Sonderausstellung für Büchsenmacher Georg Egeler

Georg-Egeler © Sascha Bahlinger
An seinem Hut trägt Georg Egeler einige seiner Schießabzeichen.
Georg-Egeler © Sascha Bahlinger

An seinem Hut trägt Georg Egeler einige seiner Schießabzeichen.

Georg Egeler streicht über die Repetierbüchse in seiner Hand. „Das ist meine hundertste Waffe“, erklärt er. Deshalb trägt sie auch die Nummer 12100 und seinen Namen auf dem Systemkasten. Erst kürzlich hat er damit einen Bock erlegt. „Den habe ich zu meinem 80. Geburtstag bekommen“. Insgesamt 106 Waffen hat der Büchsenmachermeister in seiner Karriere gebaut. Dabei begann alles 1954 als Lehrling der Stadt Oberndorf am Neckar (Baden-Württemberg). Anschließend wurde Georg Egeler von Heckler & Koch weiter ausgebildet. Allerdings hatte dies zunächst nichts mit Waffen zu tun. „Wir haben Nähmaschinenteile für die Firma Bosch produziert“, erinnert er sich. Erst ein Freund seines Vaters hatte ihn auf dieses Fachgebiet gestoßen und so schloss sich eine Lehre bei Waffen Röll in Oberndorf, bei Mauser (Oberndorf/ N.) an. Auf Anraten von Herrn Röll begab sich Georg Egeler nach Ferlach in Österreich auf die Fachschule. Dort musste er innerhalb kürzester Zeit lernen, wie man Kippflaufwaffen fertigt, um die Gesellenprüfung abzulegen. Obwohl diese Zeit sehr prägend war, blieb er später meist den Repetierern treu. Alle möglichen Kaliber und Systemgrößen verbaute der Württemberger.

Sprachliche Barrieren im Norden

Waffen-Georg-Egeler © Sascha Bahlinger

Die Kipplaufwaffe ist das Meisterstück des Büchsenmachers.

Für die Meisterschule verschlug es Georg Egeler in den Norden Deutschlands nach Hildesheim (Niedersachsen). „Das war als Schwabe gar nicht so einfach mit der Sprache dort“, lacht er. Außerdem musste er sich auf seine neue Kundschaft einstellen. „Die meisten waren dort über 1,90 Meter, da musste ich plötzlich alle Schäfte länger machen.“ Als es ihn schließlich wieder zurück nach Oberndorf zog, musste er sich erneut anpassen. „Hier wollten viele kürzere Schäfte“. In seiner Heimatstadt eröffnete er vor mehr als 50 Jahren ein eigenes Geschäft, in dem er Waffen, Munition und Jagdzubehör verkaufte. Ganz besonders stolz ist er auf sein Meisterstück, eine Bockbüchsflinte, die er während seiner Zeit in Hildesheim erschuf. Georg Egeler führte und führt seine Waffen auch selbst zur Jagd. „Mit einer der Büchsen habe ich auch in Afrika gejagt“. Heutzutage bejagt und hegt er vor allem Rehwild mit Hingabe. Dabei steht für ihn die Schießfähigkeit ganz vorn. Nur ein guter Schütze kann aus Sicht des Büchsenmachers waidgerecht jagen.

Engagement in der Jungjägerausbildung

Schnittbild-Waffe © Sascha Bahlinger

Auch in der Jungjägerausbildung engagierte sich Georg Egeler.

Deshalb hat er selbst auch an vielen jagdlichen Schießen teilgenommen und verschiedenste Schießnadeln erworben. Von seinem Wissen und seiner Passion profitierten auch die Jungjäger im Kreis Rottweil. „400 bis 500 Jungjäger habe ich mit ausgebildet“, erklärt Georg Egeler sichtlich zufrieden. Natürlich in den Bereichen Waffenkunde, Handhabung und Schießen. Seit 15 Jahren geht er nun einer neuen Leidenschaft nach. Als ehrenamtlicher Museumsführer bringt er im Heimat- und Waffenmuseum im Schwedenbau in Oberndorf sein ganzes Wissen über die Firma Mauser, die Waffenherstellung und die Stadt Oberndorf am Neckar ein. Bei solchen Führungen spürt man die Begeisterung, die er sich auch nach vielen Jahren noch für seine Heimat und seinen Beruf bewahrt hat.


Sascha Bahlinger ist seit 2017 bei den dlv- Jagdmedien tätig. Den Jagdschein hat er während des Studiums der Forstwissenschaft 2014 erworben.
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