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Wilderei in Niederbayern: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

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Kathrin Führes
am
Dienstag, 21.04.2020 - 11:40
Hochsitz-am-Feldrand © silentforce - stock.adobe.com
Es herrschte Uneinigkeit darüber, wo auf dem Feldweg die Reviergrenze genau verlief (Symbolfoto).

Ein besonders grausamer Fall von Wilderei (wir berichteten) sorgte im vergangenen Jahr in Niederbayern für Aufsehen. Einem Jäger aus dem Landkreis Rottal-Inn wurde vorgeworfen, bei seinem Reviernachbarn eine tragende Rehgeiß kurz vorm Setzen erlegt zu haben. Nach Anzeige gegen den Schützen ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Vergehens nach dem Tierschutzgesetz.

Nun wurde bekannt, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt wurde. Wie die Staatsanwaltschaft angibt, sei der „Tatnachweis nicht mit der für eine Anklageerhebung erforderliche Sicherheit zu führen.“ Dem Jäger sei keine vorsätzliche Wilderei, sondern nur eine fahrlässige Wilderei vorzuwerfen, welche nicht strafbar sei. Die Geiß hätte im Dämmerlicht 1,80 Meter von der Reviergrenze entfernt gestanden. Auf einer Entfernung von 80-90 Metern sei der „Standpunkt des Rehs“ bei den vorherrschenden Lichtverhältnissen jedoch für den Schützen nicht genau feststellbar gewesen. Außerdem hätte es bei der Zeugenbefragung Uneinigkeit über den genauen Verlauf der Reviergrenze gegeben.

Zwei tote Kitze lagen neben dem Aufbruch und Haupt der Geiss. © Renate Weber

Zwei tote Kitze lagen neben dem Aufbruch und Haupt der Geiss.

Bei der Geiß handelte es sich noch nicht um ein Elterntier

Da die Geiß zu dem Zeitpunkt zwar innehatte, sie jedoch noch nicht gesetzt hatte, ergebe sich auch keine Strafbarkeit nach dem Bundesjagdgesetz in Bezug auf „zur Aufzucht notwendigen Elterntieren“. Nach Definition sei die Geiß noch kein Elterntier „im Sinne der Vorschrift“. Zur Weiterverfolgung einer Ordnungswidrigkeit wurde das Verfahren an das Landratsamt Rottal-Inn übergeben. Verschiedene Vereine haben gegen die Einstellung des Verfahrens Beschwerde eingereicht.

Auch der Bayerische Jagdverband protestiert gegen die Einstellung und fordert einen "Jagdscheinentzug für den Wilderer". Thomas Schreder: „Jeder Jäger ist verpflichtet, seine Reviergrenzen genau zu kennen.  Bei unsicheren Verhältnissen, darf nicht geschossen werden. Ein Abschuss im fremden Revier erfüllt den Tatbestand der Wilderei, egal wie weit man sich im fremden Revier befindet.“ Auch könne jemandem, der so verantwortungslos gegenüber Lebewesen in Feld und Wald handelt, in "keinem Fall die Zuverlässigkeit zum Führen einer Waffe bescheinigt werden."

Über Wiederaufnahme des Verfahrens sei noch nicht entschieden

Wie die Staatsanwaltschaft Landshut gegenüber der Redaktion bestätigt, habe sie Kenntnis über die Beschwerde erlangt. Ob das Verfahren jedoch wieder aufgenommen wird, würde noch nicht feststehen. Derzeit warte man den Rücklauf der Akten von der zuständigen Behörde für die Verfolgung der Ordnungswidrigkeit. Auf Nachfrage der Redaktion beim Landratsamt, welche Ordnungswidrigkeiten verfolgt werden und wie der aktuelle Stand sei, äußerte man sich bisher nicht.


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