Der perfekte Lebensraum fürs Rehwild

<b>Schmackhafte wertvolle Äsung zieht den Wildverbiss wirkungsvoll aus der Forstfläche – vorausgesetzt, die Äsungsflächen dienen nicht vordringlich der Abschussplanerfüllung.</b>


Weit über eine Million Rehe kommen jährlich in Deutschland zur Strecke. Sie leben streng territorial, und insbesondere die mehrjährigen Böcke verteidigen ihr Refugium vehement gegen Konkurrenten. Ein Rehwildbestand lässt sich nicht nur deshalb im Vergleich zu den Hochwildarten selbst in kleinen Revieren erfolgreich hegen und bewirtschaften. Dabei sind günstige ökologische Bedingungen Grundvoraussetzung für gesunde Stücke mit hohem Wildbretgewicht, starken Trophäen und zeitgleich Wildschäden, die tolerierbar sind. 

Fast alle Reviere unserer heutigen Kulturlandschaft sind durch Land- und Forstwirtschaft in den letzten 200 Jahren derart zu ihrem Nachteil verändert worden, dass viele Tierarten in Bedrängnis geraten sind. Insbesondere fehlen artgerechte Lebens- und Rückzugsgebiete. Die ursprünglich als Besitzgrenzen zwischen den viel kleineren Feldeinheiten geschaffenen Hecken, Feldraine und Steinwälle sorgten einst für eng verzahnte Strukturen und Grenzlinien in der entstehenden Kulturlandschaft. Für eine Unmenge von Tieren boten sie beste Lebensbedingungen. Die meisten lebensnotwendigen Requisiten sind inzwischen verschwunden. Aus der kleinbäuerlichen Kulturlandschaft ist eine industriell genutzte Kultursteppe geworden.

Die kleinräumigen Strukturen sind verschwunden

1 Daueräsungsflächen sollten im Rehwildrevier eine hohe Artenvielfalt an Kräutern, Leguminosen und attraktiven Süßgräsern aufweisen.


Nur Rehe besitzen eine so hohe Anpassungsfähigkeit, dass sie vielfach noch zurechtkommen. Dennoch finden sie alles, was sie zum Wohlbefinden brauchen, nicht mehr ausreichend vor. Trotz üppiger, wenn auch einseitiger, artenarmer Äsung im Frühjahr und Sommer kann aus den Rehen nichts werden, wenn sie im Herbst keine notwendige Mast und im Winter kaum verdauliche Äsung finden. Die Folgen sind zwangsläufig Verdauungsprobleme, starker Parasitenbefall, Wildschäden an Forstkulturen und in höheren Regionen Winterverluste durch Hunger und Kälte.

Eine der wichtigsten Maßnahmen, die Jäger, Landwirte und Forstleute gemeinsam umsetzen könnten, ist die Verbesserung der Lebensräume. Ein erster Schritt dafür ist die Erstellung eines Konzepts, das die Bedürfnisse des Rehwildes so gut wie möglich berücksichtigt. Aufgrund seiner speziellen strengen Territorialität ist eine kleinflächige Raumplanung notwendig. Einstände, Äsungsflächen, Fütterungen und Jagdeinrichtungen müssen dem Wildstand entsprechend das ganze Jahr über optimale Bedingungen bieten und beieinander liegen. Langes Anwechseln, Verlassen der Territorien, unnötige Störungseinflüsse sollten ausgeschaltet werden. Dabei muss es selbstverständlich sein, auch im Winterhalbjahr optimale Bedingungen in Form von angepasster Fütterung zu schaffen, solange die natürlichen Gegebenheiten im jeweiligen Biotop die notwendige Herbstmast nicht selbst erfüllen können.

Forstwirtschaft und Jagd in einer Hand

4 Äsungsflächen sollten kleinflächig sein und über das Waldrevier verteilt liegen. Mit überschaubarem Aufwand lassen sie sich als parallel zu Forststraßen verlaufendes schmales Äsungsband anlegen.


