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Waldbau nur mit Jägern

Bei der Auftaktversanstaltung (v.l.): Walter Haidl vom Bayerischen Bauernverband, BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke, Staatsminister Helmut Brunner, Sepp Spann, Vorsitzender des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Benno Maier, Jagdvorstand der Jagdg


In der Jagdgenossenschaft Hohenbrunn (Kreis München) wurde vor Medienvertretern das gegenüber der letzten Aufnahme vor drei Jahren leicht modifizierte Verfahren erläutert (nähere Informationen finden Sie hier). Nach der Begrüßung durch den Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg, Friedrich Nebl, hatte der zuständige Staatsminister Helmut Brunner (CSU) das Wort. Er stellte gleich zu Beginn fest, dass seiner Meinung nach eine waldgerechte Jagd kein Widerspruch zu einer wildgerechten Jagd sein muss. Das Ziel seines Hauses umriss Brunner so: "Ich will keinen Wald ohne Wild, aber möglichst einen Wald ohne Zaun".
Die waldbaulichen Ziele können nach Meinung des Ministers daher auch nur mit Hilfe der Jäger umgesetzt werden. Brunner forderte Waldbesitzer und Jäger dazu auf, die eingesetzten Förster bei den eigentlichen Aufnahmen in ihren Revieren zu begleiten. Damit soll eine größtmögliche Transparenz und Nachvollziehbarkeit gewährleistet werden. O-Ton Brunner: "Keiner der Beteiligten soll sich über den Tisch gezogen fühlen." Nach den Aufnahmen werden die erhobenen Daten den Jagdpächtern offengelegt, die dann Stellung beziehen können. Wer diese Gelegenheit nicht wahrnimmt, sei selbst schuld: "Im Nachhinein darf sich niemand beim Ministerium beschweren", stellte Brunner fest.
Dass die Jägerschaft dazu in der Lage ist, sich frühzeitig am Verfahren zu beteiligen und notfalls auch Widerspruch einzulegen, dafür will der Bayerische Jagdverband (BJV) sorgen. Er wird in der nächsten Zeit landesweit rund 4.000 Jagdpächter in Form von Waldbegängen schulen, um ihnen die Grundlagen sowie wichtige Kriterien für das bevorstehende Gutachten nahezubringen, berichtet Dr. Joachim Reddemann, Hauptgeschäftsführer des BJV, gegenüber der Redaktion.
Bereits vor der Auftaktveranstaltung hat eine der Neuerungen für Aufregung unter der Jägerschaft gesorgt: Die "Anweisung zur Erstellung der ergänzenden Revierweisen Aussagen zum Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2012". Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich nichts anderes, als eine rein subjektive Einschätzung des zuständigen Revierbeamten über die Verjüngungssituation in den einzelnen Jagdrevieren. In der Anweisung heißt es dazu: "Die Revierweisen Aussagen sind gutachtliche Feststellungen, die im Wesentlichen auf den örtlichen Erfahrungen des jeweils zuständigen Forstbeamten beruhen".
Das pikante daran: Diese Einschätzung erfolgt weitgehend vor der eigentlichen an wissenschaftlichen Kriterien orientierten Aufnahme der Verjüngungssituation für die Hegegemeinschaften. Nicht wenige Revierinhaber sehen darin eine "Vorverurteilung" die auch noch Eingang in das eigentliche Gutachten findet. "Kein gutachtender Forstdirektor wird sich durch die erhobenen Stichproben dazu bringen lassen, eine Stellungnahme gegen ein anderslautendes Votum seines eigenen Revierbeamten abzugeben", gibt ein Jagdpächter aus dem Unterland zu bedenken. Aber auch die Waldbesitzer betrachten diese Neuerung mit gemischten Gefühlen, besteht doch die Gefahr, dass damit einmal mehr nur dokumentiert wird, was nach Ansicht der Forstbeamten im Wald wachsen soll und nicht, welche Baumartenzusammensetzung der Grundeigentümer sich wünscht.
Erstellt wird die "Revierweise Aussage" verpflichtend für alle Hegegemeinschaften in denen die Schadenssituation bei der vorangegangenen Anfnahme negativ ("zu hoch" oder "deutlich zu hoch") beurteilt worden war, sowie "freiwillig" für alle Reviere, in denen wenigstens "eine Seite", zum Beispiel ein einzelner Waldbesitzer, dies wünscht. Teile der Jägerschaft fürchten nun, dass es die Revierbeamten damit praktisch selbst in der Hand haben, diese "eine Seite", sprich einen einzelnen Grundeigentümer, zu "finden". BS/JMB