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Wisentbulle wurde erlöst

Der Jungbulle zu Lebzeiten. Foto: Wolfram Martin © Martin Wolfram

Etwa 400 Meter außerhalb des eigentlichen „Wisentwaldes“ und des Grundbesitzes von Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg fanden Forstoberinspektor Norbert Kohnen vom Regionalforstamt Oberes Sauerland in Schmallenberg und ein zufällig anwesender Wisentexperte aus Springe (Niedersachsen) am Abend des 7. September den schwerverletzt wirkenden Wisentbullen vor. Telefonisch informierten sie sofort den „Wisentranger“ Jochen Born, den Berufsjäger Patrick Rath und Revierförster Karl-Heinz Paul von der Rentkammer Berleburg, die auch unverzüglich am Tatort eintrafen.
Obwohl die Dämmerung bereits einsetzte, konnten sie erkennen, dass sich der gut einjährige Jungbulle immer wieder niedertat und eine handtellergroße offene Wunde an der Flanke leckte – offenbar eine Verletzung als Folge eines Kampfes mit dem Leitstier, wie die Fachleute vermuten. Dieser sprang zunächst aber noch schwerkrank ab, sodass man zunächst von einer Nachsuche am nächsten Morgen ausging. Röchelnd wurde er aber dann doch gefunden. Die Experten waren sich schnell einig, dass er so gut wie keine Überlebenschance haben würde und entschlossen sich zum erlösenden Fangschuss.



Wisente zeigen wenig Scheu

Was kommt denn da? Freilebende Wisente beäugen Radfahrer im Rothaargebirge. Foto: Wolfram Martin © Martin Wolfram

Was kommt denn da? Freilebende Wisente beäugen Radfahrer im Rothaargebirge. Foto: Wolfram Martin

Entgegen der Annahme, dass Wanderer die Tiere wohl eher selten sehen, kommt es derzeit zu unerwarteten Begegnungen. Trotz Tests mit „simulierenden“ Waldbesuchern (Hundeführer, Pilzsucher, Jäger) im Auswilderungsgatter: Die Wisente scheinen nicht so schnell zu verwildern wie andere Tiere. Zunehmend mehren sich in der regionalen Presse und sozialen Netzwerken Meldungen über Wisentbeobachtungen direkt neben öffentlichen Straßen und entlang des "Rothaarsteigs".
Schon jetzt ist ein regelrechter Wisenttourismus zu beobachten. Die Verantwortlichen zeigen sich "überrascht". Handlungsbedarf sieht man vorerst keinen. Nicht zuletzt ist auch strittig, wie sich "Nahbegegnungen" am besten vermeiden lassen. Es würden die gleichen Regeln wie gegenüber anderen Wildtieren gelten, heißt es (mehr zum Thema in PIRSCH 18/2013 ab 18. September).
Wolfram Martin

Einen kurzen Filmbeitrag zur Auswilderung auch unter
Berücksichtigung jagdlicher Aspekte finden Sie hier.




Quelle: www.jagderleben.de