Home News Wölfe: Aktives Management mit wolfsfreien Zonen gefordert

Wölfe: Aktives Management mit wolfsfreien Zonen gefordert

Die agrarpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktionen bei ihrem Treffen in Stade.


Dies ist das Ergebnis einer Klausur in Stade bei der sich die agrarpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktionen auf eine gemeinsame Linie im Umgang mit dem Wölfen verständigt haben. In der so genannten „Stader Resolution“ fordern sie den Bund auf, ein aktives Wolfsmanagement zu etablieren, um so die Weidetierhaltung und Deichschäferei erhalten zu können.

Darauf hat Helmut Dammann-Tamke, agrarpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, in seiner Eigenschaft als Berichterstatter des Treffens in einer Pressemitteilung hingewiesen. Gewicht erhält diese Resolution zusätzlich noch dadurch, dass Dammann-Tamke auch Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) ist.

Konkrete Forderung

Konkret lautet die von Damman-Tamke vorgetragene Forderung: „In Abstimmung mit der Europäischen Kommission müssen endlich rechtliche Grundlagen für die Ausweisung wolfsfreier Zonen geschaffen werden.“ Das sei vor allem an den Küsten- und Flussdeichlinien entscheidend, wo herkömmliche Schutzmaßnahmen nicht greifen.

„Außerdem brauchen wir Regelungen und Maßnahmen, die Weidetierhalter schnell und unbürokratisch für bisher entstandene und künftige Verluste entschädigen, die ihnen durch die Ausbreitung des Wolfes entstanden sind“, mahnt der CDU-Agrarsprecher und LJN-Präsident an – wobei er rät, die bereits in Sachsen praktizierte Beweislastumkehr bei Nutztierrissen bundesweit einzuführen. Darüber seien sich die agrarpolitischen Sprecher in Stade einig gewesen.

Schäden und Bestände nehmen zu

Laut einem Bericht der Osnabrücker Zeitung haben die Schäden im Norden 2017 einen neuen Rekord erreicht. Demnach fielen in den Küstenländern Niedersachsen, Schleswig-Holsten und Mecklenburg-Vorpommern über 500 Nutztiere den Wölfen zum Opfer, wobei Niedersachsen mit über 400 Verlusten die Hauptlast trug.

Helmut Dammann-Tamke über diese Situation: „Im letzten Jahr wurden 214 Wolfswelpen und gut 600 erwachsene Tiere bundesweit nachgewiesen. Die Populationsentwicklung ist mit einer jährlichen Zuwachsrate von 30 Prozent besonders hoch.“ Vor diesem Hintergrund müsse auch die Bestandsregulierung der Wolfspopulation endlich vorangetrieben werden. „Sobald ein günstiger Erhaltungszustand der Wolfspopulation gewährleistet ist, muss geprüft werden, ob der Wolf dem Jagdrecht unterzogen werden kann", so der LJN-Präsident.

Wolf ins Jagdrecht?

Eine Aussage, die der Niedersachse nicht "ungeschützt" getätigt haben dürfte. Zumal er den entsprechenden Arbeitskreis innerhalb des Präsidiums des Deutschen Jagdverbandes (DJV) verantwortet. Dem Vernehmen nach ist nämlich innerhalb des DJV bereits die Verständigung darauf erfolgt, sich einer generellen Aufnahme des Wolfes in den Tierartenkatalog des Bundesjagdgesetzes nicht zu widersetzten. Bisher ist dies nach Landesrecht lediglich im Freistaat Sachsen bei ganzjähriger Schonung der Fall.

Inwieweit dabei die sich häufenden Nahbegegnung zwischen Wölfen und Menschen eine Rolle spielen ist nicht bekannt. Erst am vergangenen Wochenende traf ein Landwirt im Bayerischen Wald auf seiner Wiese einen nicht sehr scheuen Wolf an (siehe Video oben). Dabei steht jedoch noch offen, ob es sich bei dem Tier nicht um den letzten der Ausreißer aus dem nahen Nationalparkgehege handelt, dessen Verbleib bisher ungeklärt ist.


Josef-M. Bloch JAGDERLEBEN.DE-Redaktionsleiter. Jagdscheininhaber seit 1987, ab 1997 in verschiedenen Funktionen für die dlv-Jagdmedien tätig.
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