+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 2.457 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 22.10.2021) +++
Home News Wolfsdemo: Landwirte fordern Bejagung von Wölfen

Wolfsdemo: Landwirte fordern Bejagung von Wölfen

Sepp Kellerer
am
Montag, 04.10.2021 - 17:18
Ein Plakat auf der Wolfs-Demo in München. © Kathrin Führes
Die Demonstranten fordern eine Zukunft für die Almbewirtschaftung.

In München fand am Samstag die Demonstration "Ausgebimmelt – gemeinsam für den Schutz der Weidetiere" statt. Verschiedenste landwirtschaftliche Interessensgruppen sowie Tierhalter aus der Alpenregion hatten sich dazu auf dem Odeonsplatz eingefunden. Ziel der Kundgebung war es, auf die Probleme, die durch den Wolfs gerade bei der Almbewirtschaftung entstehen und für ein besseres Wolfsmanagement aufmerksam zu machen. 

"Es soll kein Trauerzug werden, wir wollen der Stadtbevölkerung deutlich machen, dass wir selbstbewusst um die Weidetierhaltung kämpfen", so der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes Walter Heidl zum Auftakt der Demonstration.

Schellen, Goaßlschnalzer, und Wolfsgeheul

Daran ließen die Teilnehmer der Demo bei ihrem Zug durch die Münchner Innenstadt keinen Zweifel. Allein schon die Zahl der Teilnehmer – die Veranstalter sprachen von 1.500 – war beeindruckend. Fahnen und einprägsame Transparente machten die Forderungen und Positionen deutlich und Kuhglocken, Alphörner und Goaßlschnalzer sorgten dafür, dass die Demonstration auch akustisch Gewicht erhielt. „Es war eine große Demo für Freiheit, Selbstbestimmung und Eigentum“, so fasste Albrecht Fürst Oettingen-Spielberg, Präsident der Familienbetriebe Bayern seine Eindrücke zusammen.

"Der Schutzstatus des Wolfes muss heruntergestuft werden"

Auch auf andere Probleme machten die Teilnehmer der Demo aufmerksam.

Bei der Abschlusskundgebung machten die zahlreichen an der Demo beteiligten Organisationen noch einmal deutlich, worum es ihnen geht. Im letzten Jahr habe es 4.000 Wolfsrisse, allein in Deutschland gegeben, wie Walter Heidl berichtete. Allein das sei der Beweis, dass der Wolf hierzulande nicht mehr vom Aussterben bedroht sei. "Der Schutzstatus des Wolfes muss heruntergestuft werden", forderte Heidl. Das sei Aufgabe der Politik. Dann brauche es Managementpläne, die das Vorgehen vor Ort regeln. Diese dürften von den Behörden nicht blockiert werden und bei Bedarf müsse vor Ort konsequent gehandelt werden.

In zehn Jahren schon 20.000 Wölfe

Was bei einem Weiter wie bisher passiert, das rechnetete Sabine Firnhaber, Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklemburg-Vorpommern vor. Derzeit gebe es rund 1.500 Wölfe in Deutschland, die Zuwachsrate liege bei rund 30 %. „Das bedeutet wir haben wir in 10 Jahren 20.000 Wölfe in Deutschland, dann aber sicher keine Weidetiere mehr“, so Firnhaber. Um den Bestand auf dem aktuellen Niveau zu halten, müssten bereits heute im Jahr 450 Wölfe entnommen werden. Gäbe es in 10 Jahren die 20.000 genannten Tiere, müssten 6.000 entnommen werden, nur um den Bestand nicht weiter anwachsen zu lassen.

Auffällige Wölfe und Rudel komplett entnehmen

An einer schnellstmöglichen Begrenzung des Bestandes geht also laut Firnhaber kein Weg vorbei. Auffällige Wölfe und Rudel müssten dabei komplett entnommen werden. Die bisher empfohlenen Schutzmaßnahmen sind absolut nicht zielführend, wie auf der Kundgebung deutlich wurde. Allein in der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen müssten 250 km Zaun gezogen werden, berichtete Sepp Glatz, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, eine Strecke, die von Garmisch bis nach Nürnberg reicht. Herdenschutzhunde würden nicht nur vor Wölfen schützen sondern auch vor Menschen und vor deren Hunden. Deren Einsatz hätte also bereits fatale Auswirkungen auf den Tourismus und wenn die Almen aufgegeben würden, würde das den Tourismus ebenfalls schwer treffen, ganz zu schweigen von der Biodiversität.

Wolf ist die Melkkuh für Umweltorganisationen

Eine mögliche Erklärung dafür hatte Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer. Manche Umweltorganisation sehe Kampagnen für den Wolf als gute Möglichkeit Spendengelder einzusammeln. „Denen geht es schlicht ums Geld“, so Hechenberger. Die Weidetierhalter und Almbauern hätten da eine viel tiefere Sicht. Sie sehen es als ihre verdammte Pflicht, für die Weitergabe ihres Erbes an die nächste Generation zu kämpfen.

Auch zwei Meter hohe Zäune überwunden

Auch für Max Weichenrieder, den Präsidenten des Landesverbandes Bayerischer Wildtierhalter sind die Aussichten düster. „Wir haben geglaubt mit unseren 2 m hohen Zäunen seien wir auf der sicheren Seite, wurden aber in diesem Frühjahr eines besser belehrt.“ Laut Walter Heidl hat der Kindergarten neben dem Gatter, in das der Wolf eingedrungen ist, den gleiche Zaun, wie das Gatter. Beinahe sarkastisch klingt Weichenrieders Abschluss-Szenario: Er fürchtet, dass es beim ersten „Unfall“ mit einem Menschen heißt: „Hätte er sich nicht falsch benommen, wäre ihm nichts passiert.

Der Artikel erschien zuerst beim Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt.


Kommentieren Sie