Home News Verletzter Hessen-"Wolf": NABU gegen Gnadenschuss

Verletzter Hessen-"Wolf": NABU gegen Gnadenschuss

Die regionale Presse berichtete groß über den Fall. Foto: Gießener Anzeiger © Gießener Anzeiger

Der mutmaßliche Wolf wurde erstmals bei der Polizei aktenkundig, nachdem eine Autofahrerin das Tier auf der Autobahn A 45 in der Nähe des Gambacher Kreuzes angefahren hatte und dies als "Wildunfall" mit einem Wolf meldete. Am Unfallfahrzeug stellte die Polizei zwei Haare sicher, die der Wolf oder Hund bei dem Zusammenprall hinterlassen hat. Ein Genetiker soll nun die Frage klären, die über Hessen hinaus die Gemüter bewegt: "Wolf, oder doch ein Hund?"
Die zweite Begegnung hatte am Tag danach eine Spaziergängerin in der Nähe eines Einkaufszentrums auf freiem Feld. Die von ihr alarmierte Polizei machte sich wie der "Gießener Anzeiger" berichtete , gemeinsam mit den ortskundigen Jägern Dr. Ulrich Lany, Peter Reinwald sowie Conny und Winfried Volz an die Verfolgung. Sie kamen bei einer Tankstelle am Ortsrand von Watzenborn-Steinberg (Pohlheim) bis auf zirka zehn Meter an den "Wolf" heran, konnten ihn jedoch weder einfangen noch in einen Betäubungsschlaf versetzen. Allerdings: Der Jagdpächter erkannte bei dem Tier während der Verfolgung einen zwei- oder sogar dreifachen Bruch des Hinterlaufs. Zudem seien innere Verletzungen nicht auszuschließen. (Der Sachschaden am Unfallauto belief sich immerhin auf rund 3000 Euro). Die Polizei forderte die verängstigten Anwohner auf, sich in ihre Häuser zurückzuziehen.
Der "Wolf" tauchte schließlich im Wald des Gießener Schiffenbergs unter und ward fortan nicht mehr gesehen. "Neue Freizeitbeschäftigung: Wolf-Watching im Wald", titelte einige Tage später die "Gießener Allgemeine". Das Interesse am Wolf nehme "bizarre Formen an", stellte die Zeitung fest. Autofahrer durchstreiften den Schiffenberger Wald, um mit Kind und Kegel den Wolf zu Gesicht zu bekommen. Jäger Winfried Volz schloss daraufhin die Schranken an den Zufahrtswegen des Waldes, um den ausufernden Wolfstourismus zu unterbinden.
Eine Diskussion um die Herkunft des Wolfs setzte ein. "Der ist sicher irgendwo (aus einem privaten Gehege) illegal ausgebüxt", erklärte Wolfsparkbetreiber Werner Freund (Merzig/Saarland), ein gebürtiger Mittelhesse, gegenüber Journalisten zur Herkunft des "Wolfs". Denn normalerweise suche ein verletzter Wolf nicht die Nähe des Menschen, sondern verkrieche sich in einem sicheren Versteck. Auch die mittelhessischen Jäger waren überzeugt, dass das Tier aus einem Wolfsgehege ausgebrochen sei.
"Finger weg vom Wolf", forderte öffentlichkeitswirksam schließlich Gerhard Eppler Landesverbandsvorsitzender des Naturschutzbundes (NABU). Es gebe auch für einen humpelnden Wolf "eine gute Überlebenschance". Ein Abschuss sei nicht zu akzeptieren, "auch nicht mit dem Argument eines Gnadenschusses."
Dr. Klaus Röther