+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 1.110 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 6.5.2021) +++
Home News Zu wenig Wild erlegt: Landesrechnungshof kritisiert Schälschäden

Zu wenig Wild erlegt: Landesrechnungshof kritisiert Schälschäden

Reh-im-Wald © die.wilddiebin - stock.adobe.com
Der Landesrechnungshof kritisiert zu hohe Schäden durch Wild in Sachsen-Anhalt.

In seinem Jahresbericht 2020 kritisiert der Landesrechnungshof (LRH) in Sachsen-Anhalt die zu hohen Schälschäden im Wald. So sollen allein im Landesforst die Schäden rund 74 Millionen Euro betragen. Von den 1,9 Millionen Hektar Jagdfläche sind laut des Rechnungshofes acht Prozent auf staatlicher Jagdfläche.

Eine Ursache sei, dass die staatlichen Reviere mit bis zu 3.000 Hektar pro Förster zu groß seien. "Das macht es sehr schwer, die Strecke allein, also ohne Unterstützung von privaten Jägern, zu schaffen. Die milden Winter und die längeren Schonzeiten sind weitere Ursachen", so der LRH.

Schalenwildbestände auf ökologisches und ökonomisches Maß zurückführen

Auch seien die Wildbestände, besonders bei Reh- und Schwarzwild, in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt enorm angestiegen. Nach Auffassung des Landesrechnungshofes "haben die bisherigen jagdbehördlichen Maßnahmen und die Jagdausübung im Land noch nicht ausreichend zur Reduzierung der Schalenwildbestände in Sachsen-Anhalt beigetragen." Der LRH erwartet daher, dass die Schalenwildbestände auf ein "ökologisch und ökonomisches Maß zurückgeführt werden."

"Wild-Aspekte" spielen für Ministerium nur eine untergeordnete Rolle

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie teilt dazu mit, dass die "pauschale Herleitung von 74 Mio. € Wildschaden im Landeswald durch den LRH nicht nachvollziehbar" sei und "bei der gegenwärtigen Marktlage bzw. dem Einschlag von Schadholz ‚Wild-Aspekte‘ eine untergeordnete Rolle" spielen.

Der Landesrechnungshof schlägt für eine lebensraumverträgliche Schalenwilddichte zum 1. April eines Jahres folgende Faustzahlen vor:

Der Landesrechnungshof fordert, dass für die Abschussplanung die tatsächlichen Wildbestände bzw. Wilddichten künftig "realitätsnah berücksichtigt werden" müssen. Das zuständige Umweltministerium sagt in einer Stellungnahme dazu: "Die Ermittlung tatsächlich im Lebensraum vorhandener Wildbestände und Wilddichten durch Wildbestandszählungen sind rein hypothetisch." Auch sei eine solche Schätzung weder personell noch finanziell leistbar.

Das Ministerium würde zwar die Ansicht des LRH teilen, dass "ökonomisch und ökologisch tragbare Wilddichten je Lebensraum" nachhaltig erreicht werden müssen. Jedoch führen "vielfältige jagdliche Partikularinteressen, die sich in nicht unerheblichem Umfang einer wirksamen behördlichen Einflussnahme entziehen, dazu, dass dieses Ziel nicht im gewünschten Maße und in angemessener Zeit erreicht wird."


Kommentieren Sie