abgebaut. Man munkelt ja, dass die Terra-Linie aus Fernost kommt. Wird nun die ganze Produktion verlagert?

Christian Bannert: Hier ist Differenzierung wichtig. Im Einstiegssegment nutzen wir die Zusammenarbeit mit qualifizierten Lieferanten, in Japan zum Beispiel. Sicher ist, dass es immer Zeiss-Qualität ist – die Standards und das Qualitätsmanagement entspricht zu 100 Prozent dem in Deutschland. Carl Zeiss Sports Optics produziert in Wetzlar, und das wird auch so bleiben.

"Made in Germany"  ist für unsere Kunden im Premiumsegment wichtig, und das hat dann natürlich seinen Preis. Wetzlar wird sich in Zukunft deshalb auf hochwertige Endfertigung, also Systemintegration, und Service fokussieren. Für Vorprodukte werden wir stärker auf den Zeiss-Fertigungsverbund zurückgreifen.

Neue Produkte und Services

In der Vergangenheit präsentierte sich Zeiss auch als Mitveranstalter von Events, wie hier beim Schießen im dänischen Ulfborg


Es heißt, dass 80 Beschäftigte aus Vertrieb, Marketing & Co. nach Oberkochen ziehen. Was ist mit den restlichen 80 bis 90 Mitarbeitern?

Christian Bannert: Kernelement der strategischen Ausrichtung ist, dass Produktentwicklung, Produktmanagement, Marketing, Vertrieb gestärkt werden. Wir müssen und werden hier die Kräfte im Zeiss-Unternehmensbereich Consumer Products bündeln. Gerade angesichts konvergenter Technologien und der Digitalisierung aller Bereiche können wir uns parallele Strukturen in Wetzlar und Oberkochen nicht mehr leisten.

In Oberkochen können wir zudem verstärkt auf andere Zeiss-Bereiche zurückgreifen – von Forschung und Entwicklung bis hin zum starken Markenauftritt, etwa im Zeiss-Forum. Diese Möglichkeiten haben wir bisher so in Wetzlar nicht. Zu den Zahlen: In Wetzlar – also in der Fertigung und unterstützenden Funktionen – werden in Zukunft etwa 110 Mitarbeiter bei der Carl Zeiss Sports Optics beschäftigt sein.

Wer das riesige Zeiss-Firmengebäude in Wetzlar kennt, fragt sich unweigerlich, was damit geschehen wird…

Christian Bannert: Wir sind ja nicht der einzige Bereich am Zeiss-Standort Wetzlar. Mit mehreren hundert Zeiss-Mitarbeitern wird das Gebäude auch in Zukunft sehr lebendig sein.

Können und wollen Sie unseren Lesern sowie Ihren Kunden etwas über Ihre Zukunftsstrategie verraten?

Christian Bannert: Zwei Elemente hatte ich ja schon angesprochen: Kundennahe Funktionen werden wir stärken und die Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich erhöhen. Entscheidend für unsere Kunden ist, dass wir bei Zeiss das Geschäft langfristig weiterentwickeln – mit Innovationen, dem Ausbau der Markenpartnerschaft, mit Forschung und Entwicklung im Bereich Digitalisierung sowie Investitionen in neue Produkte und Services. In den nächsten Monaten werden wir neue Produkte vorstellen, die unseren Anspruch an Innovation und Digitalisierung unterstreichen werden.

Wir befinden uns mitten in einem Veränderungsprozess mit einem klaren Ziel: unseren Kunden weiterhin mit Zeiss-Qualität die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie brauchen, um ihre eigenen anspruchsvollen Vorhaben umzusetzen. Sei es in der Naturbeobachtung, beim Filmen und Fotografieren, in der Jagd. Und wir werden den Unternehmensbereich und damit die Produkte und Services für unsere Kunden nach ihren Bedürfnissen weiterentwickeln, gerade im Hinblick auf Digitalisierung, die auch unsere Branche tiefgreifend verändert.

Das Gespräch führte PIRSCH-Chefredakteur Sascha Numßen


Sascha Numßen Seit Mai 2011 PIRSCH-Chefredakteur. Geboren 1971 in Frankfurt (Hessen), Jagdschein seit 1994, Studium in München, Diplom-Forstwirt.
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