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"Das zuckt ja noch..."

Foto: MS


Anfang Mai in einem Revier im Herzen Thüringens. Eine deutschlandweite Aktion wird in diesen Tagen gestartet. Jagende sollen von „Otto-Normal-Verbrauchern“ auf den Hochsitz begleitet werden, gemeinsam Jagd erleben eben. Zusammen mit Nicole, einer gelernten Zahnarzthelferin, beziehe ich eine fahrbare Kanzel auf einer Wiese. Die 37-Jährige ist seit einiger Zeit im Wildhandel tätig, war aber noch nie dabei, wenn ihre Ware „produziert“ wird. Sollte sich ändern, so der Gedanke. Bereits beim Angehen sehen wir den ersten Bock. Da dieser uns natürlich gleich mitbekommt, ist erst einmal Ruhe nach dem Aufbaumen, zumindest was Anblick betrifft. Denn geflüstert wird viel. Seit wann, wie oft und warum ich überhaupt jagen gehe, will meine Begleiterin von mir wissen. Es ist bereits ziemlich dunkel, als zwei Rehe auswechseln. „Die hätte ich ohne dich nie gesehen“, freut sich Nicole. Sicheres Ansprechen ist aber schon unmöglich. Zurück am Auto frage ich, ob sie morgen früh wieder mit will. „Ja, okay.“ Neuer Tag, neues Glück.

Hängt 'ne Katze am Schaft

Nach dem Schuss... Foto: CS


Wir treffen uns um 4.30 Uhr. Wieder geht es zu einer Wiese, sie liegt zwischen einem Rapsschlag und einem Wäldchen. Auf dem Weg zu der offenen Kanzel höre ich hinter mir etwas – eine Katze. Nachdem wir uns eingerichtet haben, folgt die Samtpfote, setzt sich zunächst zwischen unsere Füße, will aber wohl mehr sehen. Beim Versuch auf die Gewehrauflage zu springen, krallt sich der Stubentiger im Schaft der Büchse fest. Gerade noch können wir beide vor dem Sturz festhalten. Danach schläft sie zwischen uns.
Im ersten Büchsenlicht wechselt schließlich eine Rotte Sauen aus dem Holz über die Wiese direkt in den Raps. „Das ging ja schnell“, flüstert Nicole. „Mit etwas Glück kommen die noch mal raus“, antworte ich. Gegen 6.00 Uhr bricht das Schweigen mit der Frage, wie lange man morgens „eigentlich so sitzt“. Beinah zeitgleich bewegt sich ein einzelner Überläufer aus dem Raps, steuert auf das Holz zu, macht kehrt und trollt zurück Richtung Feld. Da es eindeutig ein männliches Stück ist, frage ich meine Begleiterin, ob ich schießen soll. Nach einem kurzen „Ja“ bricht die Sau etwa zehn Meter vor dem Raps im Schuss zusammen. „Das zuckt ja noch“, beschreibt Nicole das Schlegeln. Ich sage ihr, dass das die letzten Nerven sind, das Stück aber sofort tot war und den Knall nicht mehr gehört hat.
 

Anpacken reicht

Am Stück angekommen. Foto: CS


Am Überläufer angekommen packt die Nichtjägerin mit an. Beim Aufbrechen schaut sie aber lieber nicht zu. Mit dem Überläufer im Gepäck geht es nach Hause. Nicole fand die Ansitze „voll spannend und überhaupt nicht langweilig“, wie sie vorher vermutet hatte. Einen Jagdschein will sie nicht machen. Auf den Braten im Kofferraum freue sie sich aber schon jetzt.
BS

Alle Einzelheiten zu der Aktion "Gemeinsam Jagd erleben" finden Sie hier.

 

#jaeben15 - Nicole und Bene


Markus Stifter kommt aus Wiesbaden, schreibt Texte, macht Bilder und dreht Filme als freier Mitarbeiter für die dlv-Jagdmedien.
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