Home News Verkettung unglücklicher Umstände

Verkettung unglücklicher Umstände

Diese Rachenmandeln wurden auf Streptokokken untersucht. Foto: Bettina Diercks © Bettina Diercks

Dort war er mit grippeartigen Symptomen eingeliefert worden. Die Gesundheits- und Veterinärbehörden des Wetteraukreises vermuten allerdings in diesem Fall eine Verkettung besonders unglücklicher Umstände. So war das Immunsystem des 35-Jährigen durch Vorerkrankungen so stark geschwächt, dass es mit der Streptokokken-Infektion trotz rascher ärztlicher Hilfe nicht mehr fertig wurde. Zudem hatte der junge Grünrock eine offene Wunde an der Hand, durch die die Bakterien in die Blutbahn gelangten.
Die Strecke der Vogelsberger Drückjagd, rund 20 Sauen, wurde jedoch entsorgt. Jagdteilnehmer unterzogen sich vorsorglich einer Penicillinbehandlung, andere Jäger ließen sich schon mal "prophylaktisch" Antibiotika verschreiben. Es schien fast so, als ob im Vogelsberg die Pest ausgebrochen sei. Der Landesjagdverband wurde sehr nachdrücklich aufgefordert, "doch sofort etwas zu unternehmen".
Um die ärgsten Befüchtungen der Jäger zu entkräften und sachlich zu informieren, lud das Veterinäramt des Wetteraukreises daraufhin zu einer Mitte Dezember in Nidda stattfinden Informationsveranstaltung zum Thema "Schwarzwild und Streptokokken" ein. Denn Streptokokken sind fast allgegenwärtig. Sie siedeln sich bei Schwarzwild, bei Hausschweinen und (gesunden) Menschen bevorzugt an den Mandeln an und können bei letzterem Mandel- oder Nebenhöhlenentzündungen sowie weitere Krankheiten hervorrufen, sobald das Immunsystem etwa durch eine profane Erkältung geschwächt ist.
Der Veterinärmediziner Gerd-Josef Verkühlen riet 2005 in seiner Dissertation, die er an der Tierärztlichen Hochschule Hannover zum Thema "Vorkommen und medizinische Bedeutung von Streptococcus suis beim Wildschwein" erstellte, Jägern mit geschwächtem Immunsystem, keine Wildschweine aufzubrechen. Zudem sollten beim Aufbrechen grundsätzlich nicht die Mandeln (Tonsillen) der Sauen durchschnitten und Handschuhe getragen werden, "die sicher vor Schnittverletzungen schützen". Sollte es dennoch zu Verletzungen kommen, sollte die Wunde desinfiziert werden.
Dr. Klaus Röther