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Verbissschutz selbst gemacht

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Dienstag, 13.09.2016 - 15:02
Scheinbar frisst der Teufel in der Not auch Fliegen oder bei geringem Nahrungsangebot bittere Blätter. Foto: Rüdiger Kaminski © Rüdiger Kaminski
Scheinbar frisst der Teufel in der Not auch Fliegen oder bei geringem Nahrungsangebot bittere Blätter. Foto: Rüdiger Kaminski

Forscher der Universität Leipzig liefern neue, spannende Erkenntnisse für Jäger und Förster. Demnach unterscheidet sich das physiologische Verhalten von Rotbuchen und Bergahornen bei Rehwildverbiss deutlich von dem bei sonstigen Störungen. Zur Simulation beträufelten die Biologen frische Schnittstellen mit dem Speichel von Gatterwild. Es ergab sich daraus folgendes Bild:
Bei einer Schädigung durch unsere kleinste heimische Schalenwildart produzieren die Laubbäume vermehrt Salizylsäure. Die als Singnal-Hormon wirkende Säure regt die Bildung bestimmter Gerbstoffe an. Diese Gerbstoffe lagern sich daraufhin je nach Baumart innerhalb weniger Stunden oder Tage in den verbleibenden Knospen, Trieben oder Blättern ein. Von mehreren dieser Stoffe ist bekannt, dass sie dem Tier den Appetit verderben. Außerdem steigert die Pflanze die Konzentration an Wachstums- und anderen Pflanzenhormonen. Dies soll möglichst schnell den Verlust des Leittriebes ausgleichen. Dagegen wurden Schädigungen durch z.B. Sturm von den für die Untersuchung verwendeten jungen Bäumchen anders wahrgenommen. Eine Bildung der beschriebenen Stoffe blieb aus, dafür wurden Wund-Hormone gebildet.

Auf diese Ergebnisse aufbauend wird jetzt an 24 weiteren Laubbaumarten geforscht, so die Projektleiterin Bettina Ohse gegenüber jagderleben. Ob dies dann in Zukunft Einfluss auf die Baumartenwahl oder die Wildschadensabwehr hat, bleibt abzuwarten.
RW