Home News Wildverbiss in Bayern angestiegen: Verstärkte Bejagung gefordert

Wildverbiss in Bayern angestiegen: Verstärkte Bejagung gefordert

Tannen werden deutlich häufiger verbissen, als Fichten oder Kiefern. © Martin Weber

Tannen werden deutlich häufiger verbissen, als Fichten oder Kiefern.


Heute wurden in Bayern die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens 2018 vorgestellt. Der Anteil, der von Wild verbissenen Leittriebe bei Nadelbäumen, ist demnach von drei auf vier Prozent gestiegen, bei Laubbäumen von 18 auf 19 Prozent. Besonders die Situation im Bergwald bereite den Verantwortlichen Sorge, wie Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber vor dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten berichtete. Insbesondere bei der Tanne sei der Verbiss von 13 auf 21 Prozent gestiegen. Im Bergwald sowie in einigen anderen Regionen müsse die Bejagung des Schalenwilds daher verstärkt werden. Zwei Drittel der 750 Hegegemeinschaften können ihre Abschusshöhe jedoch beibehalten – in drei Fällen wird empfohlen sie zu senken.

Verbissbelastung-Bayern-2018 © StMELF

Die Karte zeigt die Verbissbelastung Bayerns nach Einschätzung des Forstlichen Gutachtens 2018.

Kaniber lobt Jäger dennoch

Das Gutachten wurde in diesem Jahr zum zwölften Mal durchgeführt und im dreijährigen Turnus erhoben. Dabei wird auf 22.000 Verjüngungsflächen gemessen, wie es um den Wildverbiss in Bayerns Wäldern steht. Ausgehend davon wird für jede Hegegemeinschaft eine Empfehlung ausgesprochen, ob der Abschuss erhöht, beibehalten oder gesenkt werden soll. 2015 war der der Verbiss noch deutlich zurückgegangen. Michaela Kaniber fand dennoch lobende Worte für die Jägerschaft: "Vielerorts in Bayern sind Wald und Wild miteinander im Einklang."

Zusammenarbeit aller Beteiligten

Michaela Kaniber erklärte in der Landtagssitzung, vor allem in Hinblick auf den Klimawandel, sei der Umbau des Waldes zu stabilen Baumarten essenziell. Dies gelinge allerdings nur, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten. Die Ministerin sagte: "Nur durch Jagd kann Wildlebensraum erhalten werden. Jeder Quadratmeter ohne Zaun ist ein Quadratmeter Wildlebensraum". 

Die Landwirtschaftsministerin bekräftigte jedoch auch, dass ihr an einer Weiterentwicklung des Gutachtens gelegen sei. Deshalb solle es bereits im ersten Quartal 2019 Gespräche mit allen Beteiligten geben. Sie setze sich auch für Revierweise Aufnahmen ein.
Hans Urban (Bündnis 90/ Die Grünen) brachte den Vorschlag ein, die Jagdpachtverträge künftig nur noch auf drei Jahre zu vergeben. Diese Idee stieß bei anderen Parteien nicht auf Begeisterung. Dr. Leopold Herz (Freie Wähler) sagte dazu, er sehe darin einige Nachteile. So habe es sich bewährt, die Jagdpachtverträge auf längere Zeit auszuschreiben. 
 

Abschussempfehlung-Bayern-2018 © StMELF

Die Karte zeigt die Abschussempfehlung Bayerns nach Einschätzung des Forstlichen Gutachtens 2018.

Bayerischer Jagdverband fordert Umdenken

Der Bayerische Jagdverband hat bereits bevor das Ergebnis veröffentlicht wurde, erklärt, man fordere ein Umdenken beim Gutachten. Demnach solle der Blick mehr auf das Erreichte, als auf die Schäden gerichtet werden. BJV-Präsident Prof. Jürgen Vocke sagte dazu: „Wir wollen das Vegetationsgutachten nicht abschaffen, aber wir wollen keine pauschale Verurteilung, und wir wollen, dass das, was die Jäger draußen für die Waldbesitzer leisten, auch anerkannt wird.“ Die Tiere des Waldes sollten nicht nur als Schädlinge gesehen werden, so der BJV.


Sascha Bahlinger ist seit 2017 bei den dlv- Jagdmedien als Volontär tätig. Den Jagdschein hat er während des Studiums der Forstwissenschaft 2014 erworben.
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