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Winzer geht mit Falle und Knüppel auf Waschbärjagd

Der Winzer fängt auf eigene Faust Waschbären in der Falle und tötet sie.


Ein Winzer aus der Nähe von Meißen (Sachsen) greift zu drastischen Maßnahmen: Um der Waschbärplage in seinem Weinberg Herr zu werden, geht er selbst auf "Jagd" – ohne Genehmigung. Das Verhältnis mit dem zuständigen Jagdpächter sei schon seit langem zerrüttet.

Auch Ortsbegehungen mit der Unteren Jagdbehörde hätten in der Vergangenheit nichts genützt, um die nicht vom Jäger ersatzpflichtigen Wildschäden auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, so der Winzer gegenüber der Redaktion. Er fühle sich im Stich gelassen. Innerhalb von etwa zehn Tagen sollen ihm die Waschbären einen halben Weinberg zusammengefressen haben. Ein Verlust von über 600 Liter Biowein.

Kein Freifahrtsschein

In dieser Notsituation habe er sich erneut an die Jagdbehörde gewandt, die ihn darüber informierte, dass der zuständige Jagdpächter im Urlaub sei. Sofortmaßnahmen seien so kurzfristig nicht organisierbar gewesen, erklärte die stellvertretende Pressesprecherin des Landratsamts auf Nachfrage. Man habe den Weinbauer darüber aufgeklärt, dass er Waschbären in Lebendfallen fangen dürfe, aber nicht töten. Den „Freifahrtschein“ den der Winzer aus dieser Angabe machte, habe man ihm sicher nicht erteilt, so die Sprecherin.

Für den Winzer selbst ist die eigenhändige Tötung der gefräßigen Räuber dagegen „reine Notwehr“, zu der er durch die Untätigkeit des Jagdpächters gezwungen sei. Dabei fängt er die Tiere in Lebendfallen, bevor er sie in einem Sack mit einem Knüppel erschlägt. 

LJV fordert Politik auf Jäger und Landwirte zu unterstützen

Für den Vizepräsidenten des LJV Sachsen zeigt der Fall einmal mehr: „Es ist überfällig, die Problematik der Neozoen anzugehen.“ Die Selbstjustiz des Winzers sei jedoch in keiner Weise akzeptabel. Allerdings mache der Fall deutlich, dass die Politik gefordert ist, Jäger und kleinere bzw. mittlere Landwirtschaftsbetriebe bei ihren Problemen nicht allein zu lassen.

Für den Winzer ist der Fall klar, er hat sich weitere Fallen bestellt, um dem Schaden selbst ein Ende zu setzen. Beim Landratsamt liegen bereits mehrere Anzeigen gegen den Weinbauern vor. CL


Christian Liehner Redaktionsvolontär bei den dlv-Jagdmedien. Aufgewachsen am Bodensee. Jagdschein während des Studiums der Politikwissenschaft und Geschichte in Freiburg.
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