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Wildschweinzaun in Dänemark: Jäger finden verletzte Wildtiere

Laufbruch-Rehwild © privat
Ein Jäger fand das verletzte Stück Rehwild direkt neben dem Wildschweinzaun.

Nach zehn Monaten Bauzeit stellt Dänemark am Montag seinen umstrittenen Wildschweinzaun entlang der Grenze zu Deutschland fertig. Es wurde das letzte Zaunteil nahe dem Grenzübergang Sofiedal knapp 20 Kilometer nordwestlich von Flensburg eingesetzt. Damit ist das dänische Bauprojekt, das auf einer Länge von knapp 70 Kilometern von der Ost- bis zur Nordsee verläuft, offiziell abgeschlossen.

Schutzzaun wird von Experten in Frage gestellt

Der Wildschweinzaun ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die Dänen ihre wichtige und gewinnbringende Schweinezucht vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) schützen wollen. Der Erreger war zuletzt unter anderem vermehrt in Polen aufgetreten. Viele Menschen in der eng miteinander verschmolzenen deutsch-dänischen Region halten den Zaun aber vor allem für ein Ärgernis und ein Symbol der Abschottung.

Der Effekt des Zauns, der umgerechnet zwischen sechs und acht Millionen Euro kostet, wird von Experten außerdem infrage gestellt: Sie halten vor allem die Übertragung durch das Zutun des Menschen für das Hauptproblem im Kampf gegen die ASP. Über weggeworfene Brote mit Wurst aus dem Fleisch infizierter Tiere sowie den Schlamm in Radkästen von Autos oder in Schuhprofilen kann das Virus in zuvor nicht betroffene Gegenden eingeschleppt werden.

Jäger finden verletzte Wildtiere

Sven Nicolaysen-Dlubatz, Vorsitzender der Hochwildhegegeminschaft "Froeslev-Jardelunder Moor" und "Flensburg-West", erzählt gegenüber der Redaktion, dass die Jäger in der Region seit dem Bau des Zauns immer wieder verletzte Wildtiere finden. Bereits im Juni mussten zwei Rehe mit Laufverletzungen erlöst werden. Im Oktober beendete ein dänischer Jäger das Leid einer Geiß, die mit gebrochenem Rückgrat neben dem Zaun lag.  Auch zwei Hofbesitzer fanden im Zaun hängende Rehe und mussten diese erlösen. Laut Nicolaisen-Dlubatz sei es für die Tiere von einer Seite aus einfacher drüber zu springen, da sie dort eine erhöhte Position haben. Beim Rückwechseln haben sie es dann umso schwerer.

Verletztes Rotwild ebenfalls gefunden

Laufbruch-Rotwild © Privat

Ein weibliches Stück Rotwild musste wegen der schweren Laufbrüche erlöst werden.

Ein weiterer Jäger hat bei einem Reviergang durch das Osterbyer Moor ein schwerverletztes Alttier gefunden. Beide Vorderläufe waren gebrochen. Hier geht der Vorsitzende der Hochwildhegegemeinschaft allerdings davon aus, dass sogenannte "Viehgatter", welche den Wildwechsel über Straßen im Bereich des Zauns verhindern sollen, dafür verantwortlich seien. dpa/EG


Eva Grun hat mit 16 Jahren ihren Jugendjagdschein gemacht, jagt im Frankenwald und ist seit 2019 Volontärin bei den dlv-Jagdmedien.
Eva Grun mit Drahthaar.