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Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky verstorben

Ulrich Wotschikowsky verstarb im Alter von 79 Jahren nach schwerer Krankheit. © Christian Kolb
Ulrich Wotschikowsky verstarb im Alter von 79 Jahren nach schwerer Krankheit.

Einer der bekanntesten Wildbiologen und Jäger im deutschsprachigen Raum, Ulrich „Wotsch“ Wotschikowsky, ist am 30. August 2019 nach schwerer Kranheit verstorben. In Deutschland gab es wohl kaum eine Person, die sich so ein immenses Wissen rund um Wildtiere und insbesondere um die Prädatoren Wolf, Luchs und Bär, aneignete wie Wotschikowsky.

1940 in Brandenburg mit sorbischen Wurzeln geboren, arbeitete er nach seinem Studium der Forstwissenschaft bei der Bayerischen Staatsforstverwaltung und war von 1973 an stellvertretender Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Nach Meinungsverschiedenheiten über die Zielsetzungen des Nationalparks verließ Wotschikowsky 1978 die Staatsforstverwaltung. Den „Festmeterblick vieler Förster“ sah er schon damals als falschen Weg an, der zu lebensfeindlichen Lebensräumen führe. Einer seiner Grundsätze war schließlich „Mein Leben wäre armselig ohne Wildtiere.“ Getreu dessen und seines zweiten Grundsatzes „Ich werde nicht alt genug, um nicht immer noch dazuzulernen“ verschrieb Wotschikowsky sein Leben den Wildtieren und arbeitete, nach einer Zwischenstation im Journalismus, als freiberuflicher Wildbiologe. 

Koexistenz von Mensch und Natur

So gilt seine zehnjährige Untersuchung an Rehen in Hahnebaum noch heute als Meilenstein der Rehwildforschung. Auch sein „Leitbild Rotwildmanagment“ fand sowohl auf Seiten des Forstes als auch der Jagd große Beachtung. Doch besonders als Experte für den Wolf machte sich Wotschikowsky über Fachkreise hinaus ein Namen in Deutschland. Er ließ sich dabei von keinem Verband, keiner Partei verpflichten – er diente stets nur den Wildtieren. Er widmete sein „Leben der Koexistenz von Mensch und Natur, dem Überwinden von unnötigen Gräben zwischen Jägern, Landwirten, Naturschützern und anderen Interessengruppen, die sich der Natur auf die ein oder andere Weise verbunden fühlen“, wie sein Sohn in einem Nachruf schreibt.

Eine faktenbasierte und ehrliche Auseinandersetzung sah er dabei als einzigen Weg an, umstrittenen Wildtieren wie dem Wolf wieder einen Platz in der Kulturlandschaft einzuräumen. So schreibt sein Sohn Sebastian: "Auf die wiederkehrende Frage „Brauchen wir den Wolf?“ antwortete mein Vater sinngemäß „Wir brauchen auch keinen Enzian und kein Edelweiß und keine Opern und Kunstwerke. Aber die Welt wäre ärmer ohne sie. Ausserdem, wie können wir es uns erlauben, die Schöpfung in Frage zu stellen?“ Die Welt ist nun ein Stück ärmer ohne „Wotsch“.


Kathrin Führes geboren in Lingen, Jagdschein seit 2014, hat nach dem Abitur Forstwissenschaft an der TU München studiert und ist nun seit 2015 bei der PIRSCH.
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