Mit Rat und Tat


Mit tiefer Nase bewindet BGS-Hündin „Tora“ einen Wildwechsel am Rande eines dichten Douglasienbestandes. Die erfahrene Schweißhündin hat an der kalten Gesundfährte wenig Interesse, ihr Führer in diesem Fall dafür umso mehr. Lothar Cramer ist Forst- und Jagdberater und entwickelt für eine Pächtergemeinschaft ein neues Bejagungskonzept für ein Hochwildrevier. Gegenseitiges Vertrauen und Diskretion sind für ihn die Basis einer guten Zusammenarbeit, deshalb werden Revierdaten immer absolut vertraulich behandelt.

3 Gute Bewegungsjagden benötigen eine perfekte Vorbereitung: Viele Jagdberater bieten in diesem Bereich mittlerweile ihre Dienste an.


Es ist Anfang April, die neuen Pächter haben das Revier erst vor wenigen Tagen übernommen. Der diplomierte Forstwirt und Landschaftsökologe kommt gerade vom Ansitz und wird die Wildbewegungen in der nächsten Zeit genau beobachten. Auf einer Revierkarte zeichnet er Hauptwechsel, Suhlen und Malbäume, aber auch bestehende Hochsitze ein und prüft direkt, ob der Wind an diesen Stellen mit der Hauptwindrichtung übereinstimmt. In dem knapp 600 Hektar großen Mittelgebirgsrevier gibt es starke Fallwinde, die den Ansitz sonst erfolglos werden lassen könnten. „Im schlechtesten Fall wird das Wild durch Ansitzen mit falschem Wind nachhaltig vergrämt“, sagt der erfahrene Forstmann und Jäger.

4 Mit einem auf das Revier zugeschnittenen Bejagungskonzept lassen sich übermäßige Wildschäden in der Regel vermeiden.


Lothar Cramer kommt an einer rund drei Meter hohen geschlossenen Kanzel an. Die Fichtendickung ist schon hoch gewachsen, ein Rundumblick ist nicht mehr möglich, ein Schussfeld gibt es auch nicht mehr. „Auf den ersten Blick ist sie noch gut in Schuss, nur jetzt steht sie am falschen Platz. Die Kanzel sollte abgebaut und an die Feldkante versetzt werden“, rät Cramer. „Denn zur Wildschadensverhütung brauchen wir im Feld stabile und bequeme Kanzeln, in denen auch bei Regen, Wind und im Winter gejagt werden kann.“ Die benötigten Ansitzeinrichtungen inklusive Aufbauservice werden durch ihn bei verschiedenen Anbietern in enger Abstimmung mit den Revierpächtern ausgeschrieben. Doch bevor Kanzeln umgesetzt oder neu gebaut werden, empfiehlt der Forstmann mobile Ansitzeinrichtungen wie leichte Scheren- oder Baumleitern sowie Kanzeln, die auf einem Anhänger montiert sind. „Im Frühjahr können wir flexibel auf Wildbewegungen und mögliche Schäden im Feld reagieren. Je nach Revierbeschaffenheit und Wildvorkommen beginnen wir erst im Sommer mit dem Aufstellen von neuen Kanzeln“, erklärt Lothar Cramer.

Wildlenkung und Äsungsflächen

1 Suhlen und Malbäume werden in der Karte vermerkt. Auch das trägt zu mehr Wissen über Wildvorkommen und -bewegung bei.


Bei seiner heutigen „Revier-Inventur“ begutachtet der studierte Landschaftsökologe eine verwilderte Äsungsfläche auf einer hellen Waldlichtung. Dort hat er sich mit dem örtlichen Landwirt verabredet, der künftig die Bewirtschaftung der Wildäsungsflächen übernehmen soll. „Ein artenreicher Aufwuchs ist für viele Wildarten, aber auch andere Tierarten wie Schmetterlinge und Fledermäuse entscheidend. Daher sollen hier mehrjährige Gras- und Kräutermischungen eingesät werden“, sagt Cramer. Seine Empfehlung: Wildäsungsflächen sollten im Idealfall zwischen 0,1 und 0,5 Hektar groß sein. Diese liegt in der Kernzone des Rotwildreviers, daher wird hier auch nicht gejagt. „Kirrungen und Nachtansitze sind in Rotwildgebieten kontraproduktiv“, mahnt der Fachmann. Gemeinsam mit dem Landwirt wird der Zeit- und Kostenaufwand berechnet und fließt in die Revierkalkulation ein, die Lothar Cramer für die Pächtergemeinschaft erstellt.

Jagdbegleitung und -Organisation

2 Wissen, wo die wilden Schweine wohnen: Nicht immer sind die Wechsel so eindeutig. Ein Revierberater erkennt schnell, wo z.B. Ruhezonen Sinn machen.


In diesem Revier werden pro Jahr rund 120 Stücke Wild erlegt, die auch vermarktet werden müssen. „Das ist eine Hausnummer“, sagt Cramer. Auch dabei hilft er. Vom Vorpächter hat er eine Kontaktliste langjähriger Wildbret-Interessenten erhalten und will noch weitere Abnehmer finden: „Das ist eine gute Möglichkeit, um mit Gastwirten, Metzgereien, Landwirten und auch den Ortsbewohnern ins Gespräch zu kommen. Wildbret aus nachhaltiger Jagd gehört zu den hochwertigsten Lebensmitteln.“ Für Lothar Cramer ist die Jagd eben nicht nur Beutemachen: „Mein besonderer Fokus liegt auf der integrierten, ganzheitlichen Betrachtung eines Forst-und Jagdbetriebes. Wie können alle Funktionen, die der Wald örtlich hat, in einer naturnahen, schonenden, nachhaltigen Bewirtschaftung nach dem Wunsch der Eigentümer optimal umgesetzt werden? Dabei mitzuwirken, liegt mir besonders am Herzen.“

Neben Lothar Cramer stellen wir hier auch weitere Revierberater und deren Leistungsspektrum vor:

„Ganzheitliche Betrachtung“

„Von Waidwerk bis Wildküche“

„Fortbildungen als Grundlage“

„Umsetzung mit fachkundigen Partnern“

Fragen Sie nach!

5 Beratung „vor“ und Hilfe „nach“ dem Schuss: Ein Steckenpferd von Lothar Cramer ist die Schweißarbeit mit seiner BGS-Hündin „Tora“.


Kein Revierberater in Ihrer Nähe? Manche Berufsjäger bieten solche Beratungen auch neben ihrer Haupttätigkeit an.

Weitere Information dazu erhalten Sie bei den Berufsverbänden unter:

www.berufsjaegerverband.de
www.berufsjaeger-bayern.de


Markus Stifter kommt aus Wiesbaden, schreibt Texte, macht Bilder und dreht Filme als freier Mitarbeiter für die dlv-Jagdmedien.
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