Erlebnis Jagdbuch: Lies mal wieder!

Jagdbücher vermitteln Erlebnisse © Markus Werner

Jagdbücher können Erlebnisse hautnah vermitteln


Fundierte Jagdbelletristik führt uns immer wieder an die Wurzeln unserer eigenen Jagdkultur und unseres Jagdhandwerks. Sie führt auch dazu, unsere ethische Einstellung zu vier- und zwei­beinigen Mitgeschöpfen stets aufs Neue zu überdenken. Sie bietet Anregungen, aus dem eigenen Schneckenhaus hervorzutreten, fremde Jagdgebiete oder längst verschwundene Jagdpraktiken kennenzulernen, durch Lesen, danach vielleicht durch aktives Nacherleben. Und sie bietet ablenkende Erbauung, entführt uns in die Reviere unserer Sehnsucht.

Heute im Internet-Zeitalter ist die Zahl fachlicher wie unterhaltender Jagdbuch-Neuerscheinungen zwar gesunken, hat an Qualität gegenüber den Jahrzehnten zuvor aber wieder gewonnen.  Lagen Erstauflagen früher locker bei 5000 Stück, sind für einen Jagdautor heute 3000 Exemplare schon ein Zeichen äußerster Wertschätzung durch seinen Verlag.

Was wollen Jäger heute lesen?

Was dürfen wir heute von guter Jagdbelletristik erwarten? „Infotainment“ mag die gräuslich klingende, jedoch stimmige Stilrichtung lauten: Mitreißende Unterhaltung mit unaufdringlich eingewobener Faktenvermittlung, die der Meinungsbildung und Nachahmung dient. Spannende Jagderlebnisse oder Natur­beobachtungen in heimischen Revieren, jagdliche Exkursionen fernab jagdtouristischer Trampelpfade oder in Regionen, die uns lange aus politischen Gründen unzugänglich waren – all das stößt noch immer auf Leser­interesse. Zumal, wenn sich der Autor nicht als Alleskönner und Superschütze darstellt. Gerade geschilderte Praxis-Fehler sind einprägsam – aus ihnen lässt sich nämlich lernen, sofern der Leser seinen Geist nicht durch unbändige Schadenfreude vernebelt.

Hat der Autor ein Vergnügen, sei er …

Jagdklassiker im Regal © Hartmut Syskowski

Es muss nicht immer neues sein. Man sollte auch die Jagdklassiker im Regal haben.


Der Buchautor verschweigt hoffentlich, welche „eindringliche Vertiefung der Völkerfreundschaft“ er im Jagdcamp vollzog, Mit den Speiseplänen möge er es bitte ebenso halten. Appetit erweckt man anders: Das Auge liest in doppeltem Sinn mit, wozu authentisches Bildmaterial und Orientierungskarten dienen. Ausrüstungstipps, Checklisten punkten.

Laborierungsempfehlungen möchte man nur von Praktikern lesen, die damit dreistellige Streckenergebnisse erzielten. Allgemeine Laborierungsnennungen runden das Bild aber ab. Fachliteratur kommt heute mit eingängigen Grafiken, Tabellen und Merksätzen daher. Durch aktuelle Farbfotos und Bildreihen wird das „Begreifen“ noch unterstützt.

Alles hat seinen Preis

Und noch etwas: Ein gutes Buch erfordert als ­ausgewogenes geistiges, künstlerisches und handwerk­liches Produkt seinen berechtigten Preis. Scheut man die einmalige Ausgabe nicht, wird man aber vielfach belohnt.