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Wolf: Schutz gilt laut EuGH auch in Siedlungsgebieten

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Kathrin Führes
am
Freitag, 12.06.2020 - 16:54
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Auch wenn sie in Siedlungsgebiete eindringen, dürfen Wölfe nicht ohne nationale Regelung eingefangen werden.

Mit einem Urteil vom 11. Juni hat der Europäische Gerichtshof festgesetzt, dass der, durch die Habitatrichtlinie vorgesehene Schutz bestimmter Wildarten, auch dann gilt, wenn diese ihren natürlichen Lebensraum verlassen und in menschliche Siedlungsgebiete eindringen. Dies Regelung trifft damit u.a. auch auf den Wolf zu. Hintergrund des Urteils war ein Fall aus Rumänien. Dort hatten Mitarbeiter einer Tierschutzorganisation, in Begleitung einer Tierärztin, im Jahr 2016 einen Wolf eingefangen. Dieser hatte sich auf einem Grundstück in einem Dorf aufgehalten, welches zwischen zwei großen Schutzgebieten liegt, die unter die Habitatrichtlinie fallen. Eine Genehmigung zum Fang und Transport besaßen die Tierschützer nicht, daher wurde Strafanzeige erstattet. Das zuständige Gericht war sich jedoch unsicher, ob die strengen Schutzbestimmungen der Habitatrichtlinie auch für den Fang in einer Ortschaft gelten und legte den Fall dem EuGH vor.

Schutz kennt keine Abgrenzungen

Der EuGH begründete sein Urteil damit, dass das „natürliche Verbreitungsgebiet“ dem Raum entspricht, „in dem sich die betreffende Tierart im Rahmen ihres natürlichen Verhaltens aufhält bzw. ausbreitet“. Der durch die Habitatrichtlinie gewährte Schutz kennt folglich keine Abgrenzungen oder Grenzen in Bezug auf menschliche Siedlungen. „Es geht nämlich nicht darum, die betreffenden Arten nicht nur an bestimmten Orten zu schützen, die restrektiv definiert werden“, so der EuGH weiter. Sollte es mit Wölfen in Siedlungsgebieten jedoch zu Konflikten kommen, haben die Länder eine Handlungsmöglichkeit, wenn dazu ein entsprechender gesetzlicher Rahmen auf nationaler Ebene geschaffen wurde.

Hier finden Sie die Pressemitteilung zu dem Urteil des EuGH


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