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Wildtierforschung: Aufstieg in luftige Höhen

Der Lebensraum der Gams verschiebt sich laut der Studie immer weiter nach oben.


Die drei Schalenwildarten passen sich ähnlich wie zahlreiche Pflanzenarten an die steigenden Temperaturen an. Sie ziehen sich im Spätsommer/Herbst in deutlich höhere, sprich kühlere Lagen zurück. Dies hat ein internationales Forscherteam unter Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) nachgewiesen. Den einzigartigen Datensatz dafür lieferte das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden mit über 230.000 Orten, an denen Wild erlegt wurde.

Die Auswertung zeigt, dass sich die Einstände von Stein-, Gams- und Rotwild in den 22 Jahren deutlich verschoben haben. Im Durchschnitt je Art um 135 Meter, 95 Meter und 80 Meter nach oben. Ursache ist ein Anstieg der mittleren September- und Oktobertemperatur im Studiengebiet um 1,3°C in den vergangenen 20 Jahren.

Rehwild verhält sich anders

„Dieser Datensatz ist einmalig und zeigt, dass auch große, warmblütige Tiere auf die steigenden Umgebungstemperaturen reagieren“, sagt Kurt Bollmann von der WSL. Bislang ging man davon aus, dass dies vor allem auf Pflanzen und kaltblütige Tiere wie Reptilien zutrifft. Einzig beim Reh, das enger an seinen Einstand und an Wald gebunden ist, war die Verschiebung weniger ausgeprägt.

Ob sich daraus längerfristige Konsequenzen für die Arten ergeben, wissen die Wissenschaftler jedoch noch nicht. Man wird aber auch in Zukunft gemeinsam mit der Jägerschaft die Abschussorte dokumentieren, um so eine gesicherte Datengrundlage zu haben.


Rasso Walch Der studierte Förster stammt aus einer traditionellen Jägerfamilie und hat seine Jägerprüfung bereits im Alter von 14 Jahren abgelegt.
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