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Wisente doch (noch) nicht „herrenlos“

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Montag, 06.10.2014 - 02:00
Wild oder nicht Wild? Das ist die Gretchenfrage für die Wisentherde im Rothaargebirge. Foto: W. Martin © W. Martin

Mit Beschluss vom 2. Oktober 2014 ist es den zwölf Wisenten des Artenschutzprojektes im Rothaargebirge verwehrt in den angrenzenden Wirtschaftswäldern frei umherzustreifen (Akte 3 c 155/14). Somit kam das Amtsgericht dem Anliegen des Klägers und Waldbauern Herrmann-Josef-Vogt, der zuvor ein Betretungsverbot für die Wildrinder per Einstweiliger Verfügung erwirkt hatte (wir berichteten; siehe Links zu weiteren Artikeln unten) nach.
Das aktuelle Urteil begründet das Gericht wie folgt: Tiere, die „von sich aus ihr altes Gehege aufsuchen, dort auch noch gefüttert, geimpft und neu besendert werden“ können nicht als herrenlos angesehen werden, so die Amtsrichterin Christine Behle-Cordes. Folglich gehören die Wisente immer noch dem Trägerverein, der wiederum zukünftig verhindern muss, dass die Tiere Schäden verursachen. Für entstandene Schäden ist demnach der Verein zuständig.
Gegen die weiterbestehende Einstweilige Verfügung hat der Trägerverein daraufhin erneut Rechtsmittel eingelegt. Auf der Homepage des Vereins, erklärt der Vorsitzende Bernd Fuhrmann, dass man den Hinweis aus der Rechtsprechung zu deuten versteht und nun alles daran setzte, diesen Status der Herrenlosigkeit für die Wisente zu erreichen. Zudem möchte der Verein den Streit auch inhaltlich klären lassen und strebt deshalb auch ein Verfahren in der Hauptsache an, das den Vorteil habe, eine Entscheidung herbeizuführen, die sich auf eine ausführliche inhaltliche Argumentation stütze. Dies können beispielsweise wissenschaftliche Gutachten und Vor-Ort-Termine sein, so Fuhrmann weiter. Neben den Funktionären des „Wisent-Welt-Wittgenstein e.V.“ ist nun auch die „wissenschaftliche Begleitung“ des Projekts gefragt, wenn das ehrgeizige Vorhaben nicht scheitern soll.
Was heißt das für die Tiere? Da eine Zwangsvollstreckung nicht zu erwarten sei, so Fuhrmann, muss die zwölfköpfige Herde bis zur Rechtskraft der Berufungsentscheidung nicht eingesperrt werden. Zur Schadensregelung erklärt er abschießend, dass der Verein ungeachtet dessen wie der Rechtsstreit ausgehe, eine Kostenlösung mit den betroffenen Waldbauern anstrebe und das alle Schäden wie bisher beglichen werden.
W. Martin/MH