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Verfahren eingestellt: Doch kein Tierquäler

So fand eine Spaziergängerin den angebleiten Fuchs. Foto: Imke Widmann


Bei der ersten Verhandlung wurde der Revierinhaber – damals noch ohne anwaltschaftliche Vertretung – zusammen mit seinem Jagdgast, der auf einen Rotrock geschossen hatte, wegen Tierquälerei verurteilt. Bei beiden wurde eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen angesetzt – wir berichteten hier. Der Vorwurf lautete nach § 38 Abs. 1 JWMG, dass sie ihrer Verpflichtung zur Nachsuche nicht nachgekommen seien. Der Schütze akzeptierte das Urteil, der Pächter legte dagegen Rechtsmittel ein. Am Dienstag kam es zum erneuten Termin vor Gericht.
Da der Angeklagte beim ersten Verfahren angegeben hatte, zur Zeit des Vorfalls bettlägrig gewesen zu sein, wurde nun in zweiter Instanz zuerst dessen Arzt befragt. Dieser bestätigte die körperliche Handlungsunfähigkeit des Mannes wegen eines Sturzes von einer Hochsitzleiter.
Anders als im ersten Prozess, sprach die Berufungskammer noch während der Befragung dem bereits rechtskräftig verurteilte Schützen die Hauptverantwortlichkeit für das Vergehen zu. Allerdings war dies nicht mehr Gegenstand des Berufungsverfahrens. Nachdem auch der örtlichen Bürgermeister, der den Revierinhaber über den Vorfall am Tag informiert hatte, seine Sicht des Geschehens geschildert hatte, erörterte die Kammer eine Einstellung des Verfahrens unter Erfüllung einer Auflage. Die Staatsanwaltschaft schlug einen Betrag von 1.500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung vor.

Begründet wurde dies damit, dass der Angeklagte als Pächter eine "Garantenpflicht" inne hat. Dieser wäre er aber nicht zu 100 Prozent gerecht geworden, denn er habe nicht alle Möglichkeiten des Handelns ausgeschöpft. Aus Sicht des Richters hätte er trotz seiner Einschränkung beispielsweise die Polizei informieren können.
Der Revierinhaber nahm die Einstellung des Verfahrens und die Geldauflage an, auch um seine waffenrechtliche Zuverlässigkeit, sowie die Verlängerung des Jagdscheins nicht durch eine Verurteilung wegen Tierquälerei zu gefährden. Aus Sicht des Verteidigers, der selbst erfahrener Jäger ist, zeigt dieser Fall erneut, wie wichtig es ist auch beim kleinsten Verdacht eine Nachsuche zu veranlassen.
RW

 


Rasso Walch Der studierte Förster stammt aus einer traditionellen Jägerfamilie und hat seine Jägerprüfung bereits im Alter von 14 Jahren abgelegt.
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