+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.885 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 16.5.2022) +++
Home News Trophäenjagd: Afrika übt Kritik an Tierrechtsaktivisten

Trophäenjagd: Afrika übt Kritik an Tierrechtsaktivisten

Phil Kahrs © Phil Kahrs
Phil Kahrs
am
Freitag, 06.05.2022 - 09:57
Jäger in Afrika auf der Pirsch © okyela - stock.adobe.com
Verschiedene Tierrechtsorganisationen wollen die Auslandsjagd verbieten.

Das afrikanische Community Leaders Network (CLN) kritisiert, dass mehrere deutsche Tierrechtsorganisationen die Menschenrechte missachten würden. Das teilte der Deutsche Jagdverband (DJV) sowie der Internationale Jagdrat (CIC) in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Gleichzeitig warnten letztere vor „der Arroganz der westlichen Tierrechtsszene gegenüber dem globalen Süden“.

Trophäenjagd: Nachhaltige Nutzung nachwachsender Ressourcen

Der CLN ist ein Zusammenschluss von Gemeindevertretern, Wissenschaftlern und Organisationen aus insgesamt neun südafrikanischen Ländern. Er fordere „alle Nichtregierungsorganisationen und die deutsche Regierung auf, das souveräne Recht der afrikanischen Staaten auf nachhaltige Nutzung ihrer eigenen natürlichen Ressourcen zu respektieren“. Ausgelöst wurde diese Reaktion durch die Ablehnung deutscher Tierrechtsorganisationen, CLN-Vertreter bei einem Deutschlandbesuch im Mai zu treffen. Auf einer Konferenz der Organisation Resource Afrika in Dortmund sollte über Artenschutz, Menschenrechte und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen in Afrika gesprochen werden.

Internationale Experten betonen Relevanz des Jagdtourismus

Verschiedene internationale Experten sprechen sich laut Pressemitteilung für einen Dialog und die Wahrung der Interessen der Menschen vor Ort aus. Der Vorsitzende des CLN, Dr. Rodgers Lubilo, übte scharfe Kritik. Die Tierrechtaktivisten zögen es vor, „mit ihrer Regierung über afrikanische Tiere zu sprechen, ohne dass Afrikaner anwesend“ seien. Darüber hinaus seien sich die Vertragsparteien des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES einig, „dass es Beweise dafür gibt, dass gutes, nachhaltiges Jagdmanagement positive Effekte für den Artenschutz haben kann“. Das konstatierte die CITES-Generalsekretärin Yvonne Higuero. Die Vorsitzende der Spezialistengruppe der International Union for Conservation of Nature (IUCN), Dr. Dilys Rose, bekräftigte, „dass die Stimmen der Menschen vor Ort gehört und ihre Prioritäten, ihr Wissen und ihre Erfahrungen berücksichtigt werden“ müssten. Nur so würde es gelingen, „eine Zukunft für die Wildtiere in Afrika und anderswo“ zu sichern.

Auch die Regierung von Botswana meldete sich zu Wort. In einer Presseerklärung vom 28. April sprach sie sich gegen die kontinuierliche Verbreitung von Falschinformationen durch die Tierrechtsszene und ihre Unterstützer aus und verurteilte diese.

Bundesumweltministerium will Trophäenimporte verbieten

Wie "Zeit Online" am 30. April berichtete, hätten sich mehrere Tierschutzverbände, darunter eine Ethikfachgruppe der IUCN an Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Bündnis 90/ Die Grünen) mit der Forderung gerichtet, den Import von Jagdtrophäen zu verbieten. Das Ministerium teilte "Zeit Online" mit, dass "auf Basis artenschutzfachlicher Maßgaben [...] die Importe von Jagdtrophäen geschützter Arten möglichst insgesamt" reduziert werden sollen. Wenn "Zweifel an Nachhaltigkeit und Legalität der Jagd bestehen" würden, sollen Importe ganz verboten werden. Dass sich Organisationen wie CITES bereits für eine nachhaltige Jagd einsetzen, mit der der Artenschutz gefördert und die illegale Wilderei bekämpft wird, ignoriert das Umweltministerium offensichtlich.

Der jagdpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Karlheinz Busen, konstatierte laut "Zeit Online": "Zur Trophäenjagd haben wir im Koalitionsvertrag bewusst keine Regelung getroffen. [...] Jagd ist gelebter Natur- und Artenschutz. Jagdreisen stärken das Bewusstsein für gesunde Wildbestände in anderen Ländern – und bringen zudem mehr Wohlstand. Daher ist der Vorschlag eines Verbots oder einer Einschränkung der Trophäenjagd kontraproduktiv und wird nicht umgesetzt." Es würde in Zukunft nur das umgesetzt, was im Koalitionsvertrag festgehalten worden sei.

Wie der Widerspruch zwischen IUCN-Führung und der Ethikfachgruppe einzuordnen ist, ist noch nicht ersichtlich.


Kommentieren Sie