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Wolfsabschuss: Kritik von Wolfsberatern, NABU und Grünen

Erneut wurde ein Islandpferd gerissen – vermutlich von Wölfen. © Arnar Halldorsson

Erneut wurde ein Islandpferd gerissen – vermutlich von Wölfen.


Laut einem offenen Brief sehen 16 Wolfsberater bei dem, von Niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD), genehmigten Abschuss eines Wolfsrüden im Landkreis Nienburg/ Weser noch viele offene Fragen. Es sei nicht mitgeteilt worden, ob alles andere versucht worden sei, sagte Silas Neuman, Wolfsberater im Landkreis Cuxhaven der dpa. Wenn alles nichts bringe, dann sei der finale Abschuss vorgesehen. „Dahinter stehen wir auch“, betonte Neuman.

Nutztierrisse können Leitrüden zugeordnet werden

Unter anderem fragen die Wolfsberater, mit welcher Begründung der Minister weder den Arbeitskreis Wolf, noch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf hinzugezogen habe. Eine Sprecherin des Ministeriums verwies auf einen sehr langen Diskussionsprozess vor der erteilten Ausnahmegenehmigung, an dem auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beteiligt gewesen sei.

GW717m“ ist der Leitrüde des Wolfsrudels von Rodewald im Landkreis Nienburg/ Weser. Der überwiegende Teil der Nutztierrisse in der Region könne nachweislich dem Leitrüden zugeordnet werden, der auch Elektrozäune überwinde.

Auch NABU sieht Wolfsabschuss kritisch

Auch der NABU und die Grünen äußern sich kritisch zur Informationspolitik. Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des NABU Niedersachsen, zeigt sich in einer Pressemitteilung alarmiert: „Umweltminister Olaf Lies hält Informationen zurück, welche seine Entscheidung legitimieren könnten. Dies nicht nur im rechtlichen Sinne. Die Öffentlichkeit möchte auch über die sachlichen und fachlichen Abwägungen informiert werden."

"Seine Wolfsberater, die Umweltverbände und auch der Bund haben erhebliche Zweifel an der rechtssicheren Begründung für den Abschuss. Vor allem hat der Minister es in seiner Schießwut versäumt, einen wirksamen Herdenschutz in der Region aufzubauen, da die Mehrzahl der Risse nicht ausreichend geschützte Tiere betraf", so Christian Meyer, der naturschutzpolitische Sprecher von den Grünen.

Wieder Pferd von Wolf gerissen

Im Territorium des Rodenwalder Rudels wurde Anfang Februar erneut ein Islandpferd gerissen. Eine Sprecherin des Umweltministeriums bestätigte dies gegenüber der Redaktion. Es wird vermutet, dass es sich beim Verursacher um einen oder mehrere Wölfe handelt. Die Gen-Proben vom Kadaver werden nun im Eilverfahren ausgewertet. Dieser Vorfall zeige aber erneut, dass gehandelt werden muss, so die Sprecherin weiter. Es sei zu befürchten, dass der umstrittene Rüde "GW717m" sein Verhalten an die Nachkommen weiter gebe. dpa/PM


Sascha Bahlinger ist seit 2017 bei den dlv- Jagdmedien als Volontär tätig. Den Jagdschein hat er während des Studiums der Forstwissenschaft 2014 erworben.
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