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Umstrittene Jagdstrategie zunächst gestoppt

Rotwild eignet sich schlecht für "Experimente" hinsichtlich der Bejagungsstrategie. Foto: Ingo Rothe


Thüringen meldet vorsichtige Entwarnung: Die Umsetzung der umstrittenen "Müllerschen Jagdstrategien" wurde nach Protesten des Landesjagdverbands und Beschwerden mehrerer Jägerschaften an die Landtagsfraktionen durch Landwirtschafts- und Umweltminister Jürgen Reinholz zunächst gestoppt. Anlass der Kontroversen, nicht nur in Thüringen, sondern auch in Brandenburg, istein von Prof. Michael Müller (TU Dresden) entwickeltes Jagdkonzept.
Knackpunkt der jagdlichen Vorstellungen des Professors aus Tharandt sind die von ihm vorgeschlagenen Jagdzeiten auf Schalenwild:
  • Variante Gebirge Rotwild: männlich Alter 1-3 Jahre und weiblich 01.04. bis 31.05. (15.06.), 16.08. bis 15.12.
  • männlich Alter 4 bis 10 vom 16.08. bis 15.12.
  • Damwild: analog Rotwild
  • Reh-, Muffel-, Schwarzwild: analog Jugendklasse Rotwild.
  • Variante Tiefland: Jagdzeit Frühjahr analog Variante Gebirge 01.04. bis31.05. Jagdzeit Herbst 01.09.bis 15.01.
  • Tragende und führende weibliche Stücke sind zu schonen (BJagdG).
Der Landesjagdverband lehnt diese Vorstellungen ab: "Wild darf nicht zum Experimentierfeld werden". Er sieht in der Bejagung weiblicher Stücke vor der Setzzeit eine erhebliche Gefahr der Verletzung des Tierschutzes. Angezweifelt wird auch die mit der Verkürzung der Jagdzeit angestrebte Verringerung des Jagddrucks bei gleich hoch anvisierter Strecke.
Der Thüringer Rotwildexperte Manfred Ißleib aus Allzunah, vertritt die Auffassung, dass die "Müllerschen Abschusszeiten" zur Verringerung der Wildschäden zumindest in den Testrevieren des Thüringer Rotwildrings völlig deplaziert sind. Es bestehe gar keine Notwendigkeit für eine Korrektur der Schusszeiten, da der Abschuss von Schmaltieren erfüllt, der Plan bei ein- bis dreijährigen Hirschen sogar übererfüllt werde.
Trotz der offensichtlich fachlichen Mängelwill die Thüringer Landesforstverwaltung an dem Konzept festhalten. Ein vom Minister einberufener Runder Tisch soll unter Beteiligung aller Verbände nun über die Zukunft des Projektes entscheiden. RS