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Nach Wolfsangriff: Schäfer verliert 65 Schafe in einer Nacht

Phil Kahrs © Phil Kahrs
Phil Kahrs
am
Dienstag, 21.06.2022 - 11:45
Schafrisse-Wolf-Mithöfer © Kai Mithöfer
Teilweise lebten einige der verletzten Schafe noch, als Kai Mithöfer das Ausmaß des Angriffs in Augenschein nahm.

Aufgrund eines Wolfsangriffs Ende Mai auf eine Schafherde von 250 Tieren im Hahnenmoor, Kreis Osnabrück, Niedersachsen, sind über 60 Schafe verendet. Das teilte der betroffene Schäfer Kai Mithöfer der Redaktion mit. Insgesamt seien 20 hochtragende Mutterschafe samt ihren Lämmern getötet worden, sieben Lämmer verschollen und 18 Lämmer zu früh und nicht überlebensfähig geboren worden. Das sei nicht der erste Übergriff von Wölfen auf seine Schafe, erklärt der Schäfer. Aber bisher sei es der verheerendste.

Vermutlich mehrere Wölfe beteiligt

Viele der Mutterschafe hätten Kehlbisse aufgewiesen, erklärte Kai Mithöfer. Insgesamt sei die Herde gegen den Zaun in die Enge getrieben worden. Dabei hätten sich die Tiere teilweise in ihrer Panik gegenseitig totgetrampelt. Kai Mithöfer geht bei dem Angriff von mehreren Wölfen aus. „Ein Wolf allein hätte die Tiere nicht so stark in die Enge treiben und sieben Lämmer verschleppen können“, vermutet er.

Mindestens 18 Totgeburten mussten Kai Mithöfer im Nachgang des Angriffs verzeichnen.

Herdenschutzmaßnahmen eingehalten

Die Schafe seien mit einem elektronischen Herdenschutzzaun von 1,08 Meter Höhe eingezäunt gewesen, berichtet Kai Mithöfer. Der Zaun sei so straff gespannt gewesen, dass die Herde diesen nicht hat einrennen können. Eine kurz zuvor durchgeführte Prüfung hätte eine ausreichend hohe, elektrische Spannung bestätigt. Die Herde sei neu zugekauft worden und hätte keine Erfahrung mit Herdenschutzhunden gehabt. Aufgrund der Trächtigkeit der Schafe sei deshalb bisher kein Hund in der Herde eingesetzt worden. Das sei für die Zukunft geplant gewesen. Der Einsatz der Hunde hätte zwar in der Vergangenheit keine Angriffe durch Wölfe auf seine Schafe verhindert, diese seien aber niemals so ausgeartet, wie der vergangene.

Die Wölfe hatten die Schafe in einen kleinen Birkenbestand an den Zaun getrieben.

In der Vergangenheit hätte Kai Mithöfer die Bearbeitung der Entschädigung von Schafsrissen zu lange gedauert. Der Schäfer, der mit seinen Tieren Landschaftspflege betreibt, sei auf das Geld bei Ausfällen angewiesen, sagt er. Bei dem jetzigen Vorfall hofft er aufgrund des Ausmaßes auf eine schnellere Abwicklung durch das nun zuständige Landwirtschaftsministerium. Die zeitnahe Probenentnahme zur DNA-Sequenzierung durch Beauftragte des zuständigen Forstamts kurz nach Entdeckung der Risse empfindet Kai Mithöfer als positiv. „Ich hoffe, dass auch alles andere nun so schnell voran geht.“ Gegen den Wolf als Tier habe er, selbst Jäger, nichts. „Nur die Verhältnismäßigkeit sehe ich im Moment nicht“, summiert Kai Mithöfer.


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