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Vocke: Das führte zur Strafanzeige gegen den BJV-Präsidenten

Jürgen-Vocke © Martin Weber
Dem Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands, Prof. Dr. Jürgen Vocke, wird Unterschlagung und Untreue vorgeworfen.

Gegen den Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands, Prof. Dr. Jürgen Vocke, stehen weiterhin die Vorwürfe Unterschlagung und Untreue im Raum. Nun hat sich Andreas Ruepp – selbst Präsidiumsmitglied im BJV –, der gegen Vocke Anzeige bei der Staatsanwaltschaft I in München erstattet hatte, in einem offenen Brief Stellung bezogen.

Ruepp gibt in seinem Schreiben einen tiefen Einblick in die Geschehnisse, die letztendlich in der Strafanzeige mündeten. So habe Landesschatzmeisterin Mechthild Maurer schon frühzeitig dem Präsidium berichtet, dass "sie den Jahresabschluss so nicht mittragen könne." Maurer ist als Steuerberaterin tätig und sah eine Gefahr für ihre berufliche Zukunft sowie für ihr Unternehmen. Daher wurde beschlossen, den Jahresabschluss durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer prüfen zu lassen.

Vocke ließ Fristen verstreichen

Jener informierte bereits Anfang Juni das Präsidium über "erhebliche Mängel" und forderte im Verlauf schriftlich weitere Informationen an. Wie Ruepp schreibt, habe Vocke diese Fristen jedoch verstreichen lassen. Auf Druck unterschrieb der Präsident letztendlich Antworten, die "nicht dem Inhalt der Fragestellungen entsprochen haben."

Vocke drohte Maurer mit rechtlichen Schritten

In einer außerordentlichen Präsidiumsitzung Ende Juli einigte sich das Präsidium daraufhin mehrheitlich ("mit einer Enthaltung (Präsident)"), dass die Aufwandsentschädigung des Präsidenten bis zur Klärung nur noch gekürzt ausgezahlt wird und einbehaltene Beiträge bei einem negativen Ergebnis vollumfänglich nachbezahlt werden würden.

Ruepp gibt in seinem offenen Brief an, dass die Landesschatzmeisterin Maurer daraufhin von Prof. Dr. Vocke einen Schriftsatz erhielt, in der er die Kürzung seiner Bezüge kritisierte und die sofortige Ausbezahlung in voller Höhe forderte. "Andernfalls kündigte er rechtliche Schritte gegen Frau Maurer an."

Legalitätsprinzip führte zur Anzeige

Auch habe Frau Maurer vom Vorsitzenden des Rechtsausschusses den Rat erhalten, sich einen anderen Wirtschaftsprüfer zu suchen, "welcher dann schon ein wohlwollendes Testat erstellen würde."

Nun war für den Polizeibeamten Andreas Ruepp, nach eigener Angabe, der Zeitpunkt gekommen, Strafanzeige gegen den Präsidenten zu stellen. Ruepp begründet das mit dem für ihn bindenden Legalitätsprinzip. Danach sei eine Strafverfolgungsbehörde, zu der auch die Polizei gehört, dazu verpflichtet, ein Ermittlungsverfahren zu eröffnen, wenn sie Kenntnis von einer (möglichen) Straftat erlangt hat. Des Weiteren wollte Ruepp weder wirtschaftlich noch steuerrechtlich für das Handeln des Präsidenten in Verantwortung gezogen werden.

Ruepp informierte Vocke in einem Schreiben und nannte ihm die Gründe für sein Handeln.

Dienstfahrzeug für 86.824 Euro

Andreas Ruepp führt in seinem offenen Brief auch beispielhaft für die Handlungsweise des Präsidenten die Bestellung eines neuen Dienstfahrzeugs an. So habe Vocke, ohne die Landesschatzmeisterin oder das Präsidium zu informieren, für die restlichen 14 Monate seiner Amtszeit ein neues Dienstfahrzeug bestellt. Dabei soll es sich laut des Briefes um einen BMW X5 40i im Wert von 86.824 Euro handeln. Der Leasingvertrag läuft über 36 Monate. Einer der Vorwürfe gegen Vocke bezieht sich auch auf die private Nutzung des Dienstwagens, ohne eine Fahrtenbuch vorlegen zu können.

Vorsitzender des Jagdschutzverein Miltenberg stellt sich hinter Vocke

Auch die hohe Vergütung des ehrenamtlichen Präsidenten – laut des Berichts des Wirtschaftsprüfers, liegt diese im Berechnungszeitraum bei mindestens 74.323,20 Euro p.a. scheint nicht alle Kreisgruppenvorsitzende zu stören. So schreibt bspw. Ralph Keller, Vorsitzender des Bayerischen Jagdschutzvereins Miltenberg: "Wir sind weder Wirtschaftsunternehmer noch dürfen wir gewinnorientiert arbeiten. Daraus folgt, dass auch Zuwendungen statthaft sein können welche in einem Wirtschaftsunternehmen durchaus kritisiert werden müssten."

Keller fragt nach Rädelsführern

Weiter kritisiert Keller in seinem Schreiben, dass Dinge in "selbstzerstörerischer Art und Weise", die von einer "offensichtlich relativ kleinen Gruppierung, vornehmlich aus Südbayern" in die Öffentlichkeit getragen werden. Auch das Schreiben der Jungen Jäger (wir berichteten) stößt dem Vorsitzenden auf. Er bezeichnet den Brief als "harten Tobak" und stellt die Frage, ob "wirklich die "Jungen Jäger" diese Meinung vertreten" oder es "nur einzelne Rädelsführer" seien.

+++ Update – Fakten Sheet zur Situation im BJV +++

Mittlerweile wurde zur der Situation im Bayerischen Jagdverband ein dreiseitiges Fakten Sheet mit Antworten zu häufig gestellten Fragen veröffentlicht.


Kathrin Führes geboren in Lingen, Jagdschein seit 2014, hat nach dem Abitur Forstwissenschaft an der TU München studiert und ist nun seit 2015 bei der PIRSCH.
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