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Wisente jetzt "herrenlos"

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Freitag, 05.09.2014 - 18:06
Streitobjekt Wisentherde: Früher "herrenlos" als geplant? Foto: W. Martin © W. Martin

Im Streit um die durch eine frei lebende Wisentherde im Rothaar-Gebirge verursachten Schäden an Waldbäumen geht es Schlag auf Schlag. Nachdem ein Waldbauer durchgesetzt hatte, dass die Tiere sein Grundstück nicht mehr betreten dürfen (siehe Link unten), versucht jetzt der Trägerverein des Projektes aus der Haftung zu kommen, indem er die Wisente für "herrenlos" erklärt. Und das könnte sogar klappen!
Die Rechtskonstruktion dazu kennt man von Fällen, bei denen sogenanntes "Gatterwild" ungewollt in Freiheit entweicht. Um nicht weiter für die Tiere verantwortlich zu sein, muss der bisherige Eigentümer nur erklären, dass er die Verfolgung aufgibt.
So agumentiert jetzt auch der den Verein vertretende Rechtsanwalt: "Ein gefangenes wildes Tier wird dann herrenlos, wenn es die Freiheit wiedererlangt und es nicht unverzüglich zurückgeholt wird oder zurückgeholt werden soll. Genau das ist das Ziel des Artenschutzprojektes im Rothaargebirge", wird er auf der Homepage des Vereins zitiert.
Rechtlich möglich ist das, weil der Wisent im Tierarten-Katalog von §2 Bundesjagdgesetz aufgelistet ist. Damit handelt es sich bei ihm um Wild im Sinne des Gesetzes. Offenbar will sich auch das zuständige Gericht der neuen Argumentation der Wisent-Freunde anschließen. Jedenfalls wurde die Zwangsvollstreckung aus der Einstweiligen Verfügung nach Mitteilung des Vereins vorläufig gegen eine Sicherheitsleistung von 2.000 Euro eingestellt. Die entgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit soll am 11. September vor Gericht fallen.
JMB