Am wirksamsten sind die biotopverbessernden Maßnahmen dann, wenn sie großflächig mit forstlichen Maßnahmen kombiniert werden. Das funktioniert dort sehr gut, wo Forstwirtschaft und Jagd in einer Hand sind. In Pachtrevieren sollte sich der Jagdpächter immer wieder die Zeit nehmen und mit dem zuständigen Förster geplante Maßnahmen besprechen. Stimmt die Vertrauensbasis, bestehen sicher Möglichkeiten, auch jagdliche Schmankerl wie Äsungsflächen, Verbissgärten und Ruhezonen mit in die forstlichen Eingriffe zu integrieren.Insbesondere rechtzeitige und starke Durchforstungen in dunklen Stangen- und Baumholzbeständen, die überwiegend aus Schattenbaumarten bestehen, tragen durch den Lichteinfall zur Entwicklung einer besseren Begleitflora am Boden bei. Denn plötzlich entwickelt sich nicht nur neue Waldverjüngung, sondern auch lichtliebende Arten der Kraut- und Strauchflora, die dem lichtliebenden Rehwild Deckung und schmackhafte Äsung bieten. Blätter von Him- und Brombeere sowie des Waldweidenröschens ziehen so den Wildverbiss in weiten Teilen auf sich und lenken von der nächsten Waldgeneration ab.

Die Maßnahmen im Waldrevier

3 Die wenigen gedüngten Forstpflanzen aus der Baumschule sind in diesem pflanzlichen Umfeld des Einstands für lange Zeit die einzige verfügbare Äsung und Möglichkeit zum Fegen. Hier helfen nur Zäunung, Totalabschuss oder eben Biotopverbesserung!


Der bereits seit Jahren laufende Umbau von reinen Nadelholzwäldern zu Mischbeständen trägt vielerorts schon reichlich Früchte. Um dabeizubleiben, sollte aus Sicht von Forst und Jagd ein gesteigertes Interesse daran bestehen, masttragende Bäume als Überhälter unbedingt stehen zu lassen, ebensolche in zur Altdurchforstung anstehenden Beständen freizustellen und zu fördern. Zum einen gewinnt dadurch das Waldbild, zum anderen erhalten die drumherum stehenden Bäume eine bessere Windstabilität, erhöht sich der potentielle Anteil an wertvoller Naturverjüngung, und dem Wild steht ein deutliches Mehr an herbst- und winterlicher Äsung zur Verfügung.

Eine sehr arbeitsaufwendige, aber auch nutzbringende Requisite stellt die Anlage von Verbissholzflächen mit besonders gern vom Rehwild aufgesuchten Bäumen und Sträuchern dar, die nicht nur kleinflächig den Verbiss auf sich ziehen, sondern auch gern gefegt werden. Rehe benötigen als Konzentrat­selektierer Pflanzenteile mit gesteigertem Energiegehalt. Alle Knospen der Gehölze verfügen darüber, insbesondere bei höherer Schneelage im Winter. Leider scheitert diese wirkungsvolle Ablenkungsmaßnahme oft an dem regelmäßigen Arbeitsaufwand, der in mühevoller Handarbeit zu leisten ist.

Bei der Anlage verwenden wir ausschließlich vom Rehwild bevorzugte Pflanzen, die zudem verbissresistent und regenerationsfreudig sind sowie nach einem jährlichen Verjüngungsschnitt schnell wieder austreiben. Denn Rehe verbeißen fast ausschließlich einjährige Triebe bis Äserhöhe. Zudem sollten wir die Fläche ausgewogen mit einem Kali-Phosphat-Dünger fördern. Ähnlich den in der Pflanzschule vorgezogenen Forstpflanzen lagern sich die schmackhaften Mineralien und Spuren­elemente in den Knospen ein und werden bevorzugt entdeckt und genutzt. Kommen viele dieser Weichholzarten oder Sträucher durch einen gesteigerten Lichteinfall nicht bereits von selbst, hilft auch die kinderleichte, flächige Ausbringung von frischem Apfeltrester, der in einem bereits vorgelockerten Saatbeet auf einer Schneise, Holzlagerplatz oder Lichtleitungstrasse ausgebracht und leicht mit Egge oder Fräse im Boden eingearbeitet wird.

 

Zu den masttragenden Bäumen

4 So sieht ein typisches Rehrevier aus! Wälder, die über breite, alte Heckenstrukturen mit landwirtschaftlichen Kleinflächen aus Äckern und Wiesen verzahnt sind.


