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Wann ist ein Weg ein Weg?

Rücksicht auf andere und auf die Natur sollte für Freizeitsportler selbstverständlich sein. Foto: Christian Raupach


Vorangegangen war eine groß angelegte Medien-Kampagne, eine Online-Petition und die öffentliche Beschimpfung von Jägern, Förstern und Waldbesitzern. Mit dieser Begleitmusik wollte die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) der Öffentlichkeit weismachen, dass das Betretungsrecht im Walde auf dem Spiel stehe. Von wilden Bike-Strecken (Trails) auf fremdem Eigentum, Spaziergängern, die um ihre Gesundheit fürchten müssen, oder gar von der Beunruhigung des Wildes war dabei allerdings nicht die Rede.
Die "Biker" hatten damit wohl auch auf den Landesjagdverband Hessen und den Hessischen Waldbesitzerverband reagiert, die im Vorfeld der Novellierung des Landeswaldgesetzes gemeinsam ein striktes Wegegebot gefordert hatten (jagderleben.de berichtete hier).
Jetzt hat Lucia Puttrich (CDU), Hessens Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Notbremse gezogen und in Wiesbaden zu einem Runden Tisch geladen. Herausgekommen sind dabei "Leitlinien für eine konfliktfreie Nutzung des Waldes". Konflikt gelöst?
„Die Diskussion um die Regelungen zum Betretungsrecht im Entwurf des Waldgesetzes hat gezeigt, dass es unterschiedliche Positionen bei den betroffenen Verbänden gibt. Wir konnten mit dem gestrigen Termin viel dazu beitragen, dieses Spannungsfeld aufzulockern“, zeigte sich Ministerin Puttrich am Tag danach überzeugt.
Mit Blick auf die Definition des Weges im Wald heißt es seitens des Ministeriums: „Es besteht Einigkeit darüber, dass grundsätzlich der Wald für alle nutzbar sein soll. Um Konflikte zu vermeiden, ist die gegenseitige Rücksichtnahme der Nutzer untereinander und auf die Natur unentbehrlich“. In der Sitzung sei daher vereinbart worden, dass das Radfahren und das Reiten grundsätzlich nur auf offiziell angelegten, befestigten und naturfesten Wegen möglich sein soll, auf denen gefahrloser Begegnungsverkehr der Waldbesucher erfolgen kann. Zur Konfliktlösung ist die Besucherlenkung durch Ausweisung spezieller Reitwege und Mountainbikestrecken sinnvoll.
Auf der Basis der Leitlinien (siehe unten) soll nun ein Vorschlag für eine Wegedefinition im Waldgesetz gemacht werden. Diesen will das Ministerium anschließend bei einem weiteren Termin mit den betroffenen Verbänden diskutieren.
PM/JMB


Vereinbarte Leitlinien zum Hessischen Waldgesetz:
  • Der Wald soll für alle nutzbar sein.
  • Gegenseitige Rücksichtnahme der Nutzer aufeinander und auf die Natur ist unerlässlich. Dem Schwächeren gebührt der Vorrang.
  • Radfahren oder Reiten soll nur auf offiziell angelegten, befestigten oder naturfesten Wegen möglich sein, auf denen gefahrloser Begegnungsverkehr der Waldbesucher erfolgen kann.
  • Das illegale Anlegen von Wegen ist zu unterbinden.
  • Zur Konfliktlösung ist die Besucherlenkung durch Ausweisung spezieller Reitwege oder Mountainbike-Strecken sinnvoll.
  • Veranstaltungen, die nach Art und Umfang zu einer Beeinträchtigung des Waldes führen können, bedürfen der Zustimmung des Eigentümers. Dies gilt auch für kommerzielle Veranstaltungen.
  • Der Begriff der Beeinträchtigung muss definiert werden.
  • Auf eine Vorschrift, die das Betretungsrecht mehrerer Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks regelt, wird verzichtet.
  • Die beteiligten Verbände streben den Abschluss einer freiwilligen Vereinbarung zur Ausübung des Natursports in hessischen Wäldern an, um die notwendige lokale und regionale Verständigung zu fördern.