Landesjägertag Bayern: BJV-Präsident in der Kritik

Steht zunehmend in der Kritik: BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke © Martin Weber

Steht zunehmend in der Kritik: BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke


Im Vorfeld des heute beginnenden Landesjägertages schlagen die Wogen – auch für BJV-Verhältnisse – ungewöhnlich hoch. Im Zentrum der Kritik stehen dabei die Amtsführung von "Dauerpräsident" Prof. Dr. Jürgen Vocke und die finanzielle Situation des Verbandes. Ein "Bettelbrief" an einige Kreisgruppen mit der Bitte um vorgezogene Beitragsüberweisungen, die Spenden-Schreiben an Einzelpersonen nach dem Jahresempfang und die Tatsache, dass in der Zentrale in Feldkirchen derzeit Wirtschaftsprüfer am Werk sind, heizen die Gerüchteküche an.

Nachdem sich auch einzelne Medien an diesbezüglichen Spekulationen beteiligt hatten, versuchte der Verband mit einem Schreiben gegenüber seinen Mitgliedsvereinen Entwarnung zu geben. Ganz wollte ihm dies allerdings nicht gelingen. Denn wie im BJV-Schreiben bestätigt, dürfte es dem Verband in diesem Jahr nicht möglich sein, dem Präsidium im Rahmen der Landestagung die Entlastung für die Wirtschaftsführung erteilen zu lassen. Ein absolut unüblicher Vorgang, den der BJV damit begründet, dass die Wirtschaftsprüfung noch nicht abgeschlossen sei.

Wer wird Vockes Nachfolger?

Dies und die Tatsache, dass noch immer nicht zweifelsfrei klar ist, wann und an wen Vocke sein Amt als BJV-Präsident übergeben wird, sorgt für Kritik an seiner Person. Immerhin hatte er bei seiner Wiederwahl im vergangenen Jahr angekündigt, nicht mehr die volle Amtsperiode zu absolvieren, sondern für einen geordneten Übergang zu sorgen. Davon ist nach Ansicht seiner Kritiker allerdings nichts zu spüren, auch wenn der BJV-Präsident nach wie vor beteuert, spätestens 2020 beim geplanten Landesjägertag in Lindau sei Schluss.

Ungeachtet dessen hat sich der derzeit wohl prominenteste Verbandsfunktioner ausdrücklich nicht gegen ihn ausgesprochen: Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger (FW), Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Rottenburg, plädiert im Interview mit der PIRSCH dafür, Vocke die Möglichkeit für eine geordnete Übergabe einzuräumen (siehe Video).

Josef-Markus Bloch

Kommentar: Von #fakenews und Rechtfertigungsschreiben

Während die eine Seite förmlich das Gras wachsen hörte und mal eben irgendwelche Behauptungen aus den gewöhnlich gut (un)informierten Kreisen in die Welt rausposaunte, wurde unserer Redaktion ein internes Schreiben von der BJV-Geschäftsstelle in Feldkirchen an die Kreisgruppen zugespielt.

Ja, es gibt einen Haushaltsplan, und der wurde am 21. März 2019 an die Vorsitzenden der BJV-Mitgliedsvereine gesandt. Neu ist allerdings, dass es auf dem kommenden Landesjägertag in Passau keine Entlastung des Präsidiums gibt. Das hängt allerdings damit zusammen, dass die von der neuen Schatzmeisterin eingesetzte Wirtschaftsprüfung nicht rechtzeitig fertig wird.

Findet die Wirtschaftsprüfung allerdings Hinweise etwa auf finanzielle oder buchungstechnische Unregelmäßigkeiten, wird sehr wohl eine außerordentliche Delegiertenversammlung erforderlich sein! Auf der sich Prof. Jürgen Vocke dann zu erklären hätte.

Umso erstaunlicher ist es allerdings, dass man in dem internen Schreiben versucht, die Querelen und Gerüchte nun dem 2018 ausgeschiedenen Schatzmeister Schiefer und der amtierenden Schatzmeisterin Maurer in die Schuhe zu schieben, denn es wäre “leider – keine hinreichende Übergabe im Amt des Landesschatzmeisters vor einem Jahr erfolgt“.

Am Ende fragt sich der geneigte und vor allem neutrale journalistische Beobachter, wo hier Dr. Joachim Reddemann war? Es wäre seine Aufgabe als Haupt-Geschäftsführer gewesen, hier für den erforderlichen Austausch und eine reibungs- sowie lückenlose Amtsübergabe zu sorgen.

So darf man gespannt sein, was auf dem kommenden Landesjägertag vom 5. bis 6. April 2019 in Passau passieren wird.

Sascha Numßen, PIRSCH-Chefredakteur


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