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Überjagende Hunde – Jäger gegen Förster

Dieses Reh wurde laut Jagdpächter Alexander Frank von den überjagenden Hunden getötet.


Eine Drückjagd der Städtischen Forstverwaltung München hat im Landkreis Fürstenfeldbruck (Bayern) für Aufsehen gesorgt. Wie Alexander Frank, der Pächter der angrenzenden Jagd gegenüber der Redaktion erklärte, gebe es schon seit Längerem Probleme an der Reviergrenze zu dem etwa 160 Hektar großen städtischen Revier. Anfang diesen Jahres musste er nach eigener Aussage beobachten, wie überjagende Hunde ein Reh in seinem Revier fassten und niederzogen. Er habe das Kitz mit einem Fangschuss erlösen müssen, erzählt Frank.

Nun kam es zu einem ähnlichen Vorfall. Bei einer Drückjagd am 3. November hätten Hunde erneut ein Reh in sein Revier gehetzt und niedergezogen. Bis Frank an der Stelle angekommen sei, wäre das Tier bereits verendet gewesen. In beiden Fällen hätten die Tiere keine Schussverletzungen aufgewiesen. Die Geschehnisse brachte er daher bei der Polizei zur Anzeige. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, wollten sich die Beamten nicht zu den Ermittlungen äußern.

Rücksicht auf Jagdnachbarn?

Der Leiter der Forstverwaltung, Jan Linder erklärte: „Es ist nicht möglich, den Abschussplan nur über Einzelansitze zu erfüllen.“ Etwa 50 Prozent des Abschusses werde auf Drückjagden getätigt. Dabei gehe es nicht nur um die zeitliche Komponente, sondern das Wild habe in der Verjüngung viele Einstandsmöglichkeiten, was die Einzeljagd zunehmend schwieriger mache. Man habe allerdings vor den Drückjagden mit den Reviernachbarn gesprochen und auf die Einwände Rücksicht genommen. So habe man bereits im Januar die Hunde in 500 Metern Entfernung zur Grenze geschnallt. Damals seien die Hunde laut Linder allerdings auf einer Schweißfährte ins Nachbarrevier gelaufen. Aufgrund dessen hätte man sie dieses Mal in einem Kilometer Entfernung zur Grenze geschnallt. Linder könne sich selbst nicht erklären, warum zwei der Hunde ein Reh über die Reviergrenze gejagt hätten und wie es den eher niederläufigen Vierbeinern gelungen sei, ein gesundes Tier zu fangen.

Die Hunde sollen das Reh gefangen und niedergezogen haben. © Alexander Frank

Die Hunde sollen das Reh gefangen und niedergezogen haben.

"Wald-vor-Wild-Preis"

In einer allgemeinen Stellungnahme erklärte die Städtische Forstverwaltung außerdem, sie habe in ihrem jagdlichen Handeln Vorbildcharakter. Dies würde von verschiedenen Seiten attestiert. Unter Anderem von Naturland, Bund Naturschutz und den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Außerdem habe man im Jahr 2014 den "Wald-vor-Wild-Preis" des Ökologischen Jagdvereins Bayern für die Verdienste um eine waldfreundliche und zukunftsfähige Jagd erhalten.



Sascha Bahlinger ist seit 2017 bei den dlv- Jagdmedien als Volontär tätig. Den Jagdschein hat er während des Studiums der Forstwissenschaft 2014 erworben.
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