Zielen, Schiessen, Treffen

Im Anschlag: Die Schießanlage bot ideale Voraussetzungen.


Das Schießen mit Pistole und Revolver ist nicht so einfach – aber man kann es lernen. Die Kurzwaffe ist ein Werkzeug. Der Schuss muss sitzen, wenn man sie benutzt – wie bei jeder Waffe. Das ist der Jäger dem Wild schuldig, und auch sich selbst. Eine Dame und 14 Herren aus ganz Niedersachsen hatten sich zum Seminar des Niedersächsischen Jägers auf der Schießanlage „Rifle Ranch“ in Borgholzhausen angemeldet, um den Umgang mit diesen Werkzeugen zu üben. Schießtrainer Ulrich Pfaff, der wieder das – mittlerweile dritte ausgebuchte – Seminar gestaltete, begrüßte die Teilnehmer gleich mit einem Lob: „Es ist immer erfreulich, wenn Jäger die Gelegenheit nutzen, sich mit ihrer Kurzwaffe besser vertraut zu machen.“ In diesem Fall fiel die Antwort auf die obligatorische Frage nach der Vorerfahrung einstimmig aus: Alle Teilnehmer outeten sich als Anfänger. Nach dem achtstündigen Seminar waren sie das nicht mehr …

Übung macht den Meister

Kein wildes „Draufhalten“, sondern ein konzentriertes Training stand an, um die Grundfertigkeiten im Umgang mit beiden Kurzwaffen zu erlernen. Mitgebracht hatten die Teilnehmer zwar eine eher überschaubare Kaliberpalette von Pistolen ausschließlich im Kaliber 9mm Para und Revolver in den Kalibern .38 Special und .357 Magnum. Aber dafür befanden sich einige ungewöhnliche Exemplare im Einsatz – zum Beispiel eine äußerst kompakte spanische 9mm-Ganzstahlpistole Star „Firestar“ oder die vor 50 Jahren futuristische Heckler&Koch VP 70, die erste Pistole weltweit mit Kunststoffgriffstück. Sogar eine russische Makarov-Pistole in 9mm Makarov hatte es zum Seminar geschafft – nach Worten ihres Besitzers, um dort zum ersten Mal überhaupt abgefeuert zu werden. Schießtrainer Pfaff ließ dem praktischen Üben einen theoretischen Teil mit den Grundvoraussetzungen für einen treffsicheren Schuss vorausgehen.

Sieben Stunden Praxis

Sieben Stunden praktischer Teil folgten, das klingt nach harter Arbeit. Und das war es dann auch sowohl für die Teilnehmer als auch Ausbilder. Los ging es mit einem Aufwärm-Schießen. Der Hauptteil erfolgte auf praxisbezogene Entfernung von etwa sieben Metern. Ohne Druck wurden die Grundbegriffe vom „stabilen Stand“ und dem „festen Griff“ umgesetzt und mit dem Revolver zuerst einmal im „Single-Action-Modus“ geschossen, um ein Gefühl für die richtige Abzugstechnik zu bekommen. So ließ sich unter Hilfestellung die bisher eher selten oder gar nicht benutzte Waffe kennenlernen.

Gesteigerte Anforderungen

Im zweiten Block waren die Anforderungen höher: Hier mussten die Ziele schnell aus einer Grundhaltung der Waffe aufgenommen und beschossen werden. Keine leichte Aufgabe, denn wer hier mit dem Abzug schneller war als mit der Visierkontrolle, schoss allenfalls ein Muster, aber keine erkennbare Gruppe. Mit der Zeit tasteten sich die Teilnehmer an das schnelle und instinktive Schießen heran: schneller Anschlag, Zielauffassung, Schussabgabe.

Am späten Nachmittag war die Lernkurve deutlich angestiegen und bei einem kleinen Abschlusswettbewerb mit fünf schnellen Schüssen auf die stark verkleinerte Silhouette eines Kuhschädels, trafen die meisten der Schützen sauber das Ziel, die mehrfache Bestleistung lag bei fünf Treffern. Da spielte es keine Rolle, ob mit einem .38er „Snubbie“ oder einem ausgewachsenen .357er – gelernt ist gelernt.

Guter Teamgeist, hohe Lernbereitschaft und die sehr disziplinierte Beachtung der Sicherheitsvorgaben machten es Schießtrainer Pfaff leicht, das vorgesehene Programm umzusetzen. Beim obligatorischen Abschluss mit einer kleinen „Manöverkritik“ zeigte sich, dass sich für alle der Weg gelohnt hatte: Insgesamt ein spannender und lehrreicher Tag auf dem Schießstand. Ulrich Pfaff


Redaktion Niedersächischer Jäger Seit über 60 Jahren ist der Niedersächsische Jäger das Jagdmagazin zwischen Ems und Elbe.
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