Home News Tödlicher Angriff auf Stute: Tierhalter fürchten um ihre Existenz

Tödlicher Angriff auf Stute: Tierhalter fürchten um ihre Existenz

Die trächtige Stute lag verendet und angefressen auf der Weide. © Ralf Bartels
Die trächtige Stute lag verendet und angefressen auf der Weide.

Eine verendete tragende Stute und ihr verletztes Fohlen sind die Opfer eines Übergriffs bei Uetze (Landkreis Hannover/ Niedersachsen) vom 20. August. „Ich gehe zu 99 % davon aus, dass es ein Wolfsangriff war“, erklärt Wolfsberater Volkhard Pohlmann gegenüber der Redaktion. „Außer dem Kehlbiss haben wir auf der Weide zwei Wolfspuren entdeckt. Die Stute wog mindestens 300 Kilogramm, das schafft kein Wolf allein. Ich gehe davon aus, dass es mindestens zwei waren“, so Pohlmann weiter. „Wahrscheinlich kam die Stute bei dem Versuch ihr Fohlen zu verteidigen ums Leben.“

Diesen Anblick musste die Pferdebesitzer beim Fund ihrer Stute ertragen. © Ralf Bartels

Diesen Anblick musste die Pferdebesitzer beim Fund ihrer Stute ertragen.

Der geschädigte Pferdebesitzer Ralf Bartels entdeckte die verendete 1,25 Meter große Stute morgens um sieben auf seiner Weide. Diese liegt nur ein paar hundert Meter vom nächsten Dorf entfernt. Daneben stand ihr Fohlen aus dem letzten Jahr. Tiefe Fleischwunden in der Hinterhand deuten darauf hin, dass es ebenfalls angefressen wurde. Das Tier befindet sich in einer Klinik. „Zum Glück ist keine Sehne geschädigt. Es soll wieder werden, sagt der Tierarzt. Vier bis sechs Wochen muss es bestimmt in der Klinik bleiben“, so Bartels im Gespräch mit der Redaktion.

Laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zahlt das Land max. 5.000 € für ein totes Nutztier, egal ob Schaf oder Pferd. Bis zu diesem Betrag werden ebenfalls durch einen Wolfsangriff verursachte Tierarztkosten übernommen. Die Höhe der Kostenübernahme errechnet sich aus der „Richtlinie für die Ermittlung des gemeinen Wertes von Pferden“, die vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz herausgegeben wurde, so eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer weiter.

Jaehrling-Uetze © Ralf Bartels

Der Jährling wurde ebenfalls schwer verletzt.

Einige Einsteller haben bereits gekündigt

„Meine Frau ist untröstlich. Sie ist mit der Stute Kutsche gefahren, die Kinder sind auf ihr geritten“, berichtet der nebenberufliche Pferdezüchter. Die Familie besitzt 16 eigene Pferde der Rasse Schwarzwälder Füchse, darunter drei Deckhengste und zwei Zuchtstuten. „Drei Einsteller sind am Montag nach der Attacke gegangen. Einen Teil der Pferde habe ich nach Hause geholt. Die Mutterkühe laufen noch draußen. Wenn der Wolf nochmal kommt, kann ich aufhören. Das war’s dann“, resümiert Ralf Bartels, der hauptberuflich bei der Lebenshilfe arbeitet.

Nutztierrisse häufen sich

Im Altkreis Burgdorf häufen sich die Meldungen über von Wölfen gerissene Nutztiere. Oliver Brandt, Presseobmann der Jägerschaft Burgdorf, berichtet gegenüber der Redaktion von 18 gerissenen Schafen im Januar, einem getöteten Shetland-Pony Ende Juni, einem tödlich verletzten Kalb und weiteren gerissenen Schafen im August. Die Tiere sollen auf das Konto des seit 2019 bestätigten Wolfspaares im örtlichen Burgdorfer Holz gehen. Dort ist laut Wolfsmonitoring ein Elternpaar mit 8 Welpen bestätigt. Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen, bestätigte im August sieben weitere Rudel in Niedersachsen. Damit steigt deren Zahl von 28 auf 35 Stück.

Jäger, Landwirte und Pferdebesitzer haben sich zusammengeschlossen

„Wir sind eine Pferderegion. Viele Landwirte und Pferdebesitzer fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Abgesehen von den wirtschaftlichen Schäden durch Nutztierrisse, werden Pachtverträge für Weiden gekündigt, Einsteller fallen weg, usw.. Die Leute haben Angst um ihre Tiere“, führt Brandt weiter aus. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU in der Region Hannover fordert den Umweltminister Olaf Lies dazu auf, vor Ort den Landwirten und Pferdehaltern Rede und Antwort zu stehen. „Der Umbau der Landwirtschaft hin zu artgerechter und extensiver Tierhaltung ist so nicht möglich“, konkretisiert Brandt sein Anliegen.

Mit der Initiative „Wolf bleibt Wolf – Verantwortung für Mensch, Tier und Natur“ begegnen Jäger (DJV), Landwirte (DBV), Angler, Pferde- (FN) und Waldbesitzer im Schulterschluss dem Thema Wolf. Sie fordern als Betroffene von der Politik eine klare Abkehr vom Zuschauen hin zum aktiven Bestandsmanagement, um die Lebensgrundlage von über zwei Millionen Menschen des ländlichen Raumes zu schützen, heißt es auf ihrer website. Die Initiative wirbt für ein vernünftiges Miteinander von Mensch und Wolf.

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