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Wilderei im Revier: Ihre Erfahrungen

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Leonie Engels
am
Sonntag, 27.02.2022 - 08:00
Jaeger-mit-Fernglas © Tomasz Zajda – stock.adobe.com
Viele Jäger in Deutschland haben bereits Erfahrungen mit Wilderei im Revier gemacht. (Symbolbild)

Wilderei ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Es hat nichts mit Waidwerken zu tun. Spätestens nach dem Polizistenmord in Kusel, schenkt man diesem Thema wieder mehr Beachtung.

Auch am vergangenen Montag wurde die Landauer Polizei zu einem tot aufgefundenen Reh am Waldrand bei Reichstorf (Bayern) gerufen. Laut "dpa" wies das Stück Schussverletzungen auf. Die zuständige Staatsanwaltschaft Landshut hat nun die Ermittlungen wegen Jagdwilderei aufgenommen.

Wilderei beschränkt sich schon seit längerem nicht mehr auf Einzelfälle. Es kommt immer wieder vor, dass ungeklärte Schüsse vernommen und verendete Stücke gefunden werden. Wir haben Sie nach Ihren Erfahrungen mit Wilderern im Revier befragt. Zwei dieser Erfahrungen lesen Sie in diesem Beitrag.

Erfahrungen aus Bayern: Gestalt mit Waffe in der Dunkelheit

"Immer mal wieder werden bei uns und in den umliegenden Revieren fremde Fahrzeuge gesehen. Niemand weiß, was mit denen ist. Im Nachbarrevier wurde letztes Jahr ein frischer Aufbruch gefunden, ohne dass einer der Jagdausübungsberechtigten draußen war. Das wurde auch zur Anzeige gebracht. Bei einem anderen Fall wurde ein verendetes Stück Schwarzwild gefunden, welches einen guten Schuss hatte und eigentlich definitiv gefunden worden wäre. Da weiß auch niemand, was da genau passiert ist. Das ist es ebenfalls zur Anzeige gekommen.

Ich persönlich hatte auch schon mal eine sehr seltsame Begegnung: Ich war nachts auf der Schwarzwildpirsch und ging zum Rand eines Maisackers, der ungefähr 70 – 80 Meter gegenüber eines Waldrandes liegt. Ich habe den Rand des Maisfelds mit meiner Wärmebildkamera abgeleuchtet und sah dann plötzlich eine Person im Mais stehen. Die Person hat sich nicht gerührt. Beim genauen Fokussieren der Kamera sah ich, dass der Mensch eine Waffe trug. Der Unbekannte hatte mich auf jeden Fall mitbekommen, gab aber weder ein Signal, noch bewegte er sich. Als ich die Waffe entdeckt hatte, bin ich der Situation schnell entwichen, weil ich in keine Konfrontation geraten wollte. Mit meinem Auto bin ich dann 200-300 Meter weiter weggefahren und habe die Situation noch mal von Weitem beobachtet und gleichzeitig meinen Jagdpächter angerufen und ihm das mitgeteilt.

Der hat dann wiederum gleich die Nachbarpächter angerufen, um zu fragen, ob es vielleicht ein Nachbarjäger sein könnte. War es aber nicht. Dann bin ich noch mal mit dem Fahrzeug in die Richtung gefahren und dann sah ich, wie jemand mit einer Stirnlampe vom Maisfeld zum Wald lief und dann im Wald verschwand. Wir haben den Fall nicht zur Anzeige gebracht, aber alle umliegenden Pächtern Bescheid gegeben."

Erfahrungen aus Brandenburg: Fremde Fahrzeuge und Schüsse

"In meiner 700 ha großen Eigenjagd kam es in der Vergangenheit immer wieder zu merkwürdigen Situationen. Wir betreiben bei uns Jagdtourismus, weswegen immer wechselnde Personen im Revier sind. Gerade wenn viele Gruppen und Autos auf dem Hof stehen, haben wir das Gefühl, dass jemand Fremdes mitjagt. Dazu gehören ungeklärte Schüsse und vermeintlich besetzte Hochsitze.

Auch wenn wir nur zu dritt jagen, haben wir fremde Schüsse vernommen und konnten kurz darauf mithilfe von Wärmebildkameras ein unbekanntes Auto beim fluchtartigen Verlassen des Revieres beobachten. Einmal haben wir auch schon fast jemanden erwischt, der sich mit einem Pickup ohne Nummernschilder im Wald aufgehalten hat. Bei einer Nachsuche auf ein Stück Rehwild haben mal einen geschossenen Hirsch gefunden. Dieser hatte einen hohen Blattschuss und wurde mit einem nicht auf Hochwild zugelassenen Kaliber beschossen. Da der Schuss aber nicht das Herz verletzte, kann der Hirsch natürlich auch von überall gekommen sein…

Wir haben für uns die Regelung gefunden, dass wir die unbekannten Personen nicht stellen. Wir wissen nicht, was für ein Gewaltpotential hinter dem Wilderer steckt, zumal er eine Waffe hat. Dennoch haben wir es schon zur Anzeige gebracht und uns darüber hinaus eine Maßnahme überlegt: In unser Revier führen nur zwei bis drei Wege.

In diesen Einfahrten installierten wir in Absprache mit der Polizei mehrere funkgesteuerte Wildkameras hoch in den Bäumen aufgehängt. Auch wenn die Aufnahmen vor Gericht wahrscheinlich nicht standhaft wären und eine 100%tige Überwachung nicht erlaubt ist, dienen sie zur Abschreckung. Die Bilder werden natürlich nicht veröffentlicht. Seitdem wir die Geräte angebracht haben und diese Informationen weit in der Jagdszene gestreut haben, hatten wir nämlich keine weiteren Vorfälle im Revier."


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