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Wolf: Jagd auf Rodewalder Rüden vorläufig eingestellt

Wolf-Visier © ©winterbilder - stock.adobe.com
Während der Dauer des Eilverfahrens ist die Jagd auf den Rodewalder Rüden ausgesetzt.

Der „Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.“ hat am 6. Oktober beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg Beschwerde gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts (VG) Oldenburg eingereicht. Dieses lehnte am Tag zuvor den Widerspruch der Wolfsschützer gegen die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss des Rodewalder Problemwolfes ab. Die Entnahme wurde bereits am 17. Juli vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erteilt.

Der Senat des OVG Lüneburg prüfe nun, ob die Wertung des VG Oldenburg zu beanstanden sei oder nicht, erläuterte eine Sprecherin die Vorgehensweise gegenüber der Redaktion. Eine schriftliche Stellungnahme zum Sachverhalt sei beim NLWKN angefordert. Die Länge des Verfahrens sei noch nicht absehbar, so das Gericht abschließend.

Für den Zeitraum des Beschwerdeverfahrens wird die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss des Leitrüden seitens des NLWKN freiwillig ausgesetzt, bestätigte eine Sprecherin des Umweltministerium der Redaktion. Während der Antragsprüfung beim VG Oldenburg habe die Jagd auf „GW717m“ ebenfalls geruht.

"Ein Wolf der tot ist, kann nicht mehr vergrämt werden"

Dem laufenden Eilverfahren ging ein „Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes“ des „Freundeskreises freilebender Wölfe e.V.“ beim VG Oldenburg voraus. Damit strebten die Wolfsschützer eine Untersagung der letalen Entnahme des niedersächsischen Problemwolfes an. Ralf Hentschel, Vorsitzender des Vereins, begründet den Widerspruch gegen die Abschussgenehmigung u.a. darin, dass der Leitrüde nicht allein für die Risse verantwortlich sei.

Im Fall der tödlich attackierten Jährlinge in Steimbke (LK Nienburg) am 16. Juni (jagderleben berichtete) konnte der Leitrüde nicht explizit nachgewiesen werden, sondern lediglich sein Rudel. Hentschel sieht die Lösung der Rissproblematik in vermehrten und besseren Herdenschutzmaßnahmen, wie wolfsabweisenden Zäunen und Herdenschutzhunden. „Den Wolf zu schießen ist keine Lösung. Ein Wolf der tot ist, kann nicht mehr vergrämt werden. Wenn nicht alle Halter ihre Tiere vernünftig schützen, lernt der Wolf, dass er so leicht an Beute kommen kann“, erklärt Hentschel gegenüber der Redaktion.

Wolfsrüde werde sein Verhalten nicht ändern

Der Antrag des Vereins wurde vom Gericht abgewiesen, da er unbegründet sei. In seinem Beschluss ist das VG Oldenburg der Auffassung, dass „‚GW717m‘ bei ungehindertem Geschehensfortgang auch in Zukunft ernste Schäden verursachen wird. Die seit dem 18. Februar 2018 dem Leitwolf des Rodewalder Rudels eindeutig zuzurechnenden Rissereignisse sind zahlreich und haben bereits jetzt erhebliche Schäden angerichtet. Es spricht nichts dafür, dass ‚GW717m‘ sein Verhalten zukünftig ändern wird. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind daher weitere Risse und damit weitere Schäden durch dieses Tier zu erwarten.“

Das NLWKN habe zutreffend und ausführlich dargelegt, dass es keine zumutbaren Alternativen zur letalen Entnahme von ‚GW717m‘ gebe, heisst es dazu im Beschluss. „Das Vorbringen des Antragstellers zu – aus seiner Sicht – fehlenden oder unzureichenden Schutzmaßnahmen überzeugt nicht. Die angesprochenen Maßnahmen erachtet das Gericht wegen ihrer Kosten und des mit ihrer Realisierung verbundenen Arbeitsaufwandes als ersichtlich unzumutbar.“

In Bezug auf den Riss der zwei Jährlinge, bei dem ein Schaden in Höhe von 17.200 Euro entstand, steht im Beschluss, dass, „wenn Schäden bei Nutztierrissen keinem bestimmten Wolf eines Rudels zugeordnet worden sind, der Abschuss von einzelnen Mitgliedern des Wolfsrudels in engem räumlichen und zeitlichem Zusammenhang mit bereits eingetretenen Rissereignissen auch ohne Zuordnung der Schäden zu einem bestimmten Einzeltier bis zum Ausbleiben von Schäden fortgeführt werden darf. Diese Vorraussetzungen liegen im Hinblick auf das Rissereignis vom 16. Juni 2020 vor.“ Auch sieht das Gericht die Anforderungen hinsichtlich einem engen räumlichen Zusammenhang mit der Beschränkung der Ausnahmegenehmigung auf einzelne Gemeinden nahe Steimbke in den Landkreisen Nienburg/Weser und dem angrenzenden Heidekreis, erfüllt. Ein enger zeitlicher Zusammenhang mit bereits eingetretenen Rissereignissen sei mit der Befristung der Ausnahmegenehmigung bis zum 31. Dezember 2020 ebenfalls gewahrt.

Vorherige Ausnahmegenehmigung lief aus

Die im Juli erteilte Ausnahmegenehmigung zum Abschuss des Rodewalder Problemwolfes ist nicht die Erste. Im März 2020 lief die immer wieder verlängerte Ausnahmegenehmigung nach 14 Monaten aus. Damals wurden dem Leitrüden keine neuen Risse mehr zugeordnet und die Jagd eingestellt. Über 150.00 Euro wurden in dieser Zeit u.a. für einen externen Dienstleister zur Unterstützung der letalen Entnahme ausgegeben. Bereits damals stellte der „Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.“ einen Antrag auf Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes und wollte damit den Abschuss verhindern. Wie das Umweltministerium in einer Pressemitteilung im Februar 2019 bekannt gab, lehnte das VG Oldenburg den Antrag ab.


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