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"Waldlastigkeit" und "Regelungswut" beklagt

Konsensorientiert, aber konfliktbereit: LJV-Präsident Kurt-Alexander Michael. Foto: FM © FM

Mit Grußreden von Vertretern aller drei Landtagsfraktionen (Marcel Hürter, SPD, Anna Neuhof, Grüne und Michael Billen, CDU) sowie des Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Leo Blum und des NABU-Landesvorsitzenden Siegfried Schuch wartete der Landesjägertag Ende April in Neuwied auf. Den rund 250 Besuchern mochte so der Eindruck entstehen, dass ein möglichst umfassender gesellschaftlicher Konsens zur Jagdpolitik für den LJV das Maß aller Dinge sei. Diesen Eindruck wusste LJV-Präsident Kurt Alexander Michael jedoch zu relativieren und zeigte mit deutlicher Kritik beispielsweise am Verbot bleihaltiger Jagdmunition in den Landesforsten zum 1. Juli dieses Jahres die Streitbereitschaft seines Verbandes auf.
Auch die „Waldlastigkeit“ in der Jagddiskussion geißelte er deutlich. Mit einer auf den Wald fixierten „Regelungswut“ im neuen Landesjagdgesetz habe der Gesetzgeber die Bedeutung des Offenlandes und die darin vorkommenden Arten vollkommen ausgeblendet. Und hinter der Absicht der Landesregierung, zur Mitte der Legislatur jagdgesetzliche Regelungen unter „Aspekten des Tierschutzes“ auszuwerten, könnten konkret nur die Themen Schliefenfuchs, Sauengatter, lebende Ente und die Fangjagd stehen.
Streit mit der Landesregierung drohe außerdem, wenn sie die Jagd auf Krähe und Elster zur Disposition stelle. Dies wurde von Staatssekretär Dr. Thomas Griese, der die Jagdpolitik aus Sicht der Landesregierung darstellte, direkt aufgegriffen, in dem er entsprechende Absichten dementierte. Allerdings riet er, dabei das „nötige Fingerspitzengefühl“ zu wahren, um Kritikern keine unnötige Angriffsfläche zu bieten. Ein Seitenhieb auch auf Teile der Jagdpresse, über deren Darstellung der Krähenjagd man durchaus geteilter Meinung sein könne, wie Kurt Alexander Michael bereits zuvor befunden hatte.
Das Thema Jagd sei bei den Grünen jedoch positiv besetzt, wenn möglicherweise auch aus anderen Gründen als bei der Jägerschaft selbst. So stünden die Grünen hinter dem bewährten Reviersystem und seinem Genossenschaftsprinzip. Ausdrücklich lobte der Staatssekretär den LJV auch für seine klare Positionierung bei dem Wolfsabschuss sowie für seine „Resolution zum Rebhuhn“, in der der Verband Perdix perdix zur Leitwildart für den ökologischen Zustand der Feldflur gemacht hatte. Seinerseits streitbar zeigte sich Griese jedoch beim Ausbau von Windkraftanlagen im Wald, der für die Energiewende und den Klimaschutz notwendig sei. FM