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Vom Wilderer zum Mörder: Kusel ist kein Einzelfall

Fokko Kleihauer © Fokko Kleihauer
Fokko Kleihauer
am
Sonntag, 20.02.2022 - 16:12
Hochsitz-schwarz-weiß © adobe-stock.com/Katrin May

Plötzlich ist Wilderei in aller Munde. Ausgelöst durch zwei Verbrecher, die vor wenigen Wochen zwei Polizisten mutmaßlich während einer Routinekontrolle erschossen. Wildtiere werden allerdings jeden Tag unerlaubt erlegt, die Aufklärungsquote für den Tatbestand Wilderei ist traditionell gering, die Dunkelziffer dagegen hoch. Verbrechen wie der Doppelmord von Kusel stechen so besonders hervor. Leider ist es nicht der erste Fall seiner Art. Besonders zwei Wildereifälle der Vergangenheit haben Parallelen zum Kuseler Doppelmord.

Der Wilderer von Melk

Am 17. September 2013 steht der kleine Ort Annaberg in Österreich Kopf. Seit Jahren treibt ein Wilderer sein Unwesen in der Gegend. Jäger finden regelmäßig erlegte Rothirsche, die Häupter professionell abgeschärft. Immer wieder versucht die Polizei mit nächtlichen Kontrollen den Täter zu erwischen.

Als zwei Polizisten in der Nacht den 55-jährigen Alois Huber kontrollieren wollen, drückt dieser das Gaspedal seines Pick-Ups durch, rammt ein Polizeiwagen und flüchtet. Die Beamten eröffnen das Feuer, Alois Huber kommt von der Fahrbahn ab, rammt einen Zaun und greift zum Sturmgewehr. Er schießt um sich und verletzt einen Polizisten schwer. Später stirbt der Beamte an Blutverlust in einem Krankenhaus. Auch einen herbeieilenden Rettungswagen beschießt Huber und tötet so einen 70-jährigen Rettungssanitäter. Zu Fuß flüchtet der Wilderer in den Wald. Nach einem Kilometer begegnet er der nächsten Polizeistreife und eröffnet erneut das Feuer. Ein Polizist stirbt sofort im Kugelhagel, sein Kollege kann noch erwidern, bevor auch er stirbt.

Polizei setzt Schützenpanzer ein

Huber steigt in den Dienstwagen der ermordeten, fährt zu seinem Vierkanthof und verschanzt er sich. Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an. Hubschrauber kreisen in der Luft. Unter dem Schutz von Schützenpanzern rückt ein Sonderkommando vor. Auf Kontaktversuche reagiert Huber nicht, schließlich erschießt er sich selber in einem bunkerartigen Schutzkeller. Im Haus findet die Polizei über hundert Waffen und zahlreiche Trophäen, die nachweislich nicht ihm gehörten. Anscheinend war Huber auch für über 50 Einbrüche und Hausbrände der letzten Jahre verantwortlich, bei denen Waffen und Trophäen entwendet wurden. Um Spuren zu verwischen, zündete der Transportunternehmer anschließend die Häuser an. Vier Menschen sterben durch Huber. Sie hinterlassen vier Frauen und acht Kinder. Das er der gesuchte Wilderer war, gestand er seinem besten Freund per Telefon, während sein Haus umzingelt wurde.

Der Wilderer-Hinterhalt im Solling

Am 12. Oktober 1991 sind die beiden Polizeiobermeister Jörg Lorkowski und Andreas Wilkending auf dem Rückweg von einem Einsatz im Solling bei Holzminden. Über Funk hören beide von einem Wildunfall. Der Unfallort ist nur wenige Kilometer entfernt, die beiden melden sich freiwillig und fahren zur Unfallstelle. Eine Routineeinsatz, laut Anrufer gäbe es keine Verletzten. Nur die Stoßstange sei etwas verbeult.

Jagdpächter findet Streifenwagen

Als die Einsatzleitung Stunden später noch keine Rückmeldung der beiden Kollegen gehört hat, kommt Bewegung in die Sache. Auf dem Waldparkplatz an der Landstraße 549, dort wo der Anruf abgesetzt wurde, suchen Polizisten nach den beiden verschollenen Kollegen. Große Sorgen macht sich zunächst keiner, der Parkplatz liegt in einem Funkloch. Doch dann finden die Beamten Blutlachen, Glassplitter, Hülsen im Kaliber 7,62x51 mm, Zähne, Gewebeteile, Zahnkronen und Knochensplitter. Vom Dienstwagen ist nichts zu sehen, auch die beiden Polizisten fehlen. Ein Hinterhalt? Stunden später stolpert ein Jagdpächter 80 Kilometer entfernt über das ausgebrannte Dienstauto, übersät mit Einschusslöchern.

Nun beginnt eine der größten Suchaktionen in der Geschichte der niedersächsischen Polizei. Hubschrauber, Polizeiboote, Tornadoflugzeuge und tausende Polizisten durchkämmen die Region. Taucher gründeln in der Weser. Doch die beiden bleiben verschwunden. Erst eine aufbereitete Tonaufnahme des Anrufers jener Nacht bringt den Erfolg, ausgespielt im Radio und Fernsehen. Häftlinge und Wärter der Haftanstalt Bielefeld-Brackwede erkennen die Stimme des 29-jährigen Dietmar J. Dieser saß zuvor für Wilderei und anderer Delikte ein und war erst seit wenigen Wochen wieder auf freiem Fuß.

Täter war Jagdschein entzogen worden

Am 16.Oktober nehmen Polizisten den Schlosser und seine beiden Brüder Manfred und Ludwig in seiner Wohnung fest. Dort finden die Beamten mehrere Maschinenpistolen und Gewehre. Nach stundenlangem Verhör gesteht er die Tat. Er setzte den Notruf ab und erschoss die Beamten mit einem G3. Mit seinem Bruder Manfred verscharrte er die Leichen anschließend. Die Tat ist ein Racheakt. Zuvor hatten die Behörden Dietmar den Jagdschein entzogen. Das wollte der leidenschaftliche Jäger nicht hinnehmen. Er klaut Waffen, wildert, wird erwischt und muss ins Gefängnis. Dort wächst sein Hass auf die Ordnungsbehörden und er beschließt, sich mit der Ermordung zu rächen. Im Gefängnis sitzt Dietmar noch heute, wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Sein Bruder Manfred saß wegen Beihilfe zum Mord ebenfalls zehn Jahre.


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