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Wolfsattacke: Staatsanwaltschaft will Jäger anklagen

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Kathrin Führes
am
Dienstag, 21.01.2020 - 15:42
Wolf-Zaehne-fletschend © AB Photography - stock.adobe.com
Der Wolf hatte Jagdhunde angegriffen, ehe der Jäger ihn erschoss.

Im Januar 2019 erlegte ein Jäger auf einer Drückjagd im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg) einen Wolf. Das Raubtier war zuvor auf zehn Meter am Schützen vorbei geschnürt und kam dabei auf die Fährte eines Sprungs Rehe, welcher kurz zuvor dort vorbei gewechselt war. Auch mehrere Jagdhunde trafen auf die Fährte und folgten dieser. Der Wolf machte daraufhin kehrt und griff die Jagdhunde an. Ein Teil der Hunde konnte flüchten, ein Deutsch Drahthaar sowie ein Terrier kamen mit dem Wolf jedoch in Konflikt. Der Jäger versuchte durch Klatschen, Schreien sowie einen Warnschuss den Wolf von den Hunden abzubringen. Dies brachte jedoch nicht den gewünschten Erfolg. Er tötete daraufhin den Wolf. Wie der Deutsche Jagdverband mitteilte, bestätigten Zeugen den Vorgang. Auch ein Tierarzt bescheinigte später die Bissverletzungen. Der Jagdleiter hatte die Polizei sowie den zuständigen Wolfsberater über den Vorfall informiert.

Verteidigung sieht Notstandslage

Der Verteidiger des Jägers sah anhand der Aktenlage eine Notstandslage gegeben. Diese Auffassung teilt der zuständige Staatsanwalt nach Angaben des DJV in einer Pressemitteilung jedoch nicht. Es heißt dort, dass der Jäger nach Rechtsauffassung des Staatsanwaltes „in keinem Fall hätte schießen dürfen – ungeachtet der Notstandslage.“

Künftig kein Hundeeinsatz mehr in Wolfsgebieten?

Wie die Staatsanwaltschaft gegenüber der Redaktion mitteilte, habe man schon vor „langer Zeit“ dem Beschuldigten angeboten, dass Verfahren nach § 153a gegen Zahlung eines Geldbetrages einzustellen. Der Beklagte, sein Anwalt und der DJV haben jedoch einen Prozess vorgezogen. „Nur so bekommen wir endlich Rechtssicherheit“, so Thorsten Reinwald vom DJV. Sollte sich die Rechtsansicht des Staatsanwalts durchsetzen, empfiehlt der Jagdverband den Jägern aufgrund der strafrechtlichen Risiken künftig keine Jagdhunde mehr für Stöberjagden und Nachsuchen im Wolfsgebiet einzusetzen.

Weitere Details zur Anklage wollte die Staatsanwaltschaft gegenüber der Redaktion bisher nicht mitteilen.