Aber auch bei der Neuanpflanzung von Forstkulturen kann durch das Einbringen von Weichhölzern wie Salweide, Eberesche, Aspe, Bergahorn oder Linde sowie Sträuchern wie Hart­riegel, Weißdorn, Schneeball, Kornelkirsche oder Pfaffenhut punktuell der Verbiss von Forstpflanzen abgelenkt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Pflege forstlicher Kulturen, wenn der Jäger anbietet, die Stockausschläge von Haselnuss, Linde und Esche regelmäßig zurückzuschneiden. Beim winterlichen Holzeinschlag ziehen die mit Knospen ausgestatteten Kronen von Weichlaubhölzern auch die Aufmerksamkeit der Rehe eine Zeitlang auf sich. In den meisten Revieren gibt es in Form von Hecken und kleinen Gebüschen ausreichend viele potentielle Verbisspflanzen. Sie bräuchten eigentlich nur eine regelmäßige Pflege in Form von einem Verjüngungsschnitt. Außer dem Verbiss der einjährigen Triebe begünstigen wir auch das Fegen des Rehbocks.

Neben der Knospenäsung stehen beim Rehwild vor allem im Herbst und Winter die energiereichen und mit Vitaminen ausgestatteten Früchte der masttragenden Baumarten hoch im Kurs. Zur Anlage wichtiger Fettdepots und damit einer qualitativen Entwicklung von Wildbretgewichten und auch der Trophäen sind sie von entscheidender Bedeutung. Forstlich wie jagdlich gehören Pflege, Erhalt und Vermehrung der Mastbäume in Waldrevieren zu den wirkungsvollsten Aufgaben in der Biotophege, denn sie wirken langfristig. Insbesondere an Waldrändern, Wasserläufen und entlang von innerforstlichen Alleen müssen Alteichen, Altbuchen, aber auch Kastanien und Wildobst unbedingt stehen bleiben. Deren Erhalt verlangt allerdings gelegentliche Pflegemaßnahmen, damit sich ihre Kronen entwickeln können und nicht durch bedrängende Bäume unterdrückt werden. Bei Obstbäumen führt ein dezenter Pflegeschnitt in der Krone meist zu mehr Fruchtansatz in den Folgejahren. Mit Wildapfel, Wildbirne, den Sorbusarten Eberesche, Elsbeere, Speierling und Mehlbeere sowie Weiß- und Schlehdorn, Hartriegel und Holunder stehen ihre Knospen, wie die herbstlichen Früchte auf dem Speiseplan des kleinen Trughirsches.

Möglichst viele Äsungsflächen im Revier verteilen

2 Die maschinelle Heckenpflege von heute erinnert an eine widerwillige Arbeit – an nach dem Naturschutzrecht zu duldenden, in heutiger Landwirtschaft immer noch überflüssigen Strukturelementen.


Masttragende Bäume werden meist als Heister gepflanzt und mit einem Einzelschutz gegen Fegen versehen. Aufgrund ihrer Höhe braucht man ein Verbeißen im reinen Rehwildrevier nicht zu befürchten. Als Standort wählt man sonnenbeschienene Randbereiche und achtet in den Folgejahren darauf, dass sie von den Randbäumen der Kultur nicht bedrängt werden. In Revieren mit örtlich auftretendem Befall von Misteln oder aber auch Efeu bietet der Holzeinschlag im Winter eine sehr gern angenommene Äsung.

Beim streng territorial lebenden Rehwild müssen es zahlreiche kleine Äsungsstreifen oder Flächen sein, die über das Revier verteilt liegen, um den Großteil der Rehfamilien mit dieser Maßnahme wirkungsvoll erreichen zu können. Denn nur so stellen sich die ersehnten Erfolge in Sachen Rehwildhege und Wildschadensverhütung ein. Auf diesen Flächen muss energiereiche, artenreiche und mit Mineralstoffen besonders angereicherte Äsung zu finden sein, damit sie ihre Magnetwirkung entfalten kann.

Ein Drittel der Flächen pro Jahr neu anlegen

2 Ein hoher Kleeanteil auf den Äsungsflächen versorgt das Rehwild nicht nur mit gern angenommener Eiweißnahrung, sondern stellt zusammen mit dem Waldstaudenroggen die erste frische Äsung bereits ab März.


