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Zurückgelassen: Heuler-Waise aufgenommen

„Lea“ ist der erste Heuler, der in diesem Jahr gefunden und an die Auffangstation übergeben wurde.


Mit 7,6 Kilogramm und 70 Zentimeter Länge war "Lea" bei ihrer Ankunft vermutlich grade einmal zwei bis fünf Tage alt. Sie „trägt“ noch ihr Embryonalhaar, das Lanugo, dass sie eigentlich vor der Geburt hätte verlieren müssen. Das Lanugo deutet auf eine Frühgeburt hin.

„Alle Jungtiere, die vermeintlich verwaist am Badestrand oder Festlandsdeich aufgefunden, müssen von den ehrenamtlich für die Seehundstation tätigen, speziell geschulten Wattenjagdaufsehern, aus der Distanz beobachtet werden. Ein Jungtier darf erst geborgen werden, nachdem eine Rückkehr des Muttertieres ausgeschlossen wurde. Leider wurde in diesem Jahr bereits ein Tier von Touristen aus falsch verstandener Tierliebe aus dem Wattbereich „gerettet“ - das Muttertier hätte in diesem Fall keine Chance mehr den Kontakt zum Jungtier wieder herzustellen“, erklärt Stationsleiter Dr. Peter Lienau. Rechtlich sei dies Jagdwilderei, viel schlimmer sei aber ethische Ansatz: "Dem Jungtier wurde ein Aufwachsen bei seiner Mutter genommen beziehungsweise der Mutter wurde das Jungtier genommen“, so Lienau. Dieses Tier musste aufgrund des geringen Gewichtes und schlechten Zustands eingeschläfert werden.

Nach einigen Wochen geht es zurück in die Freiheit.


„Die Heuler werden zu Anfang fünfmal täglich mit Muttermilchersatz gefüttert. Nach wenigen Wochen werden sie in der Lage sein, selbstständig ganze Fische zu fressen“, erläutert Lienau. Vermutlich ab Ende Juli werden die ersten Tiere fit genug sein, um wieder ausgewildert zu werden.

Seehunde gebären in den Monaten Juni/Juli. Sie werden von den Muttertieren an Land gesäugt und während der Nahrungssuche kurzfristig abgelegt. Ein Jungtier am Strand bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass es sich um einen Heuler handelt, der dauerhaft von seiner Mutter getrennt wurde.

Strandbesucher, die in der Zeit zwischen Juni und Juli ein Jungtier finden, sollten folgende Verhaltensregeln einhalten:

1) Abstand halten (300 Meter).

2) Nicht anfassen.

3) Fundort verlassen, damit die Mutter ggf. Kontakt zum Jungtier aufnehmen kann.

4) Das Tier muss nicht bewacht werden!

5) Im Notfall melden Sie den Fund der Seehundstation unter 04931-973330. Experten prüfen dann, ob es sich um einen Heuler handelt.

Bereits nach fünf bis sechs Wochen, also etwa ab August, sind die Jungen selbstständig. Deshalb müssen Jungtiere, die keine offensichtlichen Verletzungen haben, ab dieser Zeit nicht mehr gemeldet werden. PM


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