Selbst wenn wir über die Jahre ein Netz an Äsungsflächen mit dem Forstmulcher angelegt haben, können wir sie aus Kostengründen nicht jedes Jahr neu bestellen. Deshalb habe ich bei uns einen Turnus entworfen, bei dem rund ein Drittel der Flächen neu angesät werden. In der Ansaatmischung sind neben einer Süßgras-Klee-Luzerne-Kräutermischung als Untersaat noch ein Sommergetreide (Hafer oder Sommerweizen) und eine Raps-Kohlmischung als Saftfutterkomponente für den ersten Winter enthalten. Nach dem ersten Jahr sind das Getreide im Sommer oder Herbst zusätzliche Herbstmast, die Kohlmischung eine willkommene Zugabe im Winter nach dem ersten Frost. Ab dem zweiten Standjahr dient die Fläche mit dem reichhaltigen Kräuter- und Leguminosenanteil für weitere drei bis vier Jahre als wertvolle Daueräsungsfläche, bevor sie dann erneut aktiviert wird. Sollten die Kleeanteile auf der Fläche durch übermäßige Nutzung früher herausgeäst sein, kann man im Frühjahr oder nach dem ersten Pflegeschnitt im Juni die Grasnarbe mit der Egge aufrauen und Klee nachsäen. Das hat sich nicht nur als rentabel erwiesen, sondern erfüllt den Zweck nach Sichtbarkeit des tagaktiven Wildes und Entschärfung der Verbisssituation.

Die Düngung sollte ebenso bedacht werden, denn nur wenn die Pflanzen die benötigten Nährstoffe bei einem optimalen pH-Wert bekommen, können sie gedeihen und werden vom Wild beäst. Nach einem gründlichen Aufkalken des rohen Waldbodens mit kohlesaurem Kalk, der die Bodenstruktur verbessern und den pH-Wert anheben soll, damit die Pflanze weitere im Boden vorhandene Nährstoffe aufnehmen kann, kalke ich alle Flächen alle zwei Jahre mit phosphorsaurem Kalk (Muschelkalk) nach. Vorteil: Er ist schneller und besser pflanzenverfügbar, zum anderen lagern sich die entsprechenden Mineralien in den Pflanzen rasch und in hoher Konzentration ein, sodass sie vom Rehwild aufgenommen und im Skelettaufbau gleich Verwendung finden. Der dritte Vorteil ist die gekörnte Substanz des Düngers. Man kann ihn mit jedem Düngerstreuer ausbringen.

Wildacker ist Aufwändig

2 Im Sommer lockt ein üppiges Angebot an Blütenpflanzen und Kräutern nicht nur Rehe in die Fläche. Überall summt und schwirrt es.


Im Anbaujahr kann nach der Aussaat eine Vorlage von Volldünger und im Juni/ Juli eventuell noch eine Kopfdüngung mit Stickstoff notwendig werden. Die Daueräsungsfläche bedarf nur einer Düngung mit einem PK-Dünger. Auch wenn man mit durchschnittlichen Mengenangaben von 200 bis 300 kg/ha meist richtig liegt, sollte man in regelmäßigen Abständen Bodenanalysen durchführen lassen. Vom Institut bekommt man auch entsprechende Düngervorschläge, das schont die Umwelt und spart Geld.

Selbstredend kann auch mit reinen Wildäckern für Rehwild gearbeitet werden. Sie sind jedoch nicht nur arbeitsintensiver, sondern auch teurer. Bei der Flächenbeschaffung achten wir darauf, im günstigsten Fall Nichtholzboden in Kultur zu bringen. Jährlich ein- bis zweimal bewirtschaftete Wildäcker müssen eine Mindestgröße von 0,5 Hektar haben, damit sich der Aufwand lohnt. Angebaut werden leicht verdauliche, über das Jahr verteilt wertvolle Äsung liefernde Kulturpflanzen. Bei intensiver Wildackerbewirtschaftung muss eine entsprechende Fruchtfolge beachtet werden, um Krankheiten bestimmter Kulturpflanzen vorzubeugen. Im Handel erhältliche Mischungen liefern keine Patentrezepte für alle Böden und Wildarten. Nach einigem Experimentieren wird jeder Wildackerbauer die Anteile in der Mischung nach seinen Erfahrungen variieren.

Deckung im Feldrevier ist wichtig

1 Insbesondere die Große Karde stellt eine wichtige Komponente – Wasserspeicher und Stabilisator – in der Mischung dar. Rehe in Feldrevieren nutzen die gute Deckung darüber hinaus sofort und anhaltend als Einstand.


Im Spätsommer verändert sich durch die Ernte der Lebensraum entscheidend. Der schnelle Verlust der Deckung und die über den Winter hin stetige Verschlechterung des Äsungsangebots führen zu einer Umverteilung des Rehbestandes im Revier. Es findet eine Winterkonzentration auf die verbleibende Deckung und Äsung statt. Das sind in der Regel die Hochstaudenfluren der Brachen, Hecken, Feldgehölze – und ansonsten bleiben nur die angrenzenden Wälder übrig. Fehlen diese Strukturen, bildet das Rehwild große Wintersprünge. Anders in gemischtstrukturierten Revieren, soweit ausreichend Wälder, Feldgehölze und Hecken da sind. Diese Lebensraumteile werden nun aber durch die Zuwanderer aus dem Feld­anteil übernutzt, weil sie aufgrund ihrer Deckung und Äsung durch „eigene“ Rehe ohnehin schon ganzjährig bewohnt werden. Gerade diese Situation führt immer wieder zum Streit zwischen den Verantwortlichen von Feld- und Wald­revieren. Denn im Wald wird die Abschussspirale wegen des nicht ausbleibenden hohen Winterverbisses hinaufgedreht, während der Feldjäger Frust schiebt. Der Revierverantwortliche im Feldrevier muss in die Offensive gehen und sich Gedanken machen, wie er sein im Winter wertloses Revier ganzjährig attraktiv fürs Rehwild gestaltet.

Die Bereitschaft vieler Landwirte ist höher, als man glaubt

3 Chinaschilfbestände eignen sich hervorragend, um Rehen in reinen Feldrevieren einen schützenden ganzjährigen Einstand zu geben.


Alles Wild bevorzugt ruhige Tageseinstände mit Deckung. Eine optimale Biotophege besteht aus der Schaffung ausreichend großer Deckungsstrukturen und der Anlage artgerechter Äsung. Der Anteil an Wintergetreide, Raps und Wiesen ist vielerorts hoch und in erreichbarer Nähe. Die Anlage von Feldgehölzen, Hecken, Dauerbrachen mit wildfreundlichen, winterharten Hochstauden wäre ein erster Schritt. Verschiedene Deckungsinseln sind eng mit abwechslungsreichen Winteräsungsflächen zu verzahnen, was im Rahmen von Förderprogrammen wie „KULAP“ oder „Greening“ möglich ist.

Der Wildbestand wird in einer Kulturlandschaft von immer höherer Intensivität und Effektivität eingepfercht und von immer mehr Jagdscheininhabern während der fast rund ums Jahr andauernden Schusszeit verfolgt. Der vielerorts auftretende Wald-Wild-Konflikt ist in der Summe hausgemacht und entspringt menschlicher Unvernunft und wirtschaftlichem Egoismus. Leider ist es opportuner, statt nach wildverträglichen Lösungen zu suchen, ihn allein dem Wild anzulasten. Für den Eigenjagdbesitzer ist es leichter, Reviere wieder wildfreundlich zu gestalten, als dies in Jagdgenossenschaften der Fall ist. Ungeachtet der wirtschaftlichen Zwänge, denen die Landwirte heute unterliegen, haben auch sie als Inhaber des Jagdrechts eine gesetzliche Pflicht, sich der Artenvielfalt eines gesunden Wildbestandes und der Sicherung seiner Lebensgrundlagen anzunehmen. Fehlt die Bereitschaft, sind Wehklagen über sinkende Pachtpreise unangebracht. Ich glaube aber, die Bereitschaft vieler Bauern, für die heimatliche Kulturlandschaft mit allen Pflanzen und Tieren einen weiteren Beitrag zu leisten, ist höher, als so mancher Jäger glauben mag.

Ruhepausen für das Wild

3 Mit den stabilen trockenen Stengeln krautiger Pflanzen lassen sich auch wirkungsvoll im freien Feld liegende Äsungsflächen säumen, um dem Wild Sicherheit und Ruhe wiederzugeben.


Wenn dazu noch das eigene jagdliche Verhalten störungsärmer gestaltet wird, finden sich Rehe selbst ganzjährig in Feldrevieren ein. Denn hat das Wild lange Ruhephasen und ungestörte Bereiche, wirkt sich das nicht nur auf die Sichtbarkeit und nachlassende Wildschäden aus. Es macht gerade im Rehwildrevier Sinn, wenn sich jeder Revierinhaber auch nur einen kleinen Revierteil als interne Jagdruhezone auferlegt. So mancher wird erstaunt sein, wie viel Wirkung Ruhe und Sicherheit bringen!


Wildmeister Matthias Meyer Als Berufsjäger leitet er den Jagdbetrieb in der Fürst zu Oettingen-Spielberg’schen Forstverwaltung in Oettingen/ Bayern. Er ist außerdem erfahrener Schweißhundeführer und langjähriger PIRSCH-Autor